NewsMedizinWeitere Zunahme von Syphilis-Infektionen in Europa
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Weitere Zunahme von Syphilis-Infektionen in Europa

Freitag, 12. Juli 2019

Syphilis-Erreger „Treponema pallidum“ /dpa
Syphilis-Erreger „Treponema pallidum“ /dpa

Stockholm – Der Anstieg der Syphilis-Erkrankungen, der seit 2010 erkennbar ist, hat sich auch 2017 im Europäischen Wirtschaftsraum EAA (EU plus Norwegen und Island) fortgesetzt. Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) rät zu verstärkten Gegenmaßnahmen.

Im Jahr 2017 wurden in den 30 EU/EAA-Ländern 33.189 Syphilisfälle gemeldet. Das sind knapp 10 % mehr als im Vorjahr mit 29.944 bestätigten Infektionen. Die Inzidenz ist damit auf 7,1 Fälle pro 100.000 Einwohner gestiegen. Am höchsten ist sie auf Island mit 15,4 auf 100.000 Einwohner, gefolgt von Malta (13,5), Großbritannien (11,8) und Spanien (10,3). Die geringste Meldequote hatten Kroatien und Portugal mit weniger als 1 Meldung auf 100.000 Einwohner.

In Deutschland wurde 2017 bei 7.473 Personen eine Syphilis diagnostiziert. Dies entspricht 9,1 Fällen auf 100.000 Einwohner. Deutschland zählt neben Island, Irland, Großbritannien und Malta zu den Ländern, in denen sich die Rate seit 2010 mehr als verdoppelt hat. Estland und Rumänien meldeten dagegen einen deutlichen Rückgang.

Vor allem Männer, die Sex mit Männern haben, verursachen den Anstieg

Zwei Drittel (67 %) der Syphilisfälle traten europaweit bei Männern auf, die Sex mit Männern haben (MSM). Auf diese Gruppe ist im Wesentlichen der Anstieg seit 2010 zurückzuführen, was auch auf Deutschland zutrifft (Anteil 66 %).

Unter den 33.189 Syphilisfällen waren nur 2.961 Frauen, achteinhalb Mal weniger als bei Männern. Ein seit 2016 bestehender leichter Anstieg der Syphilisrate bei Frauen hat sich laut ECDC auch 2017 fortgesetzt.

Schwindende Angst vor Aids und PrEP fördern den Trend

Der Anstieg der Syphilis bei Männern wird auf die zurückgehende Angst vor Aids zurückgeführt. Eine HIV-Infektion ist kein Todesurteil mehr, seit eine Immunschwäche durch Medikamente weitgehend aufgehalten werden kann. Viele sexuell aktive Männer sehen deshalb keine Notwendigkeit mehr, sich durch Kondome vor einer Infektion zu schützen. Infektionsgefährdet sind insbesondere Männer mit wechselnden Sexualpartnern, zu denen häufig MSM gehören. Die Präexpositionsprophylaxe (PrEP) mit Emtricitabin/ Tenofovir, die eine HIV-Infektion verhindern kann, dürfte den Trend weiter fördern.

Die ECDC schlägt vor, das Screening bei den MSM zu intensivieren. Parallel zum HIV-Test sollte immer auch ein Syphilis-Test durchgeführt werden, heißt es im aktuellen Trendbericht. Männer mit hohem Risiko (PrEP, hohe Zahl von Sexualpartnern, frühere Syphilis) sollten sich vierteljährlich testen lassen, rät das ECDC. Die Tests können auch an Orten angeboten werden, an denen sich MSM in größerer Zahl zum Sex verabreden.

Über die sozialen Netzwerke könnte über die Infektionsrisiken und die Notwendigkeit von Tests informiert werden. Die ECDC empfiehlt außerdem ein effektives Partnermanagement. Gemeint ist das konsequente Testen der Sexualkontakte von Personen, bei denen eine Syphilis neu diagnostiziert wurde. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #638003
Nora S.
am Samstag, 13. Juli 2019, 03:02

...und erneut Aufklärung an den Schulen

Spätestens jetzt wichtiger Zeitpunkt, auch nach dieser Info wieder massive Aufklärung an den Schulen vorzunehmen. Erreichen Ihre Infos auch das Gesundheitswesen/-ministerium? Konsequenzen sollten nicht nur wir Ärzte ziehen, sondern offizielle Stellen zur Verhinderung der Ausbreitung diverser Geschlechtskrankheiten.
LNS

Nachrichten zum Thema

18. Juni 2020
Kassel – Das Bundessozialgericht (BSG) hat den Anspruch eines Mann-zu-Frau-Transsexuellen auf eine „gesichtsfeminisierende Operation“ abgelehnt. Insgesamt müssten die Krankenkassen Transsexuellen nur
Keine „gesichtsfeminisierende Operation“ für Transsexuelle
17. Juni 2020
Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) hat die S1-Leitlinie „Neurosyphilis“ neu aufgelegt. Grund sind steigende Zahlen. 2018 hatte die Zahl der Neuinfektionen mit 7.332 Fällen einen
S1-Leitlinie zur Neurosyphilis neu aufgelegt
15. Juni 2020
Berlin – Immer mehr Menschen wissen, dass HIV unter Therapie nicht übertragbar ist. Rund 18 Prozent der Deutschen ist das mittlerweile bekannt, wie eine heute in Berlin veröffentlichte Umfrage im
Weniger Wissenslücken zur Übertragbarkeit von HIV
5. Juni 2020
Berlin – Dubiose Therapien zur vermeintlichen Heilung von Homosexualität sind bei Minderjährigen künftig komplett untersagt, bei Volljährigen unter bestimmten Umständen. Nach dem Bundestag hat heute
Bundesrat beschließt Teilverbot von „Konversionsbehandlungen“
27. Mai 2020
Berlin − Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) will die bestehenden Blutspenderegeln für homosexuelle Männer auch in der Coronapandemie nicht verändern. In einem Brief an FDP-Abgeordnete
Spahn will Blutspenderegeln für homosexuelle Männer nicht lockern
18. Mai 2020
Durham/North Carolina − Die intramuskuläre Injektion von Cabotegravir, die nur alle 8 Wochen wiederholt werden muss, hat in einer großen internationalen Studie Männer, die Sex mit Männern haben
PrEP: Intramuskuläre Cabotegravir-Injektionen schützen effektiver vor HIV-Infektion
12. Mai 2020
Berlin − Die FDP im Bundestag kritisiert, dass homo- und bisexuelle Männer weiterhin Beschränkungen beim Blutspenden unterliegen. Der Passus dazu im Entwurf zum Zweiten Pandemiegesetz sei nur
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER