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Politik

Lob und Kritik für Medizinerausbildung in Oldenburg

Montag, 15. Juli 2019

/picture alliance, Hauke-Christian Dittrich

Berlin – Der Wissenschaftsrat hat zum zwei­ten Mal die Universitätsmedizin in Olden­burg sowie deren Kooperation mit der Euro­paen Medical School in Groningen in den Niederlanden begutachtet. Es gab großes Lob aber auch viele Kritikpunkte.

Seit der Gründung 2012 sei ein „beeindruckendes Studienangebot etabliert worden, das schon heute viele As­pekte des Masterplanes Medizinstudium 2020 berücksich­tigt“, hieß es vom Wissen­schaftsrat heute dazu. Außerdem: „Das Curriculum über­zeugt vor allem durch die Integration moderner Lehr- und Lernmethoden, die konse­quente wissenschaftliche Ausbildung sowie die frühe und umfangreiche Einbindung von Lehrpraxen“.

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Auch die starken Forschungsschwerpunkte in der Neurosensorik sowie Hörforschung gehören zu den „profilbildenden Merkmalen“ der Uni. „Es ist  wirklich beeindruckend, wie sehr das persönliche Engagement der Verantwortlichen und Lehrenden vor Ort ist“, lobte Generalsekretär Thomas May vom Wissenschaftsrat bei der Pressekonfe­renz heute in Berlin.

Bei der Begutachtung vor Ort wäre man im Wissenschaftsrat erst vom Konzept über­zeugt gewesen, nachdem man alle handelnden Akteure getroffen habe, erzählte May. Denn auf dem Papier sehe die Entwicklung nicht so rosig aus. Trotz des großen Lo­bes spricht der Wissenschaftsrat in seinem 136-seitigen Gutach­ten im Auftrag der Landesregierung von Niedersachsen auch deutliche Kritik aus.

Mängel beim Kooperationsmodell

Zwar konnten die Ideen des Gründungskonzeptes seit 2012 umgesetzt werden und auch weiter untermauert werden. „Um allerdings die hohen Qualitätsstandards einer Universitätsmedizin erfüllen zu können, bedarf es weiterhin erheblicher Nachbesse­run­gen“, sagte die Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Martina Brockmeier, laut einer Pressemitteilung des Gremiums nach dessen Sommersitzung in Gießen.

Dies betreffe vor allem die „Gestaltung eines tragfähigen Kooperationsmodells mit den externen Krankenhäusern und den Aufbau des wissenschaftlichen Personals, hieß es weiter. Vor Journalisten betonte der Generalsekretär des Gremiums, dass ein tragfähi­ges Organisationsmodell mit den vier kooperierenden Kliniken benötigt werde. May bezeichnete dies als „größte Herausforderung“, eine der Kliniken soweit auszubauen, dass sie zu einer Uniklinik werden könne.

Die bisherige Rahmenvereinbarung zwischen Land, Universität und den bilateralen Ver­trägen mit einzelnen Krankenhäusern werden im Gutachten als „nicht zukunfts­fä­hig“ betrachtet. „So sind die darin enthaltenden Regelungen zu unverbindlich und die erforderlichen Abstimmungen zu komplex, um eine Governance zu etablieren, die eine strategische Steuerung der Universitätsmedizin als Ganzes erlaubt“, heißt es weiter.

Eine Orientierung könnte ein Modell sein, das sich an den Strukturen der Regensbur­ger Universitätsmedizin orientiert, hießt es in dem Bericht. Generell wird empfohlen, eine bessere gemeinsame Steuerung von Lehre und Krankenversorgung etwa durch gemeinsame Gremien zu organisieren.

Hochschule sieht sich bestätigt

Für die Universität Oldenburg ist das Gutachten des Wissenschaftsrates ein „großer Rückenwind“. Man habe seit der Gründung 2012 in einer Art Erprobungsphase mit sehr knapper Finanzierung gearbeitet, erklärte Hans Michael Piper, Präsident der Universität Oldenburg, im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt. „Wir haben sehr viel Erfolg mit dem Modellstudiengang und sind auch mit den Ideen aus dem Master­plan 2020 Spitzenreiter in Deutschland.“

Die Limitierungen des Standortes, auch aus finanzieller Perspektive, seien immer klar gewesen, so Piper. Das Land Niedersachsen hatte bereits reagiert und für das Stu­dien­jahr 2019/2020 die Finanzierung für 80 Studienplätze in Aussicht gestellt. Damit würden die bisherigen Studienplätze verdoppelt.

„Wir sind von den Gebäudekapazitäten jetzt am Ende. Wir haben bereits einen Bau­plan für neue Räumlichkeiten vorgelegt und warten jetzt auf die Bestätigung und Fi­nan­zierung durch das Land“, erklärte Pieper. Geplant ist ein Neubau für 146 Millionen Euro. Das Land hat angekündigt, bis 2024 rund 200 Studierende in Oldenburg pro Jahr ausbilden zu wollen.

„Die Investitionen werden sich lohnen, besonders dann, wenn das geplante Konzept am Studienstandort gelingt. Dann ist die Ausbildung in Oldenburg eine interessante Bereicherung für die deutsche Medizinlandschaft“, so May vom Wissenschaftsrat.

Krankenhäuser haben viel geleistet

Dazu muss auch die künftige Kooperation mit den vier Oldenburger Kliniken besser werden, so der Wissenschaftsrat. Für den Präsidenten der Uni Oldenburg wurde von den vier Kliniken – „unsere wichtigen Partner“ – bereits viel geleistet. „Sie sind ein ent­scheidender Erfolg und haben die Ausbildung und das Projekt aus eigenen Mitteln ge­stemmt“, so Piper.

Er könne auch keinen mangelnden Kooperationswillen der Häuser erkennen. Es gehe nun in Zukunft darum, für welches Kooperationsmodell zwischen Universität und Kran­kenhaus man sich entscheide. Auch dazu sei die Universitätsleitung mit dem Land Nie­­dersachsen im Gespräch. Dort wollte man offenbar das Gutachten des Wissen­schaftsrats zunächst abwarten.

Die Kooperation mit der Universitätsmedizin in Groningen bezeichnet der Wissen­schaftsrat als interessant, allerdings sieht er Schwierigkeiten dabei, wie die künftig steigende Anzahl der Studenten aus Deutschland in das Curiculum in den Nieder­landen einbezogen wird.

Einbindung wichtig

„Je nachdem ob und in welcher Form für den weiteren Ausbau ein zusätzlicher uni­versitärer Kooperationspartner gewonnen werden muss, könnte dies weitreichende Folgen für das Profil der Universitätsmedizin Oldenburg und den Stellenwert der Ko­operation mit der Universität Groningen haben“, schreibt der Wissenschaftsrat.

Daher halte der Rat es für „unbedingt notwendig, dass das Land vor einer weiteren Erhöhung der Studienplätze gemeinsam mit der Universität Oldenburg ein tragfähiges Konzept zu entwickelt, das gegebenenfalls auch die Einbeziehung eines zusätzlichen Partners berücksichtigt.“

Für Piper, Präsident der Uni in Oldenburg, ist die „Partnerschaft mit Groningen groß­artig.“ Man habe die Kooperation mit der Universität bereits seit fast 40 Jahren auf sehr vielen Ebenen. Auch daher habe die Uni dort beim Aufbau in Oldenburg gehol­fen. Die Aufforderung des Wissenschaftsrates, dass in Oldenburg mehr in die For­schung investiert werden müsse, gehe daher wieder in Richtung Landesebene, so Piper.

© bee/aerzteblatt.de

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