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Medizin

Für das kardiovaskuläre Risiko sind beide Blutdruckwerte von Bedeutung

Donnerstag, 18. Juli 2019

In der Diastole er­schlafft der Herz­muskel (links), um anschließend in der Systole wieder zu kontrahieren (rechts). /Sebastian Kaulitzki, AdobeStock
In der Diastole er­schlafft der Herz­muskel (links), um anschließend in der Systole wieder zu kontrahieren (rechts). /Sebastian Kaulitzki, AdobeStock

Oakland ­– Ob der systolische oder diastolische Blutdruckwert wichtiger ist, darüber waren sich bislang auch Experten uneins. Eine aktuelle Datenanalyse zeigt, dass sich beide Blutdruckwerte gleich gut eignen, um ein erhöhtes kardiovaskuläres Gesundheitsrisiko abzuschätzen. Die Studie wurde im New England Journal of Medicine veröffentlicht (2019; doi: 10.1056/NEJMoa1803180).

Den Autoren um Alexander C. Flint von der Division of Research des privaten Krankenversicherers Kaiser Permanente Northern California, Oakland, USA zufolge könnten beide Blutdruckwerte ein erhöhtes Risiko für Krankheiten wie Herzinfarkt oder Schlaganfall anzeigen.

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In Deutschland werden zur Diagnose einer Hypertonie immer beide Werte einbezogen. Ulrich Kintscher, Direktor des Instituts für Pharmakologie am Universitätsklinikum Charité in Berlin sieht dieses Vorgehen mit der Studie bestätigt: „Hier wird mit einer sehr großen Datenmenge die Bedeutung des diastolischen Werts bestätigt. Im Alter, das zeigt die Studie auch, ist der systolische Wert entscheidender, aber grundsätzlich sollten beide beachtet werden.“

Die US-Forscher hatten für die aktuelle Studie Patientendaten der privaten Kranken­versicherung verwendet. Für den Zeitraum zwischen 2007 und 2016 erhielten sie so mehr als 36 Millionen Blutdruckmessungen von etwa 1,3 Millionen Menschen. Über die Patienten sind außerdem weitere Daten bekannt, wie das Alter oder Vorerkrankungen.

In der Studie bestätigte sich, dass ein erhöhter Blutdruck das Risiko für bestimmte kardiovaskuläre Erkrankungen erhöht. In Europa gelten Werte über 140/90 als erhöht. In den Vereinigten Staaten wurde die Grenze gesenkt und liegt mittlerweile bei 130/80. Die Studie orientierte sich an beiden Grenzwerten. Die Analyse zeigte, dass auch der untere Wert ein guter Indikator für das Risiko eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls ist.

In Überlebensmodellen waren sowohl ein anhaltend über 140 mmHg liegender systolischer Blutdruck als auch ein anhaltend über 90 mmHg liegender diastolischer Blutdruck unabhängig voneinander mit dem kombinierten Endpunkt aus Herzinfarkt und Schlaganfall assoziiert. Gleiches galt für die niedrigeren Grenzwerte von 130/80 mmHg.

Bestenfalls beide Werte niedrig halten

„Es hat lange Kontroversen darüber gegeben, was zu kardiovaskulären Erkrankungen beiträgt, der systolische oder der diastolische Blutdruck, oder beide“, erklärt Koautor Deepak Bhatt vom Brigham and Women’s Hospital Heart and Vascular Center, Boston, USA, in einer Pressemitteilung von Kaiser Permanente. Diese umfangreiche Analyse von über viele Jahre gesammelten Daten zeige überzeugend, dass beide wichtig seien. Und dass ansonsten gesunde Menschen grundsätzlich niedrige Blutdruckwerte anstreben sollten.

Kintscher ist der Ansicht, dass alle Erwachsenen Ihren Blutdruck kennen sollten. In Abhängigkeit von der Höhe sollte dann in regelmäßigen Abständen gemessen werden. „Wenn Bluthochdruck diagnostiziert wird, liegt jetzt vermehrt der Blick auf der Selbstmessung der Patienten, hierbei sollten die Patienten zweimal täglich messen.“ © dpa/nec/aerzteblatt.de

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Avatar #672734
isnydoc
am Freitag, 19. Juli 2019, 21:21

Ist nicht Rolls-Royce das RR

Eine einfache Methode des Sphygmomanometers mittels Quecksilber wurde vom italienischen Arzt Scipione Riva-Rocci erfunden und 1896 veröffentlicht. Deshalb werden die nach diesem Prinzip gemessenen arteriellen Druckwerte häufig mit „RR“ gekennzeichnet.
https://de.wikipedia.org/wiki/Blutdruckmessung
Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Freitag, 19. Juli 2019, 15:38

Kein Insider

Was bedeutet RR?
Avatar #726299
Kompromat
am Donnerstag, 18. Juli 2019, 19:12

RR + Vit C

https://www.webmd.com/stroke/news/20140214/can-vitamin-c-ward-off-stroke
Avatar #726299
Kompromat
am Donnerstag, 18. Juli 2019, 19:09

RR

@Ferdinand

Vit. C hat sich bisher noch nicht als allein wirksam gegen Schlaganfaelle erwiesen. Es besteht also noch kein Grund, auf eine Kombination der beiden zu verzichten.
Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Donnerstag, 18. Juli 2019, 18:55

Blutdrucksenkung ist keine an der Ursache ansetzende Abhilfe

Aus dem Umstand, dass die Gefäße den vom Herzen entwickelten Blutdruck standzuhalten haben, resultiert, dass die Gefäße eine gewisse Festigkeit aufweisen müssen. Sind sie dieser Druckbelastung nicht gewachsen, entstehen Brüche an ihrer „Karkasse“. Solche Brüche entstehen aber nur dann, wenn der Organismus nicht imstande ist, diese aus Kollagenfasern bestehende „Karkasse“ funktionsfähig zu erhalten. Damit an dieser „Karkasse“ keine Schäden entstehen, benötigt der Organismus Vitamin C. Aber oft hat er nicht genug davon. Skorbut beginnt also an den Gefäßen. Hierbei handelt es sich jedoch um keinen sichtbaren Skorbut. Grund: Auftretende Bindegewebsschäden werden laufend mit dem als Risikofaktor bezeichneten Reparaturwerkstoff Lipoprotein-A ausgebessert. Dieser Prozess wird erst dann bemerkt, wenn infolge der bei diesen Reparaturen entstandenen Engstellen der Blutfluss gehemmt wird bzw. wenn es durch ein Bruchstück, das sich von der Plaque abgelöst hat, zu einem Gefäßverschluss kommt. Solche Engstellen mögen auch die Ursache für den Anstieg des Blutdruckes sein. Blutdrucksenker sind also nicht die richtige Abhilfe.
LNS

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