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Ärzteschaft

Orthopäden setzen sich für Trendwende bei Verkehrsplanung ein

Mittwoch, 10. Juli 2019

/picture alliance, Geisler-Fotopress

Berlin – Anlässlich der neuen Verkehrsunfallstatistik für 2018 mit 3.275 Verkehrstoten macht sich die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) für eine Trendwende bei der Verkehrsplanung und mehr Eigenverantwortung der Ver­kehrs­teilnehmer stark.

Die Fachgesellschaft weist daraufhin, dass der Straßenverkehr durch neue Fortbewe­gungsmittel deutlich unübersichtlicher und komplexer geworden sei. Insbesondere die Anzahl von Elektro-Mobilen (E-Mobilen) habe stark zugenommen.

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Dazu zählten Pedelecs und E-Bikes, aber auch E-Busse und E-Pkw. Seit Juni 2019 seien zudem die E-Scooter genannten Elektroroller auf Deutschlands Straßen und Radwegen unterwegs. Damit gebe es nun vier Verkehrsteilnehmergruppen: Pkw, Lkw und Busse – Fahrräder und E-Bikes – Fußgänger – und die neuen E-Scooter.

„So wie die Möglichkeiten der Verkehrsteilnahme zunehmen, muss auch die Infra­struk­tur mitwachsen“, sagte Christopher Spering, Leiter der DGOU-Sektion Prävention und Oberarzt an der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Plastische Chirurgie an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Nötig sei unter anderem, die Verkehrslen­kung zu verbessern. Dazu zähle die bessere Trennung der vier Verkehrsteilnehmer­gruppen. So müssten beispielsweise das Fahrradwegenetz stark ausgebaut und Rad­wege verbreitert werden.

Die Fachgesellschaft weist daraufhin, dass der Verkehr insgesamt schneller werde. Allein die E-Scooter könnten Geschwindigkeiten von bis zu 20 Kilometern pro Stunde erreichen. „Sie erweitern den Kreis der ungeschützten Verkehrsteilnehmer neben Fuß­gängern und Radfahrern“, so Spering. Das richtige Einkalkulieren der neuen Gruppe von elektrisch betriebenen Fortbewegungsmitteln müsse in die Infrastruktur, aber auch in der Aufmerksamkeitsbereitschaft der anderen Verkehrsteilnehmer unbedingt stärke­re Beachtung finden.

Spering zufolge werde das schnelle Herannahen von E-Mobilen von anderen Ver­kehrs­teilnehmern oft unterschätzt. Beim E-Scooter komme hinzu, dass ein Fahrtrich­tungs­wechsel weder durch Blinker noch durch Handzeichen angezeigt werden könne, denn beide Hände müssten zum Ausbalancieren am Lenker sein. 

Kritik an Erleichterung des Motorradfahrens

Orthopäden und Unfallchirurgen warnten zudem vor neuen, leichtfertigen verkehrspo­liti­schen Ent­schei­dungen: Gemeint sind Pläne von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), den Zugang zum Motorradfahren zu erleichtern.

„Das Risiko, mit einem Zweirad tödlich zu verunglücken oder sich schwer zu verletzen ist etwa zehn Mal höher als in einem Pkw“, sagte der DGOU-Präsident Alfred Grütz­ner. Im Gegensatz zum Pkw habe es beim Unfallgeschehen mit Motorrad in den ver­gangenen 20 Jahren keinen nennenswerten Rückgang gegeben. „Dies sollte bedacht werden, wenn der Gesetzgeber beschließt, die Zulassungen zum Straßenverkehr zu vereinfachen und dafür Abstriche in der Ausbildung der Verkehrsteilnehmer hinnimmt.“

Laut dem Statistischen Bundesamt sind im vergangenen Jahr 396.000 Menschen auf Deutschlands Straßen verletzt worden, 3.275 Verkehrsteilnehmern sind nach Unfällen gestorben. © hil/aerzteblatt.de

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