NewsMedizinArterielle Hypertonie: Globales Nord-Süd-Gefälle in der Blutdruckkontrolle
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Arterielle Hypertonie: Globales Nord-Süd-Gefälle in der Blutdruckkontrolle

Montag, 22. Juli 2019

/dpa

London/Heidelberg – Obwohl es effektive und gut verträgliche Medikamente gibt, haben noch immer zu viele Menschen einen zu hohen Blutdruck. Die Situation hat sich laut einer Studie im Lancet (2019; doi: 10.1016/S0140-6736(19)31145-6) in den reicheren Ländern, insbesondere auch in Deutschland, in den letzten Jahrzehnten verbessert, während die meisten Bluthochdruckpatienten in ärmeren Ländern noch immer unzureichend behandelt werden, wie eine weitere Publikation im Lancet (2019; doi: 10.1016/S0140-6736(19)30955-9) zeigt.

Ein erhöhter Blutdruck ist nach der Global Burden of Disease Study das weltweit bedeutendste Gesundheitsrisiko. Betroffen sind längst nicht mehr nur Menschen in den reicheren Ländern des Nordens (einschließlich Australiens). In einer früheren Unter­suchung konnte die „NCD Risk Factor Collaboration“ um Majid Ezzati vom Imperial College London zeigen, dass die Zahl der Hypertoniker in den ärmeren Ländern infolge der Urbanisierung mit Bewegungsmangel und Übergewicht stark ansteigt, während die Erkrankungszahlen in einigen reicheren Ländern sogar zurückgehen.

In einer neuen Analyse haben Ezzati und Mitarbeiter für zwölf Länder mit hohem Einkommen (HIC), darunter Deutschland, untersucht, wie sich die Behandlungszahlen und -ergebnisse seit den 1980er Jahren entwickelt haben. Die Analyse beruht auf den Ergebnissen von 123 Umfragen mit mehr als einer halben Million Teilnehmern.

Der Trend ist in den meisten HIC erfreulich. In den 1980er und frühen 1990er Jahren wussten außerhalb der USA weniger als die Hälfte der Hypertoniker von ihrer Erkrankung und weniger als ein Viertel war in Behandlung. Inzwischen wird die arterielle Hypertonie häufiger diagnostiziert und behandelt. In Kanada, Deutschland und Südkorea weiß heute ein ebenso hoher Anteil der Bevölkerung wie in den USA, dass sie einen zu hohen Blutdruck haben.

In einigen Altersgruppen ist die Diagnose- und Behandlungsrate sogar höher, wie Ezzati berichtet. Der Anteil der Menschen mit einem unerkannten Stadium II der Hypertonie (mit Werten von über 160/100 mm Hg), bei dem das Risiko von Endorganschäden hoch ist, liege heute in den USA und in Deutschland in den meisten Altersgruppen bei unter 5 Prozent – in Finnland, Italien, Japan und Neuseeland dagegen teilweise bei 5 bis 25 Prozent.

Auch der Anteil der Hypertoniker mit einem gut kontrollierten Blutdruck ist in den HIC in den 1990er und 2000er Jahren gestiegen. Er liegt allerdings weiterhin bei unter 70 Prozent, und in den letzen Jahren hat es laut Ezzati keine weiteren Verbesserungen gegeben. Zwischen den einzelnen Ländern gibt es große Unterschiede. In Kanada und Deutschland haben zwei bis viermal so viele Hypertoniker einen gut eingestellten Blutdruck wie in Irland, Japan, Italien, Spanien und Finnland.

In vielen Ländern mit mittlerem oder geringem Einkommen (LMIC), ist die Situation wesentlich ungünstiger, wie ein Team um Till Bärnighausen von der Universität Heidelberg recherchiert hat. Die Forscher werteten in einer STEPS-Analyse („Stepwise Approach to Surveillance“) die bevölkerungsbasierten Daten zu 44 LMIC für den Zeitraum nach 2005 aus.

Nach der Analyse ist die arterielle Hypertonie in den LMIC zwar wesentlichen seltener als in den HIC. Die Prävalenz unter den Erwachsenen lag lediglich bei 17,5 Prozent, in den HIC haben mehr als die Hälfte der Erwachsenen einen zu hohen Blutdruck. Doch die Diagnose der Hypertonie war in den LMIC nur bei 39,2 Prozent der Hypertoniker bekannt und nur 29,9 Prozent erhielten eine Behandlung. Eine ausreichende Kontrolle des Blutdrucks wurde nur bei 10,3 Prozent der Hypertoniker erzielt. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

2. Oktober 2020
Winston-Salem/North Carolina – Menschen mit einem Typ-2-Diabetes sind möglicherweise besonders gefährdet, aufgrund eines Alkoholkonsums an einer arteriellen Hypertonie zu erkranken. In einer
Studie: Alkoholkonsum erhöht Blutdruck bei Diabetikern
28. August 2020
Berlin – Wer seinen Blutdruck selbst kontrollieren möchte, muss nicht unbedingt tief in die Tasche greifen. Gute Geräte für die Selbstmessung bei Bluthochdruck gibt es schon ab knapp 25 Euro. Zu
Stiftung Warentest nimmt Blutdruckmessgeräte unter die Lupe
30. Juli 2020
Berlin/Odense – Erhöhter Blutdruck in der Schwangerschaft kann sich auf ungeborene Kinder übertragen und deren Werte schon in jungen Jahren ungünstig beeinflussen. Das zeigt die Studie eines Teams des
Schwangere können Bluthochdruck auf Kinder übertragen
9. Juli 2020
Oxford – Mehr als 90 % aller Menschen, die in England an COVID-19 gestorben sind, waren älter als 60 Jahre. Ein höheres Alter war in einer Analyse von mehr als 17 Millionen Personen der mit Abstand
COVID-19: Hoher Blutdruck kein Sterberisiko in Studie an 17 Millionen Patienten
23. Juni 2020
Heidelberg – Die Hausärzte in Deutschland setzen aktuelle Leitlinienempfehlungen zum Management von Bluthochdruck gut um. Das berichtet die Deutsche Hochdruckliga (DHL) auf Basis einer Studie im
Hausärzte setzten Bluthochdruckleitlinien sehr gut um
12. Juni 2020
Oxford − Britische Mediziner haben in einer randomisierten Studie versucht, die Zahl der Antihypertonika bei über 80-jährigen Patienten zu senken, ohne die Blutdruckziele zu gefährden. Nach den
„Deprescribing“: Kann die Zahl der Hochdruckmedikamente im höheren Alter gesenkt werden?
5. Juni 2020
Wuhan – Patienten mit erhöhtem Blutdruck haben nach den Ergebnissen einer Beobachtungsstudie aus China im European Heart Journal (2020; DOI: 10.1093/eurheartj/ehaa433) bei einer Infektion mit dem
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER