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Ernährung könnte Präeklampsie und späteres Allergierisiko der Kinder beeinflussen

Donnerstag, 11. Juli 2019

 Darmschleimhaut /rost9, stockadobecom
Die kurzkettige Fettsäure Acetat entsteht beim Verzehr von faserreicher Kost, die etwa Ballaststoffe enthalten. Sie werden von der Darmschleimhaut resorbiert. /rost9, stockadobecom

Sydney – Die von Darmbakterien gebildete kurzkettige Fettsäure Acetat könnte Frauen vor der Entwicklung einer Präeklampsie schützen und sich günstig auf die Entwicklung des Immunsystems des Neugeborenen auswirken. Die in Nature Communications (2019; doi: 10.1038/s41467-019-10703-1) vorgestellten Forschungsergebnisse würden bedeuten, dass Schwangere ihre Kinder durch eine gesunde Ernährung vor einer späteren Allergie schützen könnten.

Die Präeklampsie ist die häufigste Schwangerschaftskomplikation. Ihre Ursache ist nicht bekannt. Einige Immunologen vermuten, dass die Darmbakterien der Schwangeren an der Pathogenese beteiligt sind. Bei einer faserreichen Kost entstehen im Darm die kurzkettigen Fettsäuren Acetat, Butyrat und Propionat. Vor allem Acetat wird von der Darmschleimhaut resorbiert und ist dann im Blut nachweisbar. In einer Kohorte von Schwangeren der Nepean Klinik in der Nähe von Sydney erkrankten Frauen mit niedrigen Acetat-Konzentrationen im Blut häufiger an einer Präeklampsie.

Ralph Nanan vom Charles Perkins Centre der Universität Sydney vermutet, dass der Acetatmangel sich auch negativ auf die Gesundheit des ungeborenen Kindes auswirkt. Tatsache ist, dass die kleinen Moleküle die Plazenta ungehindert passieren. Das Team um Nanan hat an Mäusen untersucht, welche Folgen ein Acetatmangel in der Schwangerschaft hat.

Acetatmangel stört T-Zell-Entwicklung

Bei keimfrei aufgewachsenen Tieren entwickelt sich keine Darmflora und die Acetatkonzentration im Blut ist niedrig. Gewicht und Zellgehalt des Thymus waren bei den keimfrei aufgewachsenen Tieren nur halb so hoch wie bei Mäusen mit einer intakten Darmflora. Wenn den keimfrei aufgewachsenen Tieren Acetat ins Futter gemischt wurde, kam es dagegen zu einer normalen Entwicklung des Thymus.

Der Acetatmangel hatte bei den Mäusen eine Störung in der Entwicklung der T-Zellen zur Folge. Dies könnte einer späteren Entwicklung von Allergien Vorschub leisten, da die T-Zellen darüber bestimmen, welche Antigene das Immunsystem als fremd einstuft. Allergien sind Folge einer fehlgeleiteten Immunantwort, bei der harmlose Antigene eine Immunreaktion auslösen.

Die ROC-Kurve kombiniert Sensitivität und Spezifität. Ein Wert von 1,0 ist eine sichere Diagnose, ein Wert von 0,5 reiner Zufall.

Der Thymus ist das Ausbildungszentrum für T-Zellen. Das kleine Organ hinter dem Brustbein ist bei Kindern, deren Mütter in der Schwangerschaft an einer Präeklampsie erkrankt sind, häufig verkleinert. Die Hypoplasie des Thymus geht den Symptomen der Präeklampsie meist voraus. Der Durchmesser des fetalen Thymus in der Ultraschall­untersuchung könnte laut Nanan sogar zur Früherkennung einer Präeklampsie genutzt werden. Zusammen mit Kopfumfang, Gestationsalter und Body-Mass-Index wird ein AUC von 0,81 in der ROC-Kurve erreicht (siehe Kasten).

Im Thymus werden die regulatorischen T-Zellen (Treg) gebildet. Sie legen fest, welche Ziele das Immunsystem nicht angreifen soll. Die Treg sind deshalb für die Vermeidung von Allergien wichtig. Die australischen Forscher können zeigen, dass die Konzentration der Treg im Nabelschnurblut vermindert ist, wenn die Mutter an einer Präeklampsie litt. Dieser Mangel war bis zum 4. Lebensjahr nachweisbar, und er ist ein schlechtes Omen für spätere Allergien.

Nanan rät aufgrund seiner Ergebnisse allen Schwangeren, sich gesund zu ernähren und viel pflanzliche Nahrung zu sich zu nehmen. Der klinische Beweis, dass dies die Schwangeren vor einer Präeklampsie und die Kinder vor späteren Allergien schützt, steht allerdings noch aus. Streng genommen müsste hierzu eine randomisierte Studie durchgeführt werden, die in Ernährungsfragen nur schwer zu organisieren ist und auch auf ethische Bedenken treffen könnte. © rme/aerzteblatt.de

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