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Medizin

IQWiG veröffentlicht ersten vollständigen HTA-Bericht zu Musiktherapie bei Krebs

Freitag, 12. Juli 2019

Auf einem Stuhl sitzend, trommelt der Musiktherapeut Jens-Peter Rose (l) in der Klinik für Tumorbiologie in Freiburg gemeinsam mit einer seiner Patientinnen (2005) /picture alliance
Auf einem Stuhl sitzend, trommelt der Musiktherapeut Jens-Peter Rose (l) in der Klinik für Tumorbiologie in Freiburg gemeinsam mit einer seiner Patientinnen (2005) /picture alliance

Köln – Bürger fragen, das IQWiG antwortet: Erstmals ist die finale Fassung eines Health-Technology-Assessments (HTA), dessen Thema auf einen Vorschlag aus der Bevölkerung zurückgeht, auf der Website des ThemenChecks Medizin veröffentlicht worden. Das Thema: Musiktherapie bei Krebs. Der finale HTA-Bericht umfasst – anders als der bereits im Januar herausgegebene Vorbericht – eine allgemein verständliche Kurzfassung (HTA-Kompakt) sowie einen Herausgeber-Kommentar des IQWiG.

Die vom IQWiG beauftragten Wissenschaftler kommen zu dem Fazit, dass eine Musiktherapie psychische Begleitsymptome einer Karzinomerkrankung (beziehungsweise ihrer Behandlung) wie etwa Abgeschlagenheit oder Angst sowie die gesundheitsbezogene Lebensqualität kurzfristig nach der Therapiesitzung günstig beeinflussen. Für Aussagen zu langfristigen Effekten sowie bei begleitender Depression oder chronischen Schmerzen fehle es jedoch an Daten. Lücken gebe es auch bei Studien, die Kostenaspekte untersuchten.

Die Fragestellungen des ThemenChecks Medizin gehen auf Vorschläge aus der Bevölkerung zurück. Das IQWiG sammelt diese und wählt pro Jahr bis zu 5 Themen aus. In einem Ausschreibungsverfahren werden anschließend Wissenschaftlerteams außerhalb des Instituts gesucht, die die HTA-Berichte erstellen. Der ThemenCheck Medizin hat zum Ziel, die Bürgerbeteiligung an der evidenzbasierten Medizin zu fördern.

Der Fokus ist bei den HTA-Berichten breiter als bei anderen IQWiG-Berichten. Neben Nutzen und Schaden werden nicht nur Kosten und Aufwand, sondern auch ethische, organisatorische, soziale und rechtliche Aspekte betrachtet. Das IQWiG fungiert als Auftraggeber und Herausgeber der HTA-Berichte. Dabei prüft das Institut insbesondere, ob sich die beauftragten Experten an den wissenschaftlichen Methoden des Instituts orientiert haben.

Studien belegen positive psychologische Effekte nur kurzfristig

Zu der Frage nach dem Nutzen einer Musiktherapie bei Krebserkrankungen konnten die Forscher zwar insgesamt 10 randomisiert-kontrollierte Studien auswerten. Doch diese Studien ließen zu einer ganzen Reihe wichtiger Zielkriterien, wie etwa der Krankheitsbewältigung oder der beruflichen und sozialen Teilhabe, keine Aussagen zu.

Bei einigen „psychologischen“ Endpunkten zeigen die Daten aber positive Effekte, vor allem für Abgeschlagenheit, Angst, Stimmungsschwankungen, Stress und Anspannung. Allerdings gilt dies meist nur für einen kurzen Zeitraum nach den Therapiesitzungen. Um die langfristige Wirksamkeit zu beurteilen, war der Zeithorizont der Studien zu kurz.

Musiktherapie hat patientenrelevante Effekte

Die Autoren des HTA-Berichts und das IQWiG kommen zu dem Schluss, dass diese Effekte trotz ihrer Kurzfristigkeit als patientenrelevant einzustufen sind. Wenn es den Betroffenen nach einer Therapiesitzung besser gehe, so sei das gerade angesichts ihrer ohnehin starken Belastung von Bedeutung. Erst recht gelte dies in einem palliativen Setting, wenn keine Aussicht auf Heilung mehr bestehe und die Lebenserwartung mitunter stark verkürzt sei.

Aus ethischer Sicht erscheint die Musiktherapie dem Bericht zufolge unbedenklich: Zum einen ist sie – anders als etwa eine Operation – nicht invasiv. Zum anderen kommt sie nur dann zustande, wenn die Betroffenen motiviert sind und aktiv mitmachen. In seinem Herausgeberkommentar merkt das IQWiG aber an, dass dennoch mögliche unerwünschte Wirkungen in Studien untersucht werden sollten.

Forschungsbedarf sehen sowohl das Autoren-Team als auch der Herausgeber in Hinblick auf Langzeiteffekte und auf die Frage, ob die begleitende Musiktherapie dazu beiträgt, die Krankheit und den Alltag besser bewältigen zu können.

Zwei weitere HTA-Berichte aus der ersten Auswahlrunde des ThemenCheck Medizin sollen noch in diesem Sommer veröffentlicht werden. Vorschläge für neue Themen einzureichen, ist jederzeit möglich. Sie kommen dann in die nächste Auswahlrunde. © nec/aerzteblatt.de

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