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Medizin

Soziale Medien und Seriensucht können Jugendliche depressiv machen

Mittwoch, 17. Juli 2019

Jugendliche mit Tablets und Handys am Tippen. /Syda Productions, AdobeStock.com
/Syda Productions, AdobeStock.com

Montreal – Jugendliche, die viel Zeit im Internet verbringen, sind nicht automatisch gefährdet, depressiv zu werden. Entscheidend ist laut einer Studie in JAMA Pediatrics weniger, wie lange die Teenager am Bildschirm sind, sondern eher, womit sie sich beschäftigen (2019; doi: 10.1001/jamapediatrics.2019.1759).

Depressionen sind bei Jugendlichen nicht häufiger als bei anderen Menschen. Sie können jedoch nachhaltigere Schäden anrichten, weil die Jugendlichen ihre Ausbildung vernachlässigen, keine Freunde finden und am Ende den einzigen Ausweg in einem Suizid sehen. Die vielen Stunden, die die Heranwachsenden am Computer, Smartphone oder Tablet verbringen, betrachten Erwachsene oft mit großer Sorge.

Ob die langen Bildschirmzeiten den Jugendlichen schaden, ist umstritten. Die meisten wissenschaftlichen Studien waren bisher Querschnittstudien, die den aktuellen Internetkonsum mit der Befindlichkeit der Jugendlichen in Verbindung gebracht haben, woraus sich eine Ursache-Wirkungsbeziehung herstellen lässt. Wesentlich aussagekräftiger sind jedoch Langzeitstudien, die Dauer und Veränderung der Bildschirmzeiten mit der späteren psychischen Konstitution vergleichen.

Die bisher größte Studie hat ein Team um Patricia Conrod von der Universität Montreal in den letzten Jahren an 31 Schulen der kanadischen Großstadt durchgeführt. Insgesamt 3.826 Schüler der 7. bis 11. Klasse wurden regelmäßig zu ihrem Internetkonsum befragt. Sie füllten außerdem das „Brief Symptoms Inventory“ aus, der 7 Symptome abfragt, die auf Depressionen hindeuten (etwa Gefühle von Einsamkeit, Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit). Die Schüler füllten außerdem die „Rosenberg Self-Esteem Scale“ aus, einen Fragebogen zum Selbstwertgefühl, und sie wurden nach ihren sportlichen Aktivitäten befragt.

An der Studie nahmen insgesamt 3.826 Schüler teil, die zu Beginn der Studie im Mittel 12,7 Jahre alt waren. Die jetzt vorgestellten Ergebnisse zeigen, dass die Bildschirmzeiten der Jugendlichen differenziert betrachtet werden müssen.

Soziale Medien und Serienmarathon steigern das Risiko

Als ungünstig zu bewerten sind lange Zeiten in sozialen Netzwerken. Jede tägliche Stunde bei Facebook und anderen Plattformen war mit einem Anstieg depressiver Symptome verbunden. Dies zeigte sich nicht nur im Vergleich mit Gleichaltrigen, sondern auch im zeitlichen Verlauf bei den einzelnen Jugendlichen. Eine Zunahme des Konsums sozialer Medien steigerte die Depressivität der Jugendlichen.

Die Forscher erklären dies mit der „upward social comparison“-Theorie. Wer in sozialen Medien unterwegs ist, vergleiche sich ständig mit anderen Jugendlichen, und da darunter häufig bessere Selbstdarsteller sind, zögen viele auf Dauer den Kürzeren. Sie fühlten sich weniger attraktiv und armseliger. Das Selbstwertgefühl sinke und am Ende komme es zu Depressionen, schreibt Conrod. Bei vielen komme es zu einem „reinforcing spiral process“, also zu einer Abwärtsspirale, da mit der Depressivität auch die Popularität in den Netzwerken beständig abnehme.

Viele Stunden am Computer können laut der Studie ebenfalls ein Zeichen für eine vermehrte Depressivität sein. Die Beschäftigung mit dem Rechner muss die Depressionen jedoch nicht verstärken. Im Gegenteil: Bei einigen könnte die zunehmende Kompetenz im Umgang mit Hard- und Software durchaus das Selbstwertgefühl steigern, so Conrod.

Ein häufiger Fernsehkonsum, der bei Teenagern heute in erster Linie eine Internetaktivität ist, war zunächst nicht mit einer erhöhten Depressivität verbunden. Jugendliche, die mit der Zeit immer häufiger in Serien von Netflix und anderen Streamingdiensten versinken, könnten jedoch gefährdet sein.

Gamer sind nicht häufiger depressiv

Die „social displacement“-Hypothese, nach der Jugendliche hinter dem Bildschirm automatisch zu medialen Stubenhockern werden ohne  jegliche soziale Kontakte, kann die Studie übrigens nicht bestätigen. Den Gegenbeweis liefern ausgerechnet die „Gamer“, die sich stundenlang mit Computerspielen beschäftigen. Eine vermehrte Depressivität konnten die Autoren weder im Vergleich zu anderen Jugendlichen, noch in der zeitlichen Entwicklung feststellen.

Conrod führt dies darauf zurück, dass die Jugendlichen heute selten alleine spielen. Der Kontakt über das Internet könnte durchaus positive Gefühle generieren, findet die Autorin. Die Gamer hatten jedoch insgesamt ein niedrigeres Selbstvertrauen als andere Jugendliche, das sich im Verlauf der Zeit leicht verschlechterte. Zu den Einbrüchen, die beim Aufenthalt in den sozialen Medien drohen, kam es jedoch nicht. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #687412
MeHans
am Dienstag, 1. Oktober 2019, 19:20

Was ist Henne, was ist Ei?

Eine Korrelation wird auch hier als Kausalität gedeutet.
Dabei wird doch gleichzeitig mehr oder weniger gezeigt, dass intensive Gamer nicht überdurchschnittlich depressiv sind. Aber bei Depressiven macht man Internet und soziale Medien für die Depression "verantwortlich".

Ist es nicht eher so, dass sich Depressive aufgrund ihnen aus unterschiedlichsten Gründen nicht verfügbarer Alternativen vermehrt mit Internet und sozialen Medien beschäftigen?
Wenn man denn eine Kausalität daraus machen will, dann eher im Sinne "Depression -> Mediennutzung", nicht anders herum.
Avatar #754103
Biochemie
am Donnerstag, 18. Juli 2019, 12:42

Medien und Seriensucht können Jugendliche D... machen??

Es ist für die meisten in Deutschland lebenden und arbeitend Ärzte und Psychologen schwerer sich in das denken und fühlen eines jugendlichen in irgendeiner kanadischen Großstadt zu versetzen als es in Deutschland der Fall ist. Denn es wirkt ja auch immer die Geschichte und die Leitmedien in einer Volksgruppe mit ein.
Zitat:
"Universität Montreal in den letzten Jahren an 31 Schulen der kanadischen Großstadt durchgeführt."

So kann es in Deutschland zur Zeit auch eine Flucht vor der Realität sein. Zu gleich darf man bestimmte Themen nicht offen ansprechen.
Als Beispiel Rassismus, Juden, Holocaust, Religion, usw.
Das sind alles Themen die in vielen öffentlichen Bereichen Schwierigkeiten in Deutschland machen.
Kanada hat eine ganz andere Geschichte und Medien Landschaft, Nationalgefühl, Kommunikationssystem Sprache.
Da muss man sich als Psychologe erst mal einarbeiten.

Das ist auch ganz aktuell, das denken und fühlen von Menschen in Deutschland aus anderen Ländern. Als deutscher Psychologe kommt man nicht ohne weiteres in das denken und fühlen rein.

Wenn jetzt Deutsche Jugendliche sehen wie sich das Umfeld ändert und nicht aussprechen können was sie denken und fühlen, weil die Leitmedien ein denken überstülpen wollen, dann kann die Flucht in die Medien Welt helfen die Angst zu lindern. Mann kann auch Drogen nehmen um anders zu fühlen und denken oder Arbeiten, Sport, Musik, Humor, usw.

Es hilft nur zu erkennen, das unterschiedliche Herkunft zu unterschiedlichen Interessen führen kann. Die Herkunft ist dann das Fernsehprogramm mit dem die Menschen aufgewachsen sind. Die Geschichten und Kindheitserinnerungen kann man nicht löschen sie sind da. Sie haben einen geprägt und bleiben und bestimmen auch noch das denken und fühlen in die Zukunft mit.

Es spielen hier natürlich auch die einzelnen Prägungen aus der Herkunftsfamilie und Nahrungsgewohnheiten eine Rolle.

So ist jede Lebensgeschichte von allen Säugetieren (Menschen) aus Psychologischer und Medizinischer Sicht anders und einige neigen dazu auf Flucht, Kampf und Ertragen anders oder ähnlich zu reagieren.

Die Flucht von jugendlichen in die gemalte Theaterwelt durch die LED Technik aus der Physik und Chemie von dem hier die rede ist, in dem Artikel, kann eine gewünschte und Gute
Entspannung sein. Wenn es die Richtigen Inhalte für die Reife (Alter) hat und die Dauer beachtet wird.
Wenn nicht kann es dazu führen, dass es unbewusst in die Flucht einer Fantasiewelt führt und die Wirklichen Schwierigkeiten nicht mehr im Bewusstsein sind, um sie zu versuchen zu lösen. Da sie aber immer wieder unbewusst in das Bewusstsein kommen und verdrängt werden kann die folge ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit sein. Ich kann an meiner Situation nichts ändern.

Ich würde die Situation so erklären.
Bin aber bereite andere Meinungen anzuhören und zu überprüfen, wo Gemeinsamkeiten sind und unterscheide sind. So aber auch das Motive, um eine bestimmte Meinung, aus eigenen oder nationalen Interesse zu verstärken, zu beschreiben.

Grüße von Peter












Avatar #759489
MITDENKER
am Mittwoch, 17. Juli 2019, 15:39

Studienergebnisdurcheinander

Es ist leider wie (fast) immer: Die Studie A wird durch die Studie B widerlegt u. das Gegenteil "erkannt".
Hier zeigt sich deutlich, das die Zeit, die der Jugendliche vor dem Bildschirm verbringt eben doch eine Rolle spielt:
https://www.aponet.de/aktuelles/kurioses/2012-01-depressionen-durch-computerspiele.html
und:
https://www.hna.de/netzwelt/nachts-zocken-kann-depressiv-machen-1232370.html

Da ich öfters Eltern u. Jugendliche zu diesem Thema berate: Ich kann nur hoffen, dass die spielwütigen Kids diese Studie nicht in die Finger bekommen, denn bis jetzt galt: SPIELEN JA (ALTERSGERECHT), ABER NICHT ZU LANGE.

Und auch hier gibt es einen Zeitfaktor bei der Diagnostik:

Der ICD-11 nennt drei Kriterien, die normales Spielen von einer Sucht unterscheiden:
◾Entgleitende Kontrolle etwa bei Häufigkeit und Dauer des Spielens,
◾wachsende Priorität des Spielens vor anderen Aktivitäten und
◾Weitermachen auch bei negativen Konsequenzen.
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