NewsVermischtesLehrer und Erzieher wissen zu wenig über gesunde Ernährung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Lehrer und Erzieher wissen zu wenig über gesunde Ernährung

Freitag, 12. Juli 2019

Kita-Kinder essen an einem Tisch. /dpa
Früh übt sich: Damit Deutschland gesünder lebt, sollen schon Kinder über die richtige Ernährung gut Bescheid wissen. Doch Schulen und Kitas tun sich schwer mit dieser Aufgabe./dpa

Berlin – Viele Lehrer und Erzieher wissen nicht genug über gesunde Ernährung, um Kinder auf diesem Gebiet fit zu machen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie zur ernährungsbezogenen Bildungsarbeit, die heute in Berlin an Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) übergeben wurde.

Die Forscher der Universität Paderborn stellen darin fest, dass ernährungswissen­schaftliche Kompetenzen in der Ausbildung pädagogischer Fachkräfte „nur unzurei­chend verankert“ seien.

Anzeige

Klöckner kündigte deshalb ein Konzept an, um das Thema Ernährung stärker als bis­her in Ausbildung, Studium und Fortbildung unterzubringen. „Der Grundstein für eine gesunde und ausgewogene Ernährung wird im Kindesalter gelegt“, erklärte die Minis­terin.

Nach Erkenntnissen des Robert Koch-Instituts haben in Deutschland 26 Prozent der Fünf- bis Siebzehnjährigen Übergewicht, fast 10 Prozent sind sogar fettleibig. Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), Klaus Reinhardt, hatte deshalb kürzlich ein Schulfach „Gesund­heits­förder­ung“ angemahnt.

Methodik: Es wurden landesrechtliche Regelungen für Kitas aller Bundesländer analysiert. Ebenso wurden die Pläne für die frühkindliche Bildung sowie Angebote für Fort- und Weiterbildungen für pädagogische Kita-Mitarbeitende im Bereich Ernährung ausgewertet. Um den Stellenwert von Essen in der pädagogischen Arbeit zu ermitteln, wurden 256 Kita-Webseiten nach Konzeptionen untersucht. Zudem befragten die Studeinleiter Kitaleitungen. 485 Fragebögen konnten in die Analyse eingeschlossen werden, wobei der Rücklauf in den BL stark schwankte.

Quelle: Vollständiger Schlussbericht

Der neuen Studie zufolge sind Ernährungsfragen in den entsprechenden Lehramts­studiengängen häufig eher ein Randthema. Zudem zeigten die Lehrer wenig Interesse an ernährungsbezogenen Fortbildungen, und in den Schulbüchern gebe es bei diesen Themen häufig fachliche Mängel.

Schon in den Fachbüchern zur Ausbildung von Erziehern finden sich nach Darstellung der Forscher inhaltliche Fehler. So werde etwa behauptet, es sei ein Irrglaube, dass Calcium aus der Milch dem Körper beziehungsweise den Knochen guttue.

Mängel werden auch in jedem vierten Schulbuch festgestellt. So seien die Ernäh­rungs­­empfehlungen oft nicht auf dem aktuellem Stand. In einem Fall werde etwa Milch sehr negativ dargestellt. „Diese Darstellung entspricht bei weitem nicht dem aktuellen Stand der Wissenschaft.“

Gleichzeitig ergab eine Befragung unter Hunderten Kitaleitern, dass das Interesse der Mitarbeiter an ernährungsbezogenen Fortbildungen überschaubar sei. Als hemmende Faktoren werden Zeitmangel, Personalmangel und andere Prioritäten genannt.

Außerdem haben Mitarbeiter in Kitas demnach wenig Interesse am Thema Essen und Ernährung, beziehungsweise fänden es unwichtig für ihre Arbeit. © dpa/gie/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #769611
NGrassmeier
am Montag, 15. Juli 2019, 08:38

Falsche Anreize

Zu der Thematik, dass oftmals das Fachwissen zur Ernährung fehlt, gesellt sich das Problem, dass die Finanzierung vollkommen falsche Anreize setzt: Für Kinder, die bei einer Tagesmutter bzw. einem Tagesvater betreut werden, bezahlen Eltern (zumindest in Bayern) kein Essens- und Getränkegeld. Bei jeder Kita ist das anders. Dadurch entsteht für die Tagesmütter der Anreiz, die Kinder möglichst kostengünstig zu ernähren, damit der Großteil der Bezahlung übrig bleibt. Natürlich muss auch günstige Ernährung per se nicht schlecht sein. Doch wenn die Kosten der Hauptauswahlfaktor einer Mahlzeit sind und gleichzeitig das Wissen zu einer gesunden Ernährung mangelhaft ist, kommt selten etwas Positives dabei heraus.

Dies soll ausdrücklich keine Kritik an den Tagesmüttern und -vätern sein!!! Sie machen in den allermeisten Fällen einen super Job! Ich möchte vielmehr darauf hinweisen, dass dieses Finanzierungssystem dringend angepasst werden muss in Zeiten, in denen immer mehr Kinder übergewichtig sind. Gerade Tagespflegepersonen, die Kinder von 1 bis 3 Jahren betreuen, beeinflussen das Ernährungsverhalten der Kleinen eklatant! Wenn wir hier versagen, können wir noch so viele Präventionsprogramme für (Vor-) Schulkinder auf den Weg bringen - sie werden alle nicht den gewünschten Erfolg haben.
LNS

Nachrichten zum Thema

15. Juli 2019
Kopenhagen – Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) warnt vor Zucker und Süßstoffen in Babynahrung. Eine frühzeitige Gewöhnung an gesüßte Nahrungsmittel könne für den Rest des Lebens die Gefahr von
Welt­gesund­heits­organi­sation warnt vor Zucker und Süßstoffen in Babynahrung
11. Juli 2019
Paris – Erwachsene, die täglich Süßgetränke konsumieren, erkranken etwas häufiger an Krebs. Dies kam in der prospektiven NutriNet-Santé-Studie heraus, die seit 2009 mehr als 100.000 Erwachsene im
Zuckerhaltige Getränke erhöhen das Krebsrisiko
11. Juli 2019
Sydney – Die von Darmbakterien gebildete kurzkettige Fettsäure Acetat könnte Frauen vor der Entwicklung einer Präeklampsie schützen und sich günstig auf die Entwicklung des Immunsystems des
Ernährung könnte Präeklampsie und späteres Allergierisiko der Kinder beeinflussen
9. Juli 2019
Potsdam – Brandenburgs Verbraucherschutzminister Stefan Ludwig (Linke) hält das geplante neue Nährwert-Logo für viele Lebensmittel auf freiwilliger Basis nicht für ausreichend. Es sei Zeit für ein
Plädoyer für verpflichtendes Nährwert-Logo auf Lebensmitteln
9. Juli 2019
Kopenhagen – Ein Entwurf der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) mit Er­näh­rungs­emp­feh­lung­en rät, wenige gesättigte Fettsäuren zu essen und sie durch ungesättigte Fettsäuren zu ersetzen. Laut
Zweifel an Empfehlungen zur Reduktion gesättigter Fettsäuren
8. Juli 2019
Osnabrück – Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) will Schulkinder besser über gesunde Lebensmittel aufklären. „Eine ausgewogene Ernährung gerade unserer Kleinsten ist der Schlüssel für
Auflärung in Schulen über gesunde Ernährung soll verbessert werden
4. Juli 2019
Berlin – Die SPD pocht auf Transparenz bei der anstehenden Verbraucherbefragung über eine neue Nährwertkennzeichnung für Fertigprodukte. Fraktionsvize Matthias Miersch sagte, er hoffe auf ein klares
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER