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Ärzteschaft

Infektionsrisiko bei Gelenkersatz auch nach Jahren vorhanden

Montag, 15. Juli 2019

/virojt, stockadobecom

Freiburg – Träger von Gelenkprothesen sollten jede Infektion und Entzündung ernst nehmen und sich im Zweifel ärztlich beraten lassen. Darauf hat die AE – Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik hingewiesen.

Infektionen eines künstlichen Hüft- oder Kniegelenks können auch noch Jahrzehnte nach der Implantation auftreten – und zwar dann, wenn Erreger aus einem Infektherd sich über die Blutbahn auf das Implantat ausbreiten und dort vermehren. Deshalb rät die Fachgesellschaft, auch kleine Wunden, entstanden etwa beim Nägel schneiden, bei der Gartenarbeit, oder beim Spiel mit dem Haustier, immer sofort fachgerecht zu desinfizieren und im weiteren Heilungsverlauf im Auge zu behalten.

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Der Fachgesellschaft zufolge gelten Hüft- und Knieprothesen mit etwa 440.000 Im­plan­tationen im Jahr als sichere und erfolgreiche Maßnahmen zur Wiederherstellung von Schmerzfreiheit, Mobilität und sozialer Teilhabe. Dennoch erleiden etwa 0,5 bis zwei Prozent aller Patienten eine periprothetische Infektion ihres Hüft- oder Kniege­lenks.

„Die Besiedelung mit schädlichen Bakterien kann sowohl in der frühen Phase nach der Operation als auch Monate bis Jahre danach auftreten“, sagte AE-Präsident Rudolf Ascherl. Dabei würden die Erreger zunächst eine Entzündung in der Implantatum­ge­bung hervorrufen. Später löse sich der prothesentragende Knochen auf. Schmerzen und eine Lockerung des künstlichen Gelenks seien die Folge.

Neben den periprothetischen Infektionen, bei denen Bakterien bereits im Rahmen der Operation eingebracht wurden, entstehen Implantatinfekte auch durch Zirkulation von Erregern im Blut. „Auslöser dieser über den Blutweg gestreuten Infektionen können größere Entzündungen, etwa von Blase oder Lunge sein“, sagte AE-Vizepräsident Karl-Dieter Heller.

Als weitere mögliche Ursachen kämen aber auch Bakterienquellen wie offene Beine (Durchblutungsstörungen), eine blutig verlaufende Zahnbehandlung, eine Darm­spiege­lung oder eine eher unscheinbare Verletzung beim Heimwerken infrage. „Trägt der Patient weitere Fremdkörper, etwa künstliche Herzklappen, die sich infiziert haben, können auch diese Keime auf die Gelenkprothese verschleppt werden“, so Heller.

Normalerweise schütze das Immunsystem den Körper vor einer Ausbreitung von Infekten und eliminiert Keime, die über den Blutweg streuen. Ein Implantat sei jedoch ein unbelebter Fremdkörper. Er könne sich nicht selbst vor der Besiedelung mit Bakterien schützen. „Deshalb bleiben Bakterien dort bevorzugt haften. Da sie sich auf der künstlichen Oberfläche ungestört vermehren können, sind sogar schon verhältnismäßig wenige Keime in der Lage, eine ernsthafte Infektion auszulösen“, erklärte Ascherl.

Auf der Oberfläche der Prothesen beginnen sie bereits innerhalb von wenigen Tagen, einen Schleimfilm zu bilden. Bakterien, die sich innerhalb dieses Biofilms befänden, seien vor dem Angriff durch Antibiotika und des Immunsystems geschützt, so der Orthopäde und Unfallchirurg weiter. Eine realistische Chance, die Infektion durch Antibiotika in den Griff zu bekommen, bestehe deshalb nur in den ersten drei Wochen nach Beginn der Symptome. Umso wichtiger sei es, schnell eine Behandlung einzu­leiten.

„Patienten mit einem künstlichen Gelenk sollten deshalb ihr Leben lang ihren Körper von Kopf bis Fuß besonders aufmerksam pflegen“, sagte Ascherl. Und er betont: „Schmerzen am operierten Gelenk sind immer ein Alarmzeichen und müssen um­gehend vom Arzt abgeklärt werden.“ © hil/sb/aerzteblatt.de

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