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Ausland

SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen nehmen Seenotrettung wieder auf

Montag, 22. Juli 2019

/picture alliance, Anthony Jean, SOS Mediterranee

Paris – Die Hilfsorganisationen SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen nehmen die Seenotrettung auf dem Mittelmeer wieder auf. „Als professionelle Seenotretter können wir das Sterben im Mittelmeer nicht mehr hinnehmen“, sagte der Geschäfts­führer von SOS Méditerranée in Deutschland, David Starke.

Das neue Rettungsschiff „Ocean Viking“ ist nach Angaben der Organisationen bereits seit dem vergangenen Donnerstag auf dem Weg in Richtung Mittelmeer, es soll Ende des Monats dort die Seenotrettung aufnehmen.

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Die „Ocean Viking“ mit 31 Besatzungsmitgliedern an Bord fährt unter norwegischer Flagge. Das 69 Meter lange Frachtschiff aus dem Baujahr 1986 diente nach Angaben von SOS Méditerranée in der Vergangenheit als Versorgungs- und Rettungsschiff für die Öl- und Gasindustrie in der Nordsee. Laut Ärzte ohne Grenzen kann es bis zu 200 Gerettete an Bord nehmen.

Das Rettungsschiff wird seinen Einsatz auf das zentrale Mittelmeer konzentrieren, wie der Einsatzleiter von SOS Méditerranée, Frédéric Penard, erklärte. Dort würden die meisten Notrufe abgesetzt. Allerdings werde die „Ocean Viking“ nicht in libysche Hoheitsgewässer vordringen.

Ende 2018 hatten die beiden Organisationen nach drei Jahren ihre gemeinsamen Rettungsaktivitäten mit dem Schiff „Aquarius“ auf Druck Italiens hin eingestellt. Mit der „Aquarius“ retteten sie nach eigenen Angaben zwischen 2016 und 2018 mehr als 29.000 Menschen vor dem Ertrinken. Den Organisationen zufolge sind seit Beginn dieses Jahres 426 Menschen bei der Flucht über das Mittelmeer gestorben.

„Seit einem Jahr beobachten wir, dass die europäische Staatengemeinschaft ihrer Ver­­antwortung für die Geflüchteten entlang der Mittelmeerroute nicht mehr nach­kommt“, erklärte Starke. Leben retten sei Pflicht.

Die beiden Organisationen nahmen ihre Rettungsfahrten einen Monat nach der Fest­setzung der deutschen Kapitänin Carola Rackete in Italien wieder auf. Rackete war am 29. Juni vorübergehend festgenommen worden, nachdem sie ihr Schiff „Sea-Watch 3“ mit 40 Flüchtlingen an Bord in den Hafen von Lampedusa gesteuert hatte, obwohl Italiens rechtsnationaler Innenminister Matteo Salvini das Anlegen jeglicher Rettungsschiffe aus dem Mittelmeer in italienischen Häfen verboten hatte.

Rackete forderte wenig später die Aufnahme aller Migranten aus Libyen in einem „sicheren Land“. Sie sprach dabei von einer halben Million Menschen. Dem wider­sprach allerdings die Internationale Organisation für Migration (IOM). „Nicht alle der 650.000 Migranten, die sich derzeit in Libyen aufhalten, wollen nach Europa“, sagte der Mittelmeerbeauftragte von IOM, Federico Soda, der Welt.

Derweil warnte Salvini Deutschland und Frankreich davor, die Flüchtlingspolitik der EU eigenmächtig zu bestimmen. „Es reicht mit den Entscheidungen, die nur in Paris und in Berlin getroffen werden“, schrieb Salvini gestern in einem Eintrag auf seiner Face­bookseite, dem er einen Brief an den französischen Innenminister Christophe Casta­ner beifügte.

Es gehe nicht an, dass die französische und die deutsche Regierung die Migrations­po­litik in der Europäischen Union bestimmten und dabei „die Forderungen der am stärksten betroffenen Länder ignorieren“, kritisierte Salvini und nannte sein Land und Malta als Beispiele. Der Umgang mit Geflüchteten ist in der EU seit langem stark umstritten. © afp/aerzteblatt.de

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