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Medizin

CRP-Schnelltest kann Antibiotika bei COPD-Exazerbationen einsparen

Freitag, 12. Juli 2019

/psdesign1, stock.adobe.com

Oxford – Die Bestimmung des C-reaktiven Proteins (CRP), das vor allem bei schwe­ren Infektionen stark ansteigt, kann in der ambulanten Behandlung von Patienten mit akuten Exazerbationen einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) den Einsatz von Antibiotika vermindern, ohne die Situation der Patienten zu verschlech­tern. Dies kam in einer randomisierten klinischen Studie im New England Journal of Medicine (2019; 381: 111-120) heraus.

An einer COPD sterben jedes Jahr in Deutschland 25.000 Menschen. Weltweit ist die COPD die dritthäufigste Todesursache. Es ist deshalb verständlich, dass Ärzte bei einer akuten Exazerbation zu einer Maximaltherapie greifen, zu der der Einsatz von Antibiotika gehört. Infektionen sind nämlich ein häufiger Auslöser der Exazerbation. Fest steht allerdings auch, dass Infektionen nicht der einzige Trigger sind und Antibio­tika nur wirksam sein können, wenn die Infektion durch Bakterien und nicht durch Viren ausgelöst wird.

Dem Arzt fehlte bisher ein sicheres Kriterium, mit dem er erkennen konnte, ob eine bakterielle Infektion vorliegt. Die 3 Anthonisen-Kriterien (erhöhte Dyspnoe, vermehrtes Sputum und Purulenz des Sputums) gelten als unsicher und werden deshalb häufig nicht beachtet.

Die PACE-Studie hat in den letzten Jahren untersucht, ob ein CRP-Schnelltest die Entscheidung der Ärzte unterstützen und die Antibiotika-Verordnung senken kann. An der Studie nahmen 86 Hausarztpraxen aus England und Wales teil. Den Ärzten wurde ein Gerät zum CRP-Schnelltest zur Verfügung gestellt, das sie jedoch nur bei der Hälfte der Patienten anwenden sollten. Insgesamt wurden 653 Patienten in die Studie einbezogen. Alle erfüllten mindestens ein Anthonisen-Kriterium.

CRP-Grenzwert lag bei 20 mg/l

Die Empfehlung an die Ärzte lautete, dass bei einem CRP-Wert von unter 20 mg/l der Einsatz eines Antibiotikums vermutlich nicht hilfreich ist und unterbleiben sollte. Bei einem CRP-Wert von 20 bis 40 mg/l könnten Antibiotika hilfreich sein und bei einem CRP-Wert von über 40 mg/l sei ein Nutzen wahrscheinlich. Der CRP-Wert war eine Empfehlung, die Entscheidung über den Antibiotikumeinsatz traf am Ende der Arzt.

Die primären Endpunkte der Studie waren einmal die Häufigkeit von Antibiotika-Verordnungen, die bei den Patienten vier Wochen nach Studienbeginn erfragt wurden. Der zweite primäre Endpunkt war der „Clinical COPD Questionnaire“ (CCQ), in dem die Patienten zehn Fragen zu den Symptomen und den Auswirkungen der Erkrankung auf das tägliche Leben mit 0 bis 6 Punkten bewerten. Der CCQ ist ein valides Instrument zur Beurteilung der COPD, das auch in Deutschland eingesetzt wird.

Antibiotikaverzicht schadet Patienten nicht

Wie Christopher Butler vom Nuffield Department of Primary Care Health Sciences in Oxford und Mitarbeiter berichten, erhielten in der CRP-gesteuerten Gruppe 57,0 % der Patienten ein Antibiotika-Rezept. In der Kontrollgruppe waren es dagegen 77,4 %. Die adjustierte Odds Ratio betrug 0,31 und war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,20 bis 0,47 signifikant. Insgesamt wurde also bei einem von fünf Patienten (20 Prozentpunkte) häufiger auf die Verordnung von Antibiotika verzichtet, was ein klinisch relevanter Unterschied ist.

Die Situation der Patienten hat sich durch den Verzicht auf die Antibiotika nicht verschlechtert. Der Unterschied im CCQ betrug lediglich 0,19 Punkte und zwar zugunsten der CRP-gesteuerten Gruppe (90-%-Konfidenzintervall 0,05 bis 0,33).

Den Patienten der CRP-gesteuerten Gruppe wurde bereits bei der Erstkonsultation seltener ein Antibiotika-Rezept ausgestellt (47,7 versus 69,7 %, adjustierte Odds Ratio 0,31; 0,21 bis 0,45). Auch die Zahl der Verordnungen in den ersten vier Wochen der Nachbeobachtung (59,1 versus 79,7 %, adjustierte Odds Ratio, 0,30; 0,20 bis 0,46) war geringer.

In der CRP-gesteuerten Gruppe hatten die Ärzte 79 von 241 Patienten (32,8 %) mit einem CRP-Wert von unter 20 mg/l ein Antibiotikum verordnet. Im CRP-Bereich von 20 bis 40 mg/l erhielten 32 von 38 (84,2 %) ein Rezept und bei einem CRP-Wert von 40 mg/l waren es 36 von 38 (94,7 %) Patienten. © rme/aerzteblatt.de

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