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Medizin

Menstruationstassen bieten gleichen Schutz wie Binden und Tampons

Mittwoch, 17. Juli 2019

 Menstruationstasse Gebrauchsanweisung. /picture alliance
Vor der ersten Anwendung der Menstruationstasse sollte diese Wasser für bis zu 20 Minuten ausgekocht werden. /picture alliance

Liverpool – Erstmals zeigt ein wissenschaftlicher Review, dass Menstruationstassen sicher anzuwenden und ebenso effektiv sind wie Tampons und Binden. Rund 70 % der Frauen, die sich erst einmal an die Verwendung von Menstruationstassen gewöhnt hätten, wollten sie auch weiterhin benutzen, heißt es in einem Bericht in Lancet Public Health (2019; doi: 10.1016/S2468-2667(19)30111-2)

Allerdings ist vielen Mädchen und Frauen gar nicht bewusst, dass es neben Binden und Tampons auch noch die Möglichkeit gibt, eine Menstruationstasse zu verwenden, wie der systematische Review von 43 Studien mit insgesamt 3.300 Teilnehmerinnen zeigt. In 3 Studien aus Ländern mit hohem Einkommen hätten nur 11 bis 33 % der Mädchen und Frauen über Menstruationstassen Bescheid gewusst, berichten die Autoren um Anna Maria van Eijk vom Department of Clinical Sciences der Liverpool School of Tropical Medicine, Großbritannien.

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Ein Grund hierfür könnte eine Lücke in der Aufklärung sein: „Nur 21 von 69 Webseiten mit Aufklärungsmaterial für Pubertierende in 27 Ländern erwähnten Menstruationstassen“, so van Eijk und ihre Kollegen.

„Bislang existieren nur wenige gute Studien, die Damenhygieneprodukte verglichen haben – und dies obwohl weltweit 1,9 Millionen Frauen jährlich im Schnitt 65 Tage lang mit menstruationsbedingtem Blutfluss klarkommen müssen“, kritisiert Seniorautorin Penelope Phillips-Howard, ebenfalls von der Liverpool School of Tropical Medicine. „Dem wollten wir uns annehmen, indem wir den derzeitigen Wissensstand über Auslaufschutz, Sicherheit und Akzeptanz von Menstruationstassen zusammenfassen und wann immer möglich mit anderen Produkten vergleichen.“

Der Auslaufschutz ist für Mädchen und Frauen eines der wichtigsten Kriterien: Insgesamt 4 Studien mit 293 Teilnehmerinnen verglichen den Auslaufschutz verschiedener Monatshygieneprodukte. Und es zeigte sich, dass Menstruationstassen den gleichen Auslaufschutz bieten wie Binden oder Tampons, in einer Studie schnitten die Tassen sogar besser ab. Kam es unter Verwendung von Menstruationstassen zum Auslaufen von Blut, war dies mit anomal starken Blutungen, einer ungewöhnlichen Anatomie des Uterus, der Verwendung einer zu kleinen Tasse, einer falschen Platzierung oder dem nicht rechtzeitigen Ausleeren der Tasse assoziiert.

Kein erhöhtes Infektionsrisiko

Auch hinsichtlich der Sicherheit von Menstruationstassen kommt der Review zu einem positiven Ergebnis: Es zeigte sich kein erhöhtes Risiko für Infektionen im Zusammenhang mit der Verwendung von Menstruationstassen – weder bei europäischen und nordamerikanischen, noch bei afrikanischen Mädchen und Frauen.

Es gab 5 Berichte über das Auftreten eines toxischen Schocksyndroms nach der Verwendung von Menstruationstassen. Ob dies häufiger ist als bei Binden und Tampons lasse sich nicht beurteilen, da die Gesamtzahl an Nutzerinnen von Menstruationstassen unbekannt sei, so Eijk und ihre Koautoren.

In 4 Studien mit insgesamt 507 Frauen hatten Menstruationstassen keinen negativen Effekt auf die Vaginalflora. Und in Studien, in denen Vagina und Zervix nachuntersucht wurden, fanden sich keine Gewebeverletzungen durch die Verwendung von Menstruationstassen.

Schwierigkeiten beim Entfernen

Ob und wie häufig Schwierigkeiten beim Entfernen der Menstruationstassen auftreten, erwies sich als abhängig von der Art der Menstruationstassen. Während bei der Entfernung von Vaginaltassen nur 2-mal professionelle Unterstützung beim Entfernen erforderlich war, verursachten Zervixtassen, die ähnlich einem Diaphragma über den Gebärmutterhals gestülpt werden, insgesamt 47-mal entsprechende Schwierigkeiten.

Einige Frauen verwendeten die Menstruationstassen in Kombination mit einer Spirale. In 13 Fällen führte die Entfernung der Menstruationstasse zum Verrutschen der Spirale. Die Autoren weisen deshalb darauf hin, dass die gleichzeitige Verwendung einer Spirale und  einer Menstruationstasse weiter erforscht werden müsse.

5 Frauen berichteten von Schmerzen im Zusammenhang mit der Verwendung der Menstruationstasse, 3 von vaginalen Verletzungen, 6 von allergischen Reaktionen oder Ausschlägen und 9 von Harnwegsbeschwerden.

Die Ergebnisse von 13 Studien zeigen, dass etwa 70 % der Frauen, die Menstrua­tionstassen weiter verwenden wollten, nachdem sie sich an die Verwendung gewöhnt hatten. Übung, Unterstützung und Training seien der Schlüssel zu einer erfolgreichen Verwendung von Menstruationstassen, schreiben die Autoren. In interviewbasierten Studien gaben die Teilnehmerinnen an, dass mehrere Menstruationszyklen erforderlich seien, um sich an die Menstruationstasse zu gewöhnen.

Konzepte und Programme zur Förderung der Menstruationsgesundheit müssten deshalb auch auf die korrekte Verwendung eingehen, sowohl in der Aufklärung als auch in der Nachsorge, so die Autoren.

Weniger Kosten, weniger Müll

Als ein großer Vorteil von Menstruationstassen gelten auch die potenziellen Einsparungen sowohl bei den Kosten als auch bei der Müllerzeugung. Vorläufige Evidenz deute darauf hin, dass eine Menstruationstasse über 10 Jahre – die maximale Verwendungsdauer – sehr viel weniger koste als Binden oder Tampons. Die Preise für Menstruationstassen sind zwar sehr unterschiedlich und reichen von 0,72 bis 46,72 US-Dollar. Dennoch entstünden bei der Verwendung einer Menstruationstasse pro Periode nur etwa 5 bis 7 % der Kosten von Binden oder Tampons. Und auch der Plastikmüll könnte reduziert werden. Über 10 Jahre verursache eine Menstruationstasse nur 0,4 % des Plastikmülls von Einwegbinden oder 6 % von Tampons.

Die Menstruation kann den Schulbesuch von Mädchen oder die berufliche Tätigkeit von Frauen einschränken. Sie kann das Risiko für urogenitalen Infektionen erhöhen, wenn qualitativ schlechte Hygieneprodukte verwendet werden. Und in ärmeren Ländern könne sie Mädchen gar zum Ziel von sexueller Gewalt und Nötigung machen, wenn sie nicht das Geld hätten, um sich Hygieneprodukte zu kaufen, so die Wissenschaftler. Deshalb sei es entscheidend, dass politische Entscheidungsträger wüssten, welche Hygieneprodukte sie in Förderprogramme und Aufklärungsmaterialien zur Menstruationsgesundheit einschließen sollten. © nec/aerzteblatt.de

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