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Medizin

Genstudie: Ist Anorexia nervosa eine metabolisch-psy­chiatrische Erkrankung?

Dienstag, 16. Juli 2019

/angellodeco, stockadobecom

Chapel Hill/North Carolina – Eine genomweite Assoziationsstudie, an der weltweit mehr als hundert Zentren beteiligt waren, hat acht Genvarianten gefunden, die laut den Ergebnissen in Nature Genetics (2019; doi: 10.1038/s41588-019-0439-2) einen Teil der familiären Häufung der Anorexia nervosa erklären und die Essstörung mit Stoffwechselerkrankungen und mit anderen psychiatrischen Erkrankungen in Ver­bin­dung bringen.

Die Anorexia nervosa, an der 0,9 bis 4 Prozent der Frauen und 0,3 Prozent der Männer leiden sollen, hat eine Heritabilität von etwa 20 Prozent. Dies hat schon ein­mal eine genomweite Assoziationsstudie (GWAS) veranlasst, die allerdings nur einen „Treffer“ lieferte.

Eine Genvariante („Single Nucleotide Polymorphism“, SNP) auf dem Chromosom 12 deutete auf eine Verbindung mit dem Typ-1-Diabetes oder anderen Autoimmunerkran­kungen hin, die ein Team um Hunna Watson von der Universität von North Carolina in Chapel Hill jedoch jetzt nicht bestätigen konnte.

Die aktuelle GWAS hat mit 16.992 Patienten aus 17 Ländern Nordamerikas, Europas (mit deutscher Beteiligung) und Australasiens sowie 55.525 Kontrollen die Zahl der untersuchten Personen gegenüber der früheren Untersuchung vervierfacht.

Als „Belohnung“ wurden acht SNP gefunden, die bei Patienten mit Anorexia nervosa signifikant häufiger auftreten als bei anderen Menschen. Keine der SNP befindet sich in der Nähe eines Gens, dessen Funktion sich mit der Pathogenese der Erkrankung in Verbindung bringen ließe – auch wenn alle im Gehirn exprimiert werden, wo die Ess­störung nach übereinstimmender Ansicht der Experten ihren Ursprung hat.

Die Studie zeigt allerdings, dass die Anorexia nervosa eine genetische Verwandtschaft hat mit einigen metabolischen und psychiatrischen Erkrankungen sowie anderen Eigen­schaften, die bei Menschen mit Anorexia nervosa häufiger auftreten.

Dazu ge­hö­ren beispielsweise Überschneidungen mit Zwangsstörungen, Depressio­nen, Schizo­phrenie und Angstzuständen. Menschen mit Anorexia könnten auch gene­tisch mit Menschen verwandt sein, die durch gute sportliche Leistungen auffallen, ohne an einer Anorexie erkrankt zu sein.

Auffällig ist weiterhin eine Assoziation mit Parametern des Glukose- und Fettstoff­wechsels und der Körpermaße, was zu der Frage führt, ob die niedrigen Insulin- und Lipidwerte von Patienten mit Anorexia nervosa wirklich nur die Folge des zwanghaften Fastens sind, oder ob vielleicht umgekehrt Menschen mit diesen Eigenschaften eher als andere zu einer Anorexie neigen.

Beantworten kann die Studie keine dieser Fragen. Sie liefert auch keine Anregungen für die Behandlung der rätselhaften Erkrankung, deren Ursache weiter im Dunkeln liegt.

© rme/aerzteblatt.de

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