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Selbstmedikation von Migräne führt häufig in die Chronifizierung

Montag, 22. Juli 2019

/tonda55, stock.adobe.com

Berlin – Mit einer leitliniengerechten und individualisierten Therapie ist heute fast jede Migräne beherrschbar. Das haben die Deutsche Gesellschaft für Neurologie und die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) anlässlich des heutigen „World Brain Day“ betont. Der Tag widmet sich in diesem Jahr der Migräne.

Die Fachgesellschaften kritisieren, dass Migräne häufig nicht diagnostiziert und ärzt­lich behandelt werde – viele Betroffene therapierten sich stattdessen selbst. Nicht sel­ten führe dies aber zu Chronifizierung und neuen Kopfschmerzen, denn Schmerzme­dika­mente könnten bei häufiger Einnahme Kopfschmerzen verursachen oder verstär­ken. In Deutschland sind etwa zehn Prozent der Bevölkerung von Migräne betroffen, Frauen etwa doppelt so häufig wie Männer. 

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Hans-Christoph Diener, Pressesprecher der DGN, sieht Handlungsbedarf, zumal die Prävalenz der Erkrankung steige: „Besonders besorgniserregend ist die Zunahme der Migränehäufigkeit bei jüngeren Menschen, aber auch in allen anderen Altersgruppen hat sich die Zahl der Betroffenen leicht erhöht“, erklärte der Experte. Er bezieht sich damit auf den Arztreport 2017 der Barmer, demzufolge im Zeitraum von 2005 bis 2015 der Anteil der 18- bis 27-Jährigen mit Kopfschmerzdiagnosen, darunter auch Migräne, um 42 Prozent gestiegen war.

Laut den Fachgesellschaften sollten sich Betroffene auch neurologisch betreuen lass­en. Diener betont, dass der Besuch beim Spezialisten keinesfalls zur Verschreibung von Schmerzmedikamenten im Gießkannenprinzip führe. „Im Gegenteil, viele Patien­ten haben sich seit Jahren selbst therapiert und stellen sich mit Kopfschmerzen vor, die aus einem Kopfschmerzmedikamentenübergebrauch resultieren“, so der DGN-Experte.

Mittlerweile seien auch Triptane, spezielle Migränemedikamente, freiverkäuf­lich in Apo­theken erhältlich. „Wenn diese Medikamente über ein Vierteljahr mehr als zehn­mal im Monat eingenommen werden, ist von einem solchen Medikamentenüber­ge­brauch-Kopfschmerz auszugehen“, sagte er. Wichtig sei dann zunächst die Schmerz­mittelentwöhnung, die aber nur mit einer guten Prophylaxestrategie gegen Kopf­schmerz­attacken möglich sei.

Erkrankung ernst nehmen

Stefanie Förderreuther, Präsidentin der DMKG, warnt davor, Migräne zu verharmlo­sen: „Die Migräne spielt sich im Verborgenen ab. Während der Attacke ziehen sich die Betroffenen zurück. Ist sie vorüber, sind sie wieder weitgehend einsatzfähig. Im EEG, CT und Kernspintomogramm finden sich keine Auffälligkeiten, Blutwerte und andere Untersuchungsbefunde sind normal. Ich bin überzeugt, dass das wesentlich dazu beiträgt, dass selbst manche Ärzte die Krankheit unterschätzen,” so Förderreuther.

Kritik an Werbeversprechen für freiverkäufliche Schmerzpräparate übt Peter Berlit, Generalsekretär der DGN. „Die Werbung für freiverkäufliche Kopfschmerzmittel ist höchst irreführend und suggeriert, jeder könne die über 200 Kopfschmerzarten selbst therapieren, indem er einfach nur die beworbenen Tabletten einnimmt“, erklärte er.

Trauriges Resultat sei aber, dass man immer mehr Patienten sehe, bei denen der Kopfschmerz chronisch geworden oder bei denen der Kopfschmerz Folge der häufi­gen Einnahme dieser Medikamente sei, warnte er und empfiehlt, wiederkehrende Kopfschmerzen grundsätzlich ärztlich abklären zu lassen. © hil/aerzteblatt.de

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