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Ärzteschaft

Ärzte gegen Homöopathie als Satzungsleistung der Krankenkassen

Donnerstag, 11. Juli 2019

/thomas.andri, stock.adobe.com

Berlin – In Frankreich sollen homöopathische Arzneimittel künftig nicht mehr von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen werden. Aus Sicht der Kassenärztli­chen Bundesvereinigung (KBV) sollten die Krankenkassen in Deutschland die Homöo­pathie auch nicht mehr als Satzungsleistung übernehmen dürfen.

„Es gibt keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit homöo­pathischer Verfahren“, sagte KBV-Chef Andreas Gassen der Rheinischen Post. Wer homöopathische Mittel haben wolle, solle diese bekommen, aber nicht auf Kosten der Solidargemeinschaft.

In Deutschland wird immer wieder über die Homöopathie gestritten und darüber, ob die Allgemeinheit die Kosten für eine solche Behandlung tragen muss. Hierzulande ist Homöopathie zwar kein Bestandteil des Leistungskatalogs der gesetzlichen Kranken­versicherung (GKV). Allerdings erstatten viele Krankenkassen ihren Versicherten die Be­hand­lungskosten, weil es eine hohe Nachfrage gibt.

In Frankreich sollen von 2021 an homöopathische Arzneimittel nicht mehr von der Krankenkasse erstattet werden. Diese Arzneien seien wissenschaftlich gesehen nicht ausreichend wirksam, erklärte das französische Gesundheitsministerium kürzlich. Daher sei eine Erstattung nicht gerechtfertigt.

Von Januar 2020 an soll in Frankreich der Anteil, den Krankenkassen erstatten, be­reits von 30 auf 15 Prozent sinken. So solle den Patien­ten, verschreibenden Ärzten und der betroffenen Industrie Zeit zur Anpassung gege­ben werden, erklärte das Ministerium.

Auch SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach hat sich kürzlich gegen die Kostenerstattung von Homöopathie durch Krankenkassen ausgesprochen. „Wir müssen in der GroKo darüber reden“, hatte er Anfang Juli dem Tagesspiegel gesagt. Ihm zufolge sollen auch freiwillige Leistungen der Krankenkassen wirtschaftlich und medizinisch sinnvoll sein.

Der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH) und der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) finden, das Verbot aus Frankreich lässt sich nicht auf Deutschland übertragen. Hierzulande würden seit 2004 grundsätzlich alle nicht ver­schreibungspflich­tigen Arzneimittel, einschließlich der Arzneimittel der besonderen Therapierichtungen – Phytotherapie, Anthroposophie und Homöopathie – von der GKV nicht mehr erstattet.

Seit 2012 könnten die Krankenkassen im Rahmen ihrer Satzungsleistungen jeweils autonom entscheiden, ob sie unter anderem die Kosten für die Behandlung mit Arz­neimitteln der Besonderen Therapierichtungen bis zu einem bestimmten, gedeckelten Betrag erstatten. „Dadurch hat der deutsche Gesetzgeber ganz bewusst den Wettbe­werb zwischen den Krankenkassen gestärkt und den Patienten die Möglichkeit gege­ben, eine differenzierte Auswahl ihrer Krankenkasse vorzunehmen“, so BAH und BPI.

AOK will Klarheit

Der Vorstandschef des AOK-Bundesverbands, Martin Litsch, sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, wie in Frankreich sei „der Gesetzgeber gefragt, Klarheit zu schaffen“. Damit es diese Klarheit gebe, müsse der Gesetzgeber „Homöopathie als zusätzliche Leistung der Krankenkassen explizit ausschließen“.

Litsch sagte, es gebe keinen Nachweis in methodisch hochwertigen Studien für die Wirksamkeit der Homöopathie. Die Krankenversicherungen stünden deshalb „zwi­schen Baum und Borke“, weil ein Teil der Bevölkerung die Homöopathie als Alter­na­tive zur klassischen Schulmedizin schätze. © dpa/afp/may/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #79783
Practicus
am Montag, 15. Juli 2019, 23:19

@Mitdenker

Was Sie hier der wissenschaftlichen Medizin unterstellen, gilt um so mehr für die sogenannte "Komplementärmedizin", für die es nur gesichert negative (Homöopathie, Antroposophie, Bioresonanz, Kinesiologie, HOT uvm) oder fragwürdig positive (Akupunktur, TCM, Ayurveda) Studien gibt...
Die Medizin ist aus vielen Quellen entstanden, viele davon eher trübe... aber der wissenschaftliche Filter funktioniert inzwischen recht gut.
Die Komplementärmedizin negiert die Wissenschaft vollständig und akzeptieret nur, was zufällig in den Kram passt.
Da sollen die Adepten mit pseudowissenschaftlichen Argumenten eingelullt werden: Multiversen, Quantenfluktuation, Stringtheorie, Informationserhaltungssatz und was sonst noch "passt", dazu esoterisches Geschwurbel von Lebensenergie, Astralkörpern, Mentalkörpern, Transzendenz... läßt sich "spirituelle Energie" besser mit einem silbernen oder versilberten Löffel in die Badewanne rühren und ist rechtsherum effektiver als linksherum?
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Montag, 15. Juli 2019, 16:08

@ "Nofri" und @ "MITDENKER"??

Wer Lesen und Verstehen kann, ist klar im Vorteil: Die EMA hat im September 2014 die Zulassung von Bevacizumab für die Behandlung des neu diagnostizierten Glioblastoms in Kombination mit Strahlenherapie und Temozolomid abgelehnt, weil in der AVAglio-Studie der Nutzen des Angiogenesehemmers nicht ausreichend nachgewiesen werden konnte (http://www.ema.europa.eu/ docs/en_GB/ document_library/ Summary_of_opinion/ human/000582/ WC500167544.pdf). Ihre postulierte "Glioblastombehandlung mit Avastin oder Temodal" ist keineswegs eine Standard-Therapie bzw. kann nicht alternativlos durch Globuli ersetzt werden.

Und das Zitat "Im British Medical Journal vom Oktober 1991" belegt doch nur seit 28 Jahren fehlendes Mitdenken.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #768286
Nofri
am Montag, 15. Juli 2019, 15:07

Lobbyismus

Ich finde es offensichtlich, dass die Pharmalobby hier zugeschlagen hat. Es werden doch auch unwirksame Pharmaprodukte den Patienten verordnet und zwar obwohl man oft sicher weiß, sie wirken wahrscheinlich gar nicht. Ich führe hier an Glioblastombehandlung mit Avastin oder Temodal trotz weiterhin infauster Diagnose und nur sehr wenig verlängerter Lebenszeit. Die Verhältnismäßigkeit ist nicht gewahrt, der Profit der Pharma jedoch hoch die Kosten für die Krankenversicherung sehr hoch. Aber obwohl homöopatische Globulis sehr wenig kosten und bei gewissen Erkrankungen, die zumeist Symptome sind und anzeigen, dass im Menschen etwas nicht funktioniert-Menschen helfen - sonst würden sie ja nicht danach verlangen, sollen die nicht mehr übernommen werden. Millionen von Patienten sollen also irren, wenn sie Globulis nehmen und es nie etwas half? Das hätte sich über die Jahrzehnte herumgesprochen. Aber man sollte bedenken, dass diese Millionen von Patienten hier einen unmanipulierten Feldversuch darstellen und deren Erleben von mehr Ehrlichkeit getragen sein dürfte, als jede von der Pharma gemachte bzw. finanzierte Drittmittelstudie. Es gibt z.Bsp. nicht einen einzigen Beweis, dass Impfungen nicht schaden und helfen. Ich behaupte jetzt mal das ist das starke Immunsystem, genau wie bei den Globulis. Und doch wird es propagiert und demnächst ungeprüft noch zwangsverabreicht. Pharma wird reich, Kranenkassen arm. Der Patient bleibt zumeist krank unter symptomatischer Behandlung und glaubt geheilt zu sein... und Nebenwirkungen führen zu neuen körperlichen Schäden. Wunderbarer Kreislauf für Gelddruckmaschinerie.
Avatar #79783
Practicus
am Samstag, 13. Juli 2019, 22:16

Keine weiteren Pseudostudien!

Solange es kein wissenschaftlich schlüssiges Konzept eines Effekts der Potenzierung oder irgendeinen Beleg für die Richtigkeit der Ähnlichkeitsregel gibt, testen Studien wirkstofffreies Lösemittel oder Trägerstoffe gegeneinander!
Wissenschaftlich schlüssig heißt: Nicht im Widerspruch zu gesicherten Erkenntnissen der Naturwissenschaft... nicht "zwischen Himmel und Erde gibt es Dinge..."
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Samstag, 13. Juli 2019, 18:38

Wissenschafts- und Informationsgesellschaften

m ü s s e n sich im gesamtgesellschaftlich offenen Diskurs mit Inhalten, Aussagen, Systemtheorien, Schlussfolgerungen und Konsequenzen der Homöopathie auseinandersetzen.

Dabei wären Deeskalation, Unaufgeregtheit, Objektivität und Fairness das Gebot der Stunde. Wer Homöopathie-Kritiker mit "blindem Hass gegen die Homöopathie" tituliert, gießt m.E. demagogisch Öl aufs Feuer einer dringend notwendigen gesamtgesellschaftlichen Debatte um diese "besondere Therapierichtung".

Im Kern geht es darum, ob homöopathische Therapieverfahren einen über den Placeboeffekt hinausgehenden, statistisch nachweisbaren, leitlinienadäquaten, therapeutisch hilfreichen Effekt haben können.

R. T. Mathie et al. schrieben 2014 in "Randomised placebo-controlled trials of individualised homeopathic treatment: systematic review and meta-analysis" von Robert T Mathie et al.
https://doi.org/10.1186/2046-4053-3-142
als Schlussfolgerungen von möglichen kleinen, spezifischen Behandlungseffekten. Die insgesamt geringe oder unklare Qualität der Evidenz lege eine vorsichtige Ergebnisinterpretation nahe. Die Autoren fordern neue RCT("randomized controlled trials")-Forschung von hoher Qualität, um maßgeblichere Interpretationen zu ermöglichen ["Conclusions -
Medicines prescribed in individualised homeopathy may have small, specific treatment effects. Findings are consistent with sub-group data available in a previous 'global' systematic review. The low or unclear overall quality of the evidence prompts caution in interpreting the findings. New high-quality RCT research is necessary to enable more decisive interpretation"].

In der Publikation Homeopathy 2018; 107(04): 229-243
DOI: 10.1055/s-0038-1667129
Review Article
The Faculty of Homeopathy
"Systematic Review and Meta-Analysis of Randomised, Other-than-Placebo Controlled, Trials of Individualised Homeopathic Treatment" von
Robert T. Mathie et al. finden sich ähnlich vage formulierte Schlussfolgerungen: "Conclusions - Due to the low quality, the small number and the heterogeneity of studies, the current data preclude a decisive conclusion about the comparative effectiveness of IHT. Generalisability of findings is limited by the variable external validity identified overall; the most pragmatic study attitude was associated with RCTs of adjunctive IHT. Future OTP-controlled trials in homeopathy should aim, as far as possible, to promote both internal validity and external validity."

Vage Schlussfolgerungen deshalb, weil das Fehlen von methodisch korrekten, kontrollierten Homöopathie-Studien gleichzeitig festgestellt, beklagt, eingefordert und als nicht vorhanden deklariert wird.

Wissenschaftlich gesicherte, Leitlinien-gerechte, Evidenz-basierte Therapieverfahren gehen dagegen, wie durch zahllose randomisierte, kontrollierte und auch doppelblinde Studien nachgewiesen publiziert, von hochsignifikant über den Placeboeffekt hinausgehenden Untersuchungs-, Heilungs- und Linderungsprozessen bei unseren Patientinnen und Patienten aus.

Wissenschaftliche Irrtümer, Revisionen, Fehl-Interpretationen und -Entwicklungen eingeschlossen, wie von mir in zahlreichen kritischen Kommentaren und Publikationen auch belegt.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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