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Politik

Stipendium in Brandenburg soll gegen Ärztemangel helfen

Donnerstag, 11. Juli 2019

/Gina-Sanders, stock.adobe.com

Potsdam – Junge Mediziner, die nach ihrer Ausbildung in ländlichen Regionen von Brandenburg arbeiten wollen, können sich ab sofort für das Brandenburg-Stipendium bewerben. Das hat das Ge­sund­heits­mi­nis­terium in Potsdam mitgeteilt. Vorgestellt wurde das Programm bereits im Juni.

Das Stipendium soll monatlich 1.000 Euro betragen und kann bei der Kassenärztli­chen Vereinigung (KVBB) beantragt werden. Dafür verpflichten sich die jungen Ärzte, für mindestens fünf Jahre in ländlichen Regionen Brandenburgs zu arbeiten. Die KVBB informiert dazu auch auf ihrer Internetseite.

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Pro Semester, beginnend ab Oktober 2019 und endend im April 2021, können bis zu 50 Stipendien neu vergeben werden. Bewerbungsschluss für einen Förderbeginn zum 1. Oktober 2019 ist der 15. August 2019. Die Förderung kann längstens für die Dauer der Regelstudienzeit von 75 Monaten gewährt werden. Studierende, die bereits ein anderes Stipendium von einer Kommune oder einem Kran­­kenhausträger erhalten, können sich um ein Co-Stipendium in Höhe von 500 Euro bewerben.

Außerdem können mit dem Programm bis zu 5.700 Euro der Kosten für die Anstellung eines Arztes in Weiterbildung für die Regelweiterbildungszeit von 60 Monaten über­nommen werden. Gefördert wird so die ambulante Weiterbildung von 20 Stellen.

Gesucht werden nach Angaben des Ministeriums neben Hausärzten Spezialisten wie Frauenärzte, Psychiater, HNO-Ärzte, Augenärzte oder Neurologen. Ein KVBB-Spre­cher nannte heute Städte wie Guben, Forst (Lausitz), Pritzwalk (Prignitz) und Witt­stock (Dosse) (Ostprignitz-Ruppin), in denen Allgemeinärzte gebraucht würden. In Eisenhüttenstadt und Zehdenick (Oberhavel) fehlten vor allem Fachärzte.

Millionen veranschlagt

Gerade in den ländlichen Regionen werde die Situation immer schwieriger, sagte der Sprecher weiter. Da spielten viele Faktoren eine Rolle. Beispielsweise seien fehlende Infrastruktur und Schulangebote für Kinder oder auch keine Arbeit für den Partner Gründe, warum junge Mediziner auf dem Land nicht arbeiten wollten.

Das Stipendienprogramm solle Anreiz geben, um Mediziner für diese Regionen zu ge­winnen. Das Programm für Ärzte auf dem Land wurde von der Landesregierung initi­iert und wird aus Landesmitteln finanziert. Dafür sind im Haushalt für 2019 Mittel in Höhe von 2,4 Millionen Euro und für 2020 3,3 Millionen Euro festgelegt. Für 2021 wird mit 4,3 Millionen und für 2022 mit weiteren 5,3 Millionen Euro gerechnet.

Der Hausärzteverband Brandenburg bezeichnete das Stipendium heute als „wichtiges Signal für die zukünftige medizinische Versorgung“. Es sei allerdings wichtig, das Au­gen­merk noch stärker auf die Förderung der Allgemeinmedizin zu richten, sagte Karin Harre, Vorsitzende des Verbandes. Schließlich hingen viele Probleme des Gesund­heitssystems mit einer fehlenden Koordinierung der Patienten zusammen. Diese Ko­ordinierung könne am effizientesten der Hausarzt übernehmen.

Das Brandenburg-Stipendium sei „Wunschdenken“, kritisierte CDU-Landeschef Ingo Senftleben. „Denn so wie das Stipendium derzeit gestaltet ist, will die Landesregierung baden-württembergische und bayerische Studenten bezuschussen – in der Hoffnung, dass sie nach dem Studium eine Karriere in ihrer Heimat in den Wind schlagen und nach Brandenburg kommen.“

Das könne nicht funktionieren, meinte Senftleben. Der Nachwuchs müsse schon während des Studiums nach Brandenburg gelockt werden. „Dann schlagen sie hier Wurzeln, machen Brandenburg zu ihrer Heimat und bleiben als Landärzte.“

© dpa/may/aerzteblatt.de

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