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Medizin

Darmkrebszellen sind unterschiedlicher als gedacht

Donnerstag, 18. Juli 2019

Tumor im Darm /picture alliance
/picture alliance

Berlin – Bei Darmkrebs sind 2 Gene namens „KRAS“ und „BRAF“ besonders häufig mutiert. Bislang gingen Mediziner davon aus, dass die Veränderungen in diesen beiden Genen zu ähnlichen Wachstumssignalen in allen Krebszellen führen. Diese Annahme scheint falsch zu sein. Das berichten Wissenschaftler um Markus Morkel und Nils Blüthgen vom Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK) an der Charité – Universitätsmedizin Berlin in der Zeitschrift Nature Communications (2019; doi: 10.1038/s41467-019-10954-y).

Im DKTK arbeiten Forscher und Ärzte an 8 Standorten in Deutschland zusammen, um erfolgversprechende Ansätze der Krebsforschung schneller in die klinische Praxis zu bringen.

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Die Forscher verwendeten für ihre Studie Einzelzellanalysen und die Organoid-Technologie. Über die Einzelzellanalysen können Wissenschaftler Unterschiede zwischen Tausenden einzelner Zellen eines Gewebes erforschen. Bei der Organoid-Technologie wachsen aus Operationsmaterial gewonnene Zellen des Krebsgewebes im Labor zu dreidimensionalen Strukturen heran. Zusätzlich setzten die Forscher Computersimulationen ein, um zu verstehen, an welcher Stelle die Signalverarbeitung von der Zelle selbst blockiert werden kann. 

„Wir waren überrascht, dass Mutationen im KRAS-Gen beim Darmkrebs nur in einem Teil der Krebszellen eine Zellantwort auslösten, in anderen jedoch nicht“, sagt Morkel und erläutert: Der Unterschied scheint in der Zelldifferenzierung zu liegen, das heißt, im Bestreben der Krebszelle, zu einem bestimmten Zelltyp auszureifen.

„Das mutierte BRAF-Gen hingegen aktivierte die Wachstumssignale in allen Zellzu­ständen“, fasst Morkel zusammen. Der KRAS- Signalweg spielt eine wichtige Rolle für die Zellteilung und ist daher ein zentraler Ansatzpunkt für die zielgerichtete Therapie von Darmkrebs. Da beim Darmkrebs mit mutiertem KRAS offenbar jeweils nur ein Teil der Zellen veränderte Wachstumssignale weiterleitet, bleibt der Tumor insgesamt sehr heterogen. Das macht ihn für Therapien sehr schwer zugänglich.

„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass Therapien zukünftig kombiniert werden müssen, um die Darmkrebszellen zunächst zu synchronisieren. Neben der grundlagen­wissenschaftlichen Bedeutung könnte diese Entdeckung auch klinisch relevant sein“, ordnet Blüthgen die Bedeutung der Studiendaten ein. © hil/aerzteblatt.de

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