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Medizin

HI-Viren persistieren trotz Therapie im Gehirn

Mittwoch, 17. Juli 2019

Viren im Gehirn /picture-waterfall, AdobeStock.com
Die HIV-1-assozierten Demenz (HAD) beginnt mit Defiziten in der kognitiven Leistung, die später dazu führen, dass Betroffene ihr Alltagsleben nicht mehr ohne fremde Hilfe bewältigen können. /picture-waterfall, AdobeStock.com

New Haven/Connecticut – HI-Viren können auch nach einer jahrelangen antiretroviralen Therapie im Gehirn persistieren. In einer Kohortenstudie im Journal of Clinical Investigation war die Virus-DNA nach fast 9 Jahren Therapie bei jedem 2. Patienten in Zellen des Liquors nachweisbar (2019; doi: 10.1172/JCI127413). Das war mit schlechteren Ergebnissen in neurokognitiven Tests verbunden.

Dass das HI-Virus das Gehirn infiziert, ist bekannt. Vor Einführung der antiretroviralen Therapie kam es im Verlauf der Erkrankung häufig zu HIV-assoziierten neurokognitiven Störungen (HAND) bis hin zur HIV-assoziierten Demenz (HAD). Seit die Replikation der Viren durch Medikamente effektiv unterdrückt werden kann, sind HAND und HAD selten geworden. Bei einer genauen neuropsychologischen Untersuchung lassen sich bei HIV-Patienten jedoch häufig milde neurokognitive Funktionsstörungen nachweisen.

Ein Team um Serena Spudich von der Yale University in New Haven/Connecticut hat deshalb den Liquor von 69 Teilnehmern der „AIDS Clinical Trials Group“ untersucht, die HIV-Infizierte langfristig begleitet. Die Patienten waren zwischen 45 und 56 Jahre alt. Sie nahmen seit median 8,6 Jahren antiretrovirale Medikamente ein und bei allen lag die Viruskonzentration im Blut bei unter 100 Kopien pro Milliliter, was eine effektive Kontrolle der Virusreplikation im Blut anzeigt.

Die genaue Untersuchung von Liquorproben ergab jedoch, dass ungefähr die Hälfte der Teilnehmer virale DNA in Zellen des Liquors aufwies (obwohl die Zahl der Zellen nicht vermehrt war). Der Standard-HIV-Test, der die RNA in der Liquorflüssigkeit nachweist, fiel nur bei 4 % der Teilnehmer positiv aus.

Spudich schließt daraus, dass eine langjährige antiretrovirale Therapie die HI-Viren nicht aus dem Gehirn beseitigen kann. Mehr noch: Der Nachweis der latenten Infektion war bei 30 % der Patienten mit neurokognitiven Beeinträchtigungen verbunden. Bei den Teilnehmern ohne Virusnachweis waren es nur 11 % der Patienten.

Da es sich um eine kleine Kohorte mit einmaliger Untersuchung handelt, kann die Studie nicht sicher beweisen, dass die persistierende HIV-Infektion des Gehirns für die neurokognitiven Störungen verantwortlich ist. Dies erscheint jedoch wahrscheinlich. Das Gehirn könnte laut Spudich zu den Reservoirs des Virus im Körper gehören, die eine Heilung der Infektion verhindern. © rme/aerzteblatt.de

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