NewsMedizinNabiximols kann Cannabiskonsum vermindern
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Nabiximols kann Cannabiskonsum vermindern

Mittwoch, 17. Juli 2019

Beim Fertigarzneimittel Sativex handelt es sich um ein Nabiximols-haltiges Mundspray. Die Flüssigkeit wird auf die Innenseite der Wange gesprüht, so dass THC über die Mundschleimhaut resorbiert werden kann. /Andrey Popov, stockadobecom

Sydney – Eine Substitution mit Nabiximols, einer Mischung aus Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD), hat in einer randomisierten Placebo-kontrollierten Studie in JAMA Internal Medicine die Psychotherapie der Cannabis-Abhängigkeit unterstützt (2019; doi: 10.1001/jamainternmed.2019.1993).

In Australien konsumiert jeder 10. Erwachsene Cannabis. Von diesen wiederum zeigt jeder 10. Symptome einer Abhängigkeit, zu denen kognitive, psychiatrische und allgemeine körperliche Symptome gehören. Denn der tägliche hochdosierte Konsum der Cannabisdroge bleibt nicht ohne gesundheitliche Folgen. Entsprechend hoch ist die Nachfrage nach Behandlungen der Cannabis-Abhängigkeit.

Anzeige

Die Effektivität der derzeitigen Therapie ist nach Einschätzung von Nick Lintzeris gering. Die Rückfallquote liege bei 80 %, schreibt der Leiter der „Drug & Alcohol Services“ an der Universität Sydney. Die Ärzte haben deshalb ein Behandlungsprinzip erprobt, das bei Tabak- oder bei Heroinabhängigen angeboten wird. Sie kombinieren die Psychotherapie mit einer Substitution der Droge, die zur Abhängigkeit geführt hat.

An der Phase 3-Studie nahmen insgesamt 128 Erwachsene im Alter von durchschnittlich 35 Jahren teil. Sie hatten an 25,7 der letzten 28 Tage im Mittel täglich 2,3 Gramm Cannabis konsumiert. Alle litten unter den Folgen des Konsums und hatten sich freiwillig um eine Therapie beworben. Die Studie wurde von der Universität gesponsert, der Hersteller war nicht beteiligt.

Aufklärung allein verhilft häufig nicht zu einem drogenfreien Leben

Die Behandlung besteht aus 6 strukturierten Sitzungen einer kognitiven Verhaltenstherapie. Dort werden die Patienten zunächst über die Ursachen ihrer Abhängigkeit aufgeklärt. Anschließend werden ihnen Wege zu einem drogenfreien Leben aufgezeigt. Diese Behandlung allein führt häufig nicht zum Ziel, weshalb sie in der Studie um eine Substitution mit Nabiximols kombiniert wurde. Das Mittel enthält die beiden Cannabinoide THC und CBD. Es ist – auch in Deutschland – zur Symptomverbesserung bei schwerer Spastizität zugelassen.

Alle Teilnehmer erhielten ein Spray, das sie bis zu 32 Mal am Tag anwenden sollten. Bei der Hälfte der Teilnehmer enthielt das Spray Nabiximols, bei der anderen Hälfte nur ein Placebo. Primärer Endpunkt der Studie war die Anzahl der Tage, an denen die Teilnehmer (nach eigener Aussage) die Cannabisdroge konsumierten.

Nabiximols verbessert Cannabiskonsum, aber nicht die Lebensqualität

Wie Lintzeris berichtet, konsumierten die Teilnehmer der Placebogruppe während der 12-wöchigen Studienphase an durchschnittlich 53,1 Tagen weiterhin Cannabis, in der Nabiximols-Gruppe dagegen nur an 35,0 Tagen. Die Differenz von 18,6 Tagen war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 3,5 bis 33,7 Tagen statistisch signifikant. Es kamen auch mehr Teilnehmer über eine ganze Woche ohne den privaten Cannabis-Konsum aus (26,5 versus 18,2 %). Der Anteil der Teilnehmer, die den Konsum um mehr als die Hälfte reduzierte war mit 54,1 % fast doppelt so hoch wie in der Placebogruppe (28,9 %).

Zu den Einschränkungen gehört, dass nur etwa die Hälfte der Teilnehmer bis zum Ende der Behandlung an der Studie teilnahm. Die Substitution hatte auch keinen nachweisbaren Einfluss auf die Entzugssymptome oder das „Craving“, und im Fragebogen SF36 zur Lebensqualität waren ebenfalls keine Vorteile zu erkennen. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #780765
elusive
am Sonntag, 21. Juli 2019, 17:44

LSD gegen Suchterkrankungen

Es gibt bereits seit langem eine Substanz, die eine extrem hohe Erfolgsquote bei der Suchtbehandlung aufweist: LSD.

Bei egal welcher Sucht.

In nur einer Sitzung kann unter richtiger Anleitung eine jahre- oder sogar jahrzehnte lang bestehende psychische Abhängigkeit überwunden werden.

Abgesehen davon, dass man damit noch eine Vielzahl andere psychische und psychiatrische Störungen heilen kann.

Aber klar, heilen bringt nun mal keinen Profit im Gegensatz zum substituieren und endlos therapieren... :(

Also wird man wohl noch endlos an "Lösungen" für das Drogenproblem forschen, statt einzusehen, das es längst gelöst wäre, wenn die korrekten gesetzlichen Rahmenbedingungen gesetzt wären, die einen offenen, sauberen und verantwortungsvollen Umgang mit Rauschsubstanzen ermöglichen.

:(
Avatar #736590
xxhfa
am Donnerstag, 18. Juli 2019, 12:11

weldfremt

Placebokontrolle bei Cannabisstudie
Wie weltfremd können Forscher noch sein?
LNS

Nachrichten zum Thema

16. August 2019
Frankfurt am Main – Das Risiko, an einer Überdosis zu sterben, ist für drogenabhängige Straftäter in den ersten zwei Tagen nach der Haftentlassung besonders hoch. Im Rahmen eines Forschungsprojektes
Drogenabhängige nach Haftentlassung nicht allein lassen
15. August 2019
Montréal – Der weltweit größte Cannabishersteller, Canopy Growth aus Kanada, hat seine Produktion und den Umsatz im Quartal von April bis Juni im Vorjahresvergleich vervierfacht – macht aber weiter
Cannabishersteller vervierfacht Produktion
8. August 2019
Neumünster – Deutschlands erste legale Cannabis-Produktionsanlage in Neumünster nimmt Formen an. „Hier wird Ende 2020 - wahrscheinlich zum ersten Mal in Deutschland – medizinisches Cannabis
Erste Cannabis-Ernte Ende 2020 in Neumünster geplant
30. Juli 2019
Darmstadt – Massives Untergewicht kann ein Grund sein, warum die gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) die Versorgung mit Dronabinol (Tetrahydrocannabinol (THC)) zunächst übernehmen muss, obwohl die
Anspruch auf Dronabinol im Eilverfahren wegen massiven Untergewichts zuerkannt
26. Juli 2019
Berlin – Cannabis, Pflegeversicherung, Organspende und Reproduktionsmedizin: Diese vier Themen aus der Gesundheitspolitik hat der FPD-Parteichef Christian Lindner mit dem CDU-Ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens
Spahn und Lindner: Pflege-Bahr führt ein Schattendasein
26. Juli 2019
Berlin – Der rot-rot-grüne Berliner Senat will erreichen, dass Cannabis in der Stadt kontrolliert an eine begrenzte Zahl von Erwachsenen abgegeben werden darf. Ein Antrag für ein wissenschaftlich
Berlin stellt Antrag für kontrollierte Cannabisabgabe an Erwachsene
25. Juli 2019
Berlin – Jugendliche in Berlin greifen früh zum ersten Joint. Beim ersten Konsum der illegalen Droge sind sie im Schnitt 14,6 Jahre alt, wie aus einer heute vorgestellten Untersuchung der Berliner
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER