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Medizin

Warum Alzheimer vor allem im Alter auftritt

Mittwoch, 17. Juli 2019

Darstellung eines gesunden Neurons (links), das ein Mikrotubuli und Tau-Proteine (grün) zeigt. Auf der rechten Seite ist die neuronale Degeneration mit dem Aufbau von hyperphosphorylierten Tau-Proteinen (gelb) dargestellt. / picture alliance
Darstellung eines gesunden Neurons (links), das ein Mikrotubuli und Tau-Proteine (grün) zeigt. Auf der rechten Seite ist die neuronale Degeneration mit dem Aufbau von hyperphosphorylierten Tau-Proteinen (gelb) dargestellt. / picture alliance

Berlin/Boston – Die Wahrscheinlichkeit, an Alzheimer zu erkranken, steigt bekanntlich mit zunehmendem Alter. Eine mögliche Ursache für diesen Zusammenhang haben Wissenschaftler um Susanne Wegmann vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Berlin aufgedeckt. Sie berichten davon in Science Advances (2019; doi: 10.1126/sciadv.aaw6404).

Die Alzheimer-Erkrankung wird von 2 verschiedene Eiweißablagerungen im Gehirn der Patienten begleitet: „Amyloid-beta-Plaques“ und „Tau-Neurofibrillen“. Das Auftreten von Tau-Neurofibrillen spiegelt dabei laut den Forschern den Krankheitsverlauf recht genau wider: Sie treten zuerst in den Gedächtniszentren des Gehirns auf und erscheinen dann im weiteren Krankheitsverlauf auch in anderen Arealen.

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Das Tau-Protein käme in einer gesunden, löslichen Form allerdings in allen Nervenzellen im Gehirn vor, erklären die Forscher. Bei Alzheimer kann es sich jedoch krankhaft verändern, indem es seine Gestalt wechselt und zu Fibrillen verklumpt.

Die Forscher sind in ihrer Arbeit der Hypothese nachgegangen, dass sich Tau in älteren Gehirnen möglicherweise leichter ausbreitet. Mit Hilfe eines Virus schleusten sie das menschliche Tau-Gen in die Gehirne von Mäusen ein. Einzelne Zellen begannen daraufhin mit der Herstellung des Proteins.

12 Wochen später untersuchten die Forscher, wie weit sich das Tau-Protein von der Produktionsstätte entfernt hatte. „Die menschlichen Tau-Proteine verbreiteten sich bei älteren Mäusen etwa doppelt so schnell wie bei jüngeren“, fasst Susanne Wegmann vom DZNE die Ergebnisse zusammen.

Auch gesunde Form des Tau-Proteins wird im Alter verstärkt weitergegeben

Lange Zeit habe man angenommen, dass in erster Linie krankhaftes Tau-Protein von einer Nervenzelle zur nächsten weitergegeben würde, sagt Wegmann. „Unsere Ergebnisse zeigen jedoch, dass auch die gesunde Form des Proteins im Gehirn weitergetragen wird und dass dieser Prozess im Alter zunimmt“, erläutert Wegmann. Zellen könnten auch dadurch geschädigt werden, dass sie sehr viel gesundes Tau-Protein anreichern.

Noch ist allerdings unklar, welche Prozesse der verstärkten Ausbreitung von Tau im alternden Gehirn zugrunde liegen. Dies gehört zu den Forschungsfragen, denen sich die Arbeitsgruppe in Zukunft widmen möchte.  

Der experimentelle Teil der Studie erfolgte in der Arbeitsgruppe von Bradley Hyman an der Harvard Medical School in Boston. Dort war Wegmann über mehrere Jahre tätig. Im Jahre 2018 wechselte sie an den Berliner Standort des DZNE, wo ihre Arbeitsgruppe Tau-bezogene Krankheitsmechanismen erforscht. Hier erfolgte der größte Teil der Daten-Analyse und die Zusammenfassung der Ergebnisse. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #720508
e.ne
am Donnerstag, 18. Juli 2019, 14:11

Viel Verständnis für Forscher und Promovierende

Ich finde es unbefriedigend, wie Humanmediziner die Genese jedwelcher
Erkrankung/Veränderung auf biochemische Vorgänge im Körper reduzieren
Seelische Verletzungen/Schocks können wie Neuroleptika/ Psychopharmaka innerhalb kurzer Zeit auch zur Verblödung führen - ad hoc. Bleiben diese Personen/Zustände im Leben der Betroffenen, werden die nie wieder. Sie könnten sich erholen, aber sie dürfen nicht.
Vermutlich Selbstschutz wie weggetreten mit offenem Mund, eiskalt,
im Sessel zu sitzen oder im Bett zu liegen. Unvorhergesehene Schocks
aufgrund weniger Worte/Sätze die aber das ganze Leben auflösen,
können zu Tage/Wochenlanger Bewusstlosigkeit/Komaähnlichen Zuständen führen. Kommt es dann noch zu Zwangsmassnahmen (also
alles in dieselbe Richtung) kann Pat. zwar wieder zu sich kommen, oder zurück geholt werden, aber bis das Gedächtnis bezüglich einzelner Dialoge
die meistens sehr kurz sind, wieder einsetzt, können Monate/Jahre vergehen. - Nimmt das alles einen nomalen Verlauf, hat der körpereigene
Computer/Unterbewusstsein genügend Zeit sich zu erholen, neue Strategien voraus zu berechnen, wacht Mensch normal auf, wie immer.
Röntgenologisch (Schichtaufnahmen Kopf) kein Anhalt. - Wird der Vorgang unterbrochen weil sich z.B. liebe Mitmenschen sorgen, durch Rütteln
das ggf vermeintliche Hinüberschlafen verhindern wollen, funktioniert
zwar die Person wie früher auch, und das kann noch lange (gut) gehen.
Über 80 ist dann sowieso alles das Alter. Da merkt kaum jmd noch was
Vielleicht sind dann Synapsen unterbrochen (worden). Diese Lücken werden gefüllt oder diese Lücken füllen sich infolge zu wenig Trinken
und Mangelernährung. ( 1/4 Magerquark und H-Milch 0,5%Fett soll
Ernährung sein ("gute Freunde""neue Freundin") (Oder später eine Andere ein Schinkenbrötchen früh und eines für den Abend im Kühlschrank.)
Bis 1992 gab es ein Hausarztsystem. Wenn man Glück hatte, kam der
dann wirklich und bekam im Großen und Ganzen mit wer was und wie ist,
was läuft. Seitdem reden lieber Alle, laut und viel wie sie es sich gerade "denken". Das denke ich hinterlässt Spuren, auch im Gehirn.
Avatar #720508
e.ne
am Donnerstag, 18. Juli 2019, 12:20

In Zellen Tau-Proteine verstärkt angereichert?

Könnte das evt an dem in aller Regel zu wenigen Trinken der Senioren liegen? - In anderen Zellen/Gefäßen reichert sich ja auch zuviel an,
weshalb sie ASS 100 verordnet bekommen.
Gibt es etwas ähnliches für Hirnzellen? Oder wirkt ASS da auch?
LNS

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