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Medizin

Häufigeres Therapieversagen bei adipösen Kindern mit Multipler Sklerose

Mittwoch, 17. Juli 2019

Dicker blonder Junge steht an einer Straße. /Deboro, AdobeStock.com
/Deboro, AdobeStock.com

Göttingen – Eine Adipositas erhöht bei Kindern (wie bei Erwachsenen) nicht nur das Risiko, an einer Multiplen Sklerose zu erkranken. In einer Kohortenstudie in JAMA Neurology (2019; doi: 10.1001/jamaneurol.2019.1997) kam es auch häufiger zum Versagen der Erstlinientherapie.

Die Multiple Sklerose (MS) gehört zu den Autoimmunerkrankungen, für die ein erhöhtes Risiko durch eine Adipositas angenommen wird. So war in einer früheren Analyse der Nurses’ Health Study I und II ein Body-Mass-Index von 30 kg/m2 mit einem mehr als 2-fach erhöhten Erkrankungsrisiko verbunden.

Ein Team um Peter Huppke vom Deutschen Zentrum für Multiple Sklerose im Kindes- und Jugendalter an der Universität Göttingen hat jetzt untersucht, ob die Adipositas auch bei pädiatrischen Patienten das Erkrankungsrisiko erhöht. An dem tertiären Zentrum wurden in 25 Jahren insgesamt 453 Patienten betreut, deren MS im Alter von durchschnittlich 13,7 Jahren diagnostiziert wurde. Von ihnen waren 59 (13,0 %) übergewichtig und 67 (14,8 %) adipös.

Der Anteil war höher als bei gesunden Kindern und Jugendlichen in der KiGGS-Studie des Robert Koch-Instituts. Huppke ermittelt eine Odds Ratio von 1,37 (95-%-Konfidenzintervall 1,0 bis 1,8) für die übergewichtigen und von 2,2 (1,7 bis 2,9) für die adipösen Kinder und Jugendlichen. Die Odds Ratio war bei Jungen und Mädchen in etwa gleich hoch.

Übergewicht beeinflusst Therapieerfolg

Als nächstes untersuchten die Forscher, ob die Adipositas einen Einfluss auf den Erfolg der Behandlung hat. Tatsächlich kam es unter den adipösen Patienten unter der Erstlinientherapie mit Interferon Beta oder Glatirameracetat häufiger zu weiteren Krankheitsschüben. Die Rückfallrate betrug 1,29 pro Jahr gegenüber 0,72 pro Jahr bei normalgewichtigen Kindern. Auch der Anteil der Patienten, die eine Zweitlinientherapie benötigten, war mit 56,8 % gegenüber 38,7 % bei den normalgewichtigen Kindern erhöht.

Der Grund für das häufigere Therapieversagen ist nicht bekannt. Eine vermehrte Krankheitsaktivität zu Beginn der Studie scheidet als Erklärung aus, da die adipösen Kinder nicht mehr Läsionen in der Magnetresonanztomografie aufwiesen und auch andere Aktivitätsmarker wie die Intervalldauer zwischen den Krankheitsschüben und das Fortschreiten der Behinderungen gleich waren. Prof. Huppke vermutet, dass die veränderte Pharmakokinetik eine Rolle spielen könnte. Bei einer Adipositas werden vor allem lipophile Wirkstoffe vermehrt im Fettgewebe gespeichert, was die Serumkonzentrationen senkt. Untersuchungen sind hierzu aber noch nicht durchgeführt worden.

Das erhöhte Erkrankungsrisiko von übergewichtigen und adipösen Kindern könnte mit erklären, warum die MS in westlichen Ländern immer häufiger wird. Übergewicht und Adipositas haben in den letzten Jahrzehnten bei Kindern und Jugendlichen stärker zugenommen als bei Erwachsenen. © rme/aerzteblatt.de

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