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Medizin

Erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern auch bei kraftbetontem Leistungssport

Donnerstag, 25. Juli 2019

/dpa

Cleveland – Anders als bislang angenommen ist offenbar nicht nur intensiver Ausdau­ersport wie das Absolvieren von Marathons mit einem erhöhten Risiko für Vorhof­flim­mern assoziiert, sondern auch kraftbetonter Leistungssport wie American Football. In einer US-Beobachtungsstudie litten ehemalige Spieler der National Football League (NFL) sechsmal häufiger an Vorhofflimmern als Männer einer populationsbasierten Kontrollgruppe. Erschienen ist die Studie im Journal of the American Heart Associ­ation (2019; DOI: 10.1161/JAHA.118.010401).

Die Studienautoren um Philip Aagaard vom Department of Cardiovascular Medicine der Cleveland Clinic, Cleveland, USA, berichten, dass die früheren NFL-Spieler weni­ger Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes und Hyper­tonie aufgewiesen hätten. Außerdem sei ihr Ruhepuls niedriger gewesen als in der Kontrollgruppe. Und dennoch sei die Inzidenz der Herzrhythmusstörung bei ihnen höher gewesen.

Bisher hatten Studien nur gezeigt, dass hochintensiver, dauerhaft betriebener Aus­dau­ersport, etwa die regelmäßige Teilnahme an Marathons, mit einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern und Störungen der kardialen Erregungsleitung verbunden ist. Dies sei die erste Studie, die auf eine Assoziation zwischen Leistungssport, der vorwiegend Muskelkraft erfordere, und einer höheren Wahrscheinlichkeit für Vorhofflimmern hin­deute, so die Autoren.

„Die beobachtende Natur der Studie erlaube es nicht, einen kausalen Zusammenhang zu zeigen“, betonte Seniorautor Dermot Phelan, Direktor des Sports Cardiology Cen­ter an der Cleveland Clinic in einer Pressemitteilung. Doch das für American Football erforderliche langjährige Krafttraining könnte zu einer Vergrößerung der Herzkammern und einer Verdickung der Herzwände führen, und dies könnte wiederum den Herz­rhythmus und die elektrische Erregungsleitung beeinflussen.

Die Wissenschaftler verglichen 460 ehemalige Profi-Football-Spieler mit einer aus 925 Männern bestehenden populationsbasierten Kontrollgruppe. Beide Gruppen waren mittle­ren Alters und jeweils etwa zur Hälfte Afroamerikaner.

Von den früheren Football-Spielern hatten 5 % Vorhofflimmern, in der Kontrollgruppe waren es nur 0,5 %. Auch nach Bereinigung der Ergebnisse um andere kardiovas­ku­läre Risikofaktoren war die frühere Mitgliedschaft in der NFL noch immer mit einer Odds Ratio für Vorhofflimmern von 5,7 assoziiert. Die ehemaligen NFL-Spieler hatten außerdem achtmal häufiger einen Herzschrittmacher als die Männer in der Kontroll­gruppe (2,0 vs. 0,25%) und zudem häufiger einen AV-Block 1. Grades.

Auch bekannte Risikofaktoren wie ein höheres Alter, ein höherer BMI und nicht-afro­amerikanische Ethnizität waren unabhängig mit einer höheren Odds Ratio für Vorhof­flimmern assoziiert. Hypertonie und Diabetes mellitus waren dagegen keine unabhän­gi­gen Prädiktoren für eine Herzrhythmusstörung.

Vorhofflimmern oft unerkannt – und unbehandelt

Die Autoren weisen insbesondere darauf hin, dass bei 15 der 23 ehemaligen Profi-Football-Spieler das Vorhofflimmern zuvor nicht diagnostiziert worden sei. Sie seien zwar frequenzkontrolliert und asymptomatisch gewesen, aber 80 Prozent von ihnen hätten einen CHA2DS2-VASc-Score ≥1 gehabt.

„Die meisten ehemaligen NFL-Spieler waren sich keiner Symptome bewusst, hätten aber eigentlich mit Gerinnungshemmern behandelt werden müssen, um das Schlag­an­fallrisiko zu senken. Dies zeige wie wichtig es sei, in dieser Population wachsam zu sein und in unregelmäßigen Abständen auf Vorhofflimmern zu checken“, so Phelan.

Er betont aber auch, dass dies ausschließlich für langjährige Leistungs- und Extrem­sportler gelte. Bei den meisten Menschen sei sowohl Ausdauer- als auch Krafttraining eng mit einem gesünderen Herzen assoziiert. „Diese Studie sollte Menschen keines­falls davon abhalten Sport zu treiben. Bei den meisten Menschen reduziert leichtes bis moderates Training das Risiko für Vorhofflimmern.“ © nec/aerzteblatt.de

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