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Medizin

Gesunder Lebensstil kann genetisches Demenzrisiko abschwächen

Dienstag, 16. Juli 2019

Zwei ältere Menschen beim Joggen. /Robert Kneschke, stock.adobe.com
/Robert Kneschke, stock.adobe.com

Exeter – Wer nicht raucht, sich gesund ernährt, Sport treibt und wenig Alkohol trinkt, kann dadurch sein Demenzrisiko auch dann senken, wenn er (oder sie) genetisch vorbelastet ist. Das zeigt eine Analyse der „UK Biobank“-Studie im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2019 doi: 10.1001/jama.2019.9879).

Demenzen sind kein unvermeidbares in den Genen festgeschriebenes Schicksal. Frühere Studien haben gezeigt, dass ein gesunder Lebensstil das Erkrankungsrisiko senken kann. Zu dem gesunden Lebensstil gehört ein konsequenter Verzicht auf das Rauchen, mindestens 2,5 Stunden Sport in der Woche (oder 75 Minuten Intensivsport), eine ausgewogene Ernährung mit mehr als 3 Portionen Obst oder Gemüse am Tag, 2 Fischmahlzeiten in der Woche statt häufiger Fleischmahlzeiten und nicht mehr als ein Glas Wein oder Bier am Tag.

Ein Team um Elżbieta Kuźma von der Universität von Exeter in England hat an den Daten der „UK Biobank“-Studie untersucht, wie diese 4 Faktoren eines gesunden Lebensstils das genetische Demenzrisiko beeinflussen. Die über eine halbe Million Teilnehmer der Studie waren nicht nur ausführlich zu ihrem Lebenswandel befragt worden. Ihnen waren bei der Untersuchung in den Jahren 2006 bis 2010 auch Blutproben entnommen worden.

Die Forscher ließen die Blutproben auf eine Reihe von Risikogenen („single nucleotide polymorphism“, SNP) hin untersuchen, die in einer früheren Genom-weiten Asso­ziationsstudie (GWAS) mit einem erhöhten Demenzrisiko verbunden waren. Aus den SNP wurde ein genetischer Risikoscore gebildet, der Grundlage für weitere Berechnungen war.

Ungesunder Lebensstil erhöhte die Demenzinzidenz

Die Studie wurde auf 196.383 Erwachsene europäischer Herkunft im Alter über 60 Jahre beschränkt, weil in dieser Gruppe infolge des Alters Demenzerkrankungen am ehesten zu erwarten sind. Die Beschränkung auf Briten europäischer Herkunft war notwendig, weil die GWAS ebenfalls in dieser ethnischen Gruppe durchgeführt worden war.

Bis 2016/17 sind insgesamt 1.769 Teilnehmer an einer Demenz erkrankt. Für die Teilnehmer mit dem niedrigsten Risiko (unterstes Fünftel des Scores) und einem gesunden Lebensstil ermittelt Kuźma eine Inzidenzrate von 0,71 auf 1.000 Personenjahre (siehe eTabelle 6 der Studie). Ein ungesunder Lebensstil erhöhte die Inzidenz auf 1,19/1.000 Personenjahre.

Von den Personen mit einem hohen genetischen Risiko (oberstes Fünftel) erkrankten 1,43 auf 1.000 Personenjahre an einer Demenz. Die Kombination aus hohem genetischen Risiko und ungünstigem Lebensstil steigerte das Risiko auf 2,30/1.000 Personenjahre.

Mit einem günstigen Lebensstil können demnach Menschen mit einer ungünstigen genetischen Prädisposition ihr Demenzrisiko senken, auch wenn sie das Risiko von Menschen mit einer günstigen genetischen Ausgangslage, die nicht weiter auf ihre Gesundheit achten, vermutlich nicht erreichen werden. © rme/aerzteblatt.de

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