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Medizin

Bei welchen MS-Medikamenten vor Therapiebeginn auf Tuberkulose getestet werden sollte

Dienstag, 16. Juli 2019

ralwel, stock.adobe.com

München – Moderne Immuntherapien zur Behandlung der Multiplen Sklerose (MS) könnten zur Reaktivierung von Tuberkuloseinfektionen führen. Das Krankheitsbezo­gene Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS) hat Empfehlungen erarbeitet, bei welchen Medikamenten vor Therapiebeginn ein Test auf Tuberkulose erfolgen sollte, die nun in Der Nervenarzt veröffentlicht wurden (2019; DOI: 10.1007/s00115-019-0760-0).

Viele Jahre habe die Tuberkulose bei der Einstellung von MS-Patienten auf eine Immuntherapie nur beim Vorliegen bestimmter Risikofaktoren eine Rolle gespielt. Seit 2015 sei aber eine starke Zunahme von gemeldeten Tuberkuloseerkrankungen in Deutschland zu beobachten gewesen, heißt es in einer Mitteilung des KKNMS. Da die reduzierte Immunantwort unter MS-Therapien mit einem potenziell erhöhten Infekti­ons­risiko einhergehe, habe man sich entschieden, Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie der Tuberkulose herauszugeben.

Aktuellen Schätzungen zufolge ist ein Viertel der Weltbevölkerung mit Mycobacterium tuberculosis infiziert. „Eine latente Infektion wird meist nicht bemerkt, kann jedoch auch Jahre nach der Übertragung zu einer Reaktivierung mit klinischer Manifestation führen, wenn eine Schwächung des Immunsystems eintritt“, erklärte Frauke Zipp vom Vorstand des KKNMS. Wie hoch dieses Risiko unter MS-Immuntherapien ist, sei auf­grund fehlender Studien schwer einzuschätzen, ergänzt die Direktorin der Neurologi­schen Klinik des Universitätsklinikums Mainz.

Die Experten des KKNMS unterscheiden bei ihren Empfehlungen Therapien mit ho­hem, mittlerem oder ohne Tuberkulose-Reaktivierungsrisiko. Sie erfordern ein unter­schiedliches Vorgehen:

1. Therapien mit hohem Tuberkulose-Reaktivierungsrisiko

Zu dieser Gruppe von Therapien zählen Alemtuzumab und Cladribin. Vor Beginn der Therapie sowie bei Cladribin auch vor Applikation des zweiten Zyklus muss eine Tu­berkulose ausgeschlossen werden.

Hier schließen sich die Experten des KKNMS dem in der Fachinformation vorgegebe­nen Vorgehen an. Bei Vorliegen zusätzlicher Risikofaktoren könne eine Wiederholung der Testung auch vor weiteren Alemtuzumab-Zyklen erwogen werden. Dabei gilt zu beachten, dass das Testergebnis unter Immunsuppression nur eingeschränkt ver­wert­bar sein kann.

2. Therapien mit mittlerem Tuberkulose-Reaktivierungsrisiko

Vor Beginn einer Therapie mit mittlerem Tuberkulose-Reaktivierungsrisiko komme der Bewertung des individuellen Risikos des einzelnen Patienten eine große Bedeutung zu, schreiben die Experten. Daher empfiehlt das KKNMS eine Tuberkulose-Testung für alle Patienten mit erhöhter individueller Risikosituation vor Beginn einer Therapie mit Teriflunomid, Fingolimod, Natalizumab, Dimethylfumarat, Mitoxantron und Ocreli­zumab.

Als Risikofaktoren werden die folgenden Faktoren angesehen, wobei aktuell keine klare Gewichtung nach Art des Risikofaktors bzw. erhöhtem Risiko bei Vorliegen meh­rerer Risikofaktoren gegeben werden kann: Immigration aus Ländern mit hoher Tuber­kulose-Prävalenz, Leben in einem Risikogebiet (Großstadt), positive Familienanam­ne­se für Tuberkulose, abgelaufene Tuberkulose in den letzten zwei Jahren, Nikotin-, Alkohol-, Drogenmissbrauch, BMI < 20, Vortherapie mit mehreren Immuntherapien, wiederholte Kortisonstoßtherapien, andere Gründe für Immunschwäche (z.B. Diabetes mellitus, Niereninsuffizienz).

3. Therapien ohne Tuberkulose-Reaktivierungsrisiko

Unter Therapie mit Glatirameracetat und Interferon-beta ist nicht von einer Erhöhung des Risikos einer Tuberkulose-Reaktivierung auszugehen, sodass hier keine geson­derte Testung empfohlen wird.

Diagnose und Therapie einer Tuberkulose vor einer MS-Behandlung

Wird eine Testung auf eine Tuberkulose-Infektion erforderlich, so eignen sich den Ex­perten des KKNMS zufolge in Ländern mit niedriger Prävalenz wie Deutschland Inter­feron-Gamma Release Assays (IGRAs), zum Beispiel der Bluttest QuantiFERON-TB Gold In-Tube.

Bei einem positiven Testergebnis wird eine weiterführende Diagnostik zur Unter­schei­dung zwischen einer latenten und einer aktiven Tuberkulose notwendig. Zum Aus­schluss einer aktiven Tuberkulose sollten eine fokussierte Anamneseerhebung und körperliche Untersuchung sowie ein Röntgen-Thorax in zwei Ebenen, in Zweifelsfällen ergänzt durch eine computertomographische Untersuchung, erfolgen. Wenn sich da­raus Hinweise auf das Vorliegen einer pulmonalen Tuberkulose ergeben, sollten eine mikrobiologische und molekularbiologische Untersuchung folgen.

Die zur Verfügung stehenden Therapien zur Behandlung der Tuberkulose haben ein breites Nebenwirkungsspektrum. Daher ist bei Nachweis einer latenten Tuberkulose eine strenge Risiko-Nutzen-Abwägung vor Beginn einer präventiven Therapie erfor­der­lich. In jedem Fall sollte eine verlaufsmodifizierende MS-Therapie nicht bis nach Abschluss der Tuberkulose-Chemoprävention verzögert werden, heißt es in den Empfehlungen. Sie könne vier bis acht Wochen nach dem Beginn der Chemopräven­tion initiiert werden.

Eine aktive Tuberkulose sollte jedoch vor Beginn einer MS-Therapie in enger inter­dis­ziplinärer Abstimmung behandelt werden. Nur in Einzelfällen bei hochaktiven Verläu­fen könne nach strenger Risiko-Nutzen-Abwägung die MS-Therapie auch vor Abklin­gen der Infektion begonnen werden. © nec/aerzteblatt.de

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Avatar #760811
krueppel66
am Samstag, 3. August 2019, 11:36

wurde nicht bemerkt ?

Und schon wieder gefangen im netz. Aus gestandenen Medizinern sollte man eben keine Betriebswirte bauen um profitabel zu werden. Anstatt im BA Rechtsanwälte zu installieren, sollte man dort die Docs einbauen. Der ganze Kostendruck,die Einsparungen zeigen nur in die falsche Richtung.
Ist halt naiv, für Patienten nur 4,3 Minuten zu haben und sich später unter Komorbiditäten zu lasten des Kranken zu wundern.
Die unsichbare Site von Autoimmun........tzztztz
LNS

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