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Kommission moniert Führungsversagen bei Heidelberger Bluttest-Affäre

Dienstag, 16. Juli 2019

/picture alliance, Labor Universitätsklinikum Heidelberg

Heidelberg – Eine Kette von Versäumnissen hat nach Überzeugung einer Untersu­chungskommission zur verfrühten Veröffentlichung eines möglichen Brustkrebs-Bluttests an der Universitätsklinik Heidelberg geführt. Einer der Vorsitzenden der ex­ternen Kommission, der Präsident der Leibniz-Gemeinschaft Matthias Kleiner, sprach heute von „Führungsversagen, Machtmissbrauch und Eitelkeit“ in der Klinik.

Auf der übergeordneten Ebene habe falsch verstandene Wissenschaftsfreiheit dazu geführt, dass niemand Pressekonferenz und Pressekampagne verhindert habe. Die Kommission legte dem Aufsichtsrat der Uniklinik einen Zwischenbericht vor.

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Mehrere Beteiligte hätten den Chef der Frauenklinik, Christof Sohn, vor der Presse­kon­ferenz am 21. Februar vor der frühzeitigen Veröffentlichung gewarnt. „Sohn wusste von der mangelnden Validität der Testergebnisse“, sagte die ehemalige Bundesver­fassungsrichterin Christine Hohmann-Dennhardt, ebenfalls Vorsitzende der Kommission. „Die öffentliche Vorstellung des Bluttests erfolgte erkennbar zu früh.“

Ein Mangel sei gewesen, dass die Testergebnisse nicht reproduziert werden konnten, sagte Kleiner. Bei einem Drittel der Frauen sei mit dem Bluttest Krebs nicht erkannt worden und umgekehrt wurde bei einem Drittel gesunder Frauen fehlerhaft Krebs erkannt. „Das ist ein dramatisch hoher Anteil“, sagte Kleiner.

Das vom Aufsichtsrat der Uniklinik einberufene Gremium soll Fehlverhalten aufdecken und Empfehlungen abgeben, um dieses künftig zu vermeiden. Sohn hatte den Test Fachwelt und Öffentlichkeit als bald marktreifen Meilenstein bei der Brustkrebser­kennung vorgestellt. Kritiker warfen ihm vor, angesichts fehlender Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift und hoher Fehlerquoten unbegründete Erwartungen zu schüren.

Die Vorsitzende des Aufsichtsrats der Uniklinik, Simone Schwanitz, kündigte weitere Beratungen an. Welche Konsequenzen gezogen werden, könne sie jetzt noch nicht sagen. Schwanitz betonte die Verantwortung für die fast 11.000 Mitarbeiter. „Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eine der leistungsfähigsten und forschungs­stärks­ten Kliniken in Deutschland. Die Forschungsergebnisse setzen weltweit Maßstäbe.“

Der Ruf habe durch den voreilig angekündigten Bluttest Schaden genommen. „Wir werden alles daransetzen, dass dies ein einmaliger Vorgang bleibt“, sagte die Auf­sichtsratschefin. Die Kommission habe 17 Interviews mit Beteiligten geführt und 10.000 Seiten Dokumentation gesichtet. Einen Termin für den Abschlussbericht gibt es noch nicht.

Ebenfalls einen Zwischenbericht legte heute eine interne Senatskommission der Uni­versität zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis und zum Umgang mit Fehlver­halten in der Wissenschaft vor. Es gebe fachlich-wissenschaftliche Mängel fortlaufend seit Beginn der Forschung. Beamten- und disziplinarrechtliche Konsequenzen würden geprüft, hieß es in der Mitteilung. Auch die Staatsanwaltschaft Mannheim befasst sich mit den Vorgängen. Der FDP-Landtagsabgeordnete Nico Weinmann forderte von Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) eine Unterrichtung des Wissen­schaftsausschusses. © dpa/aerzteblatt.de

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