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Medizin

Schadenersatzklagen: Die häufigsten folgenschweren Diagnoseirrtümer

Montag, 22. Juli 2019

/dpa

Baltimore – Gefäßerkrankungen, Infektionen und Krebs: Die „Big Three“ in der Krank­heitshäufigkeit sind in den USA auch die häufigsten Anlässe für Schadenersatzklagen, die durch Diagnosefehler ausgelöst werden, wie eine Analyse in Diagnosis (2019; doi: 10.1515/dx-2019-0019) zeigt.

Wenn ein Arzt Symptome nicht richtig deutet, auf die Durchführung von Tests verzich­tet oder die Testergebnisse falsch interpretiert oder kommuniziert, kann dies schwer­wie­gende bis tödliche Folgen für seine Patienten haben.

Um mehr Informationen über diagnostische Irrtümer zu erhalten, haben David New­man-Toker vom Armstrong Institute for Patient Safety and Quality in Baltimore und Mit­arbeiter eine Datenbank der Unternehmensberatungsfirma CRICO ("Controlled Risk Insurance Company“) ausgewertet, die etwa ein Drittel aller medizinischen Schaden­ersatz­klagen in den USA umfasst und Details zu den Gründen und den gezahlten Summen enthält.

In den Jahren 2006 bis 2015 waren dies 55.377 Fälle, darunter waren 11.592 Fälle, die auf diagnostische Irrtümer zurückzuführen waren. Von diesen wurden wiederum 7.379 als sehr schwerwiegend eingestuft (Stufe 6 bis 9 in der „Severity of Injury Scale“ der „National Association of Insurance Commissioners“).

Fünf Krankheiten identifiziert

Stufe 6 umfasst permanente Schäden wie Taubheit, Verlust einzelner Gliedmaße, Ver­lust des Auges oder Verlust einer Niere oder Lunge. Stufe 7 sind bleibende schwere Schäden wie Querschnittlähmung, Erblindung, Verlust von zwei Gliedmaßen oder Hirn­schäden. Stufe 8 kennzeichnet dauerhafte schwere Schäden wie Tetraplegie, schwere Hirnschäden, lebenslange Pflege oder Schäden mit tödlichen Folgen. Stufe 9 bedeutet den sofortigen Tod des Patienten.

Auf die „Big Three“ der Krankheitskategorien entfielen 74,1 Prozent aller schweren Pa­tientenschäden durch diagnostische Fehler. Dies waren zu 22,8 Prozent Gefäßer­krankungen, 37,8 Prozent Krebserkrankungen und 13,5 Prozent Infektionen (die in zehn Jahren insgesamt 1,8 Milliarden US-Dollar an Schadenersatzzahlungen zur Folge hatten).

Innerhalb der drei großen Kategorien identifizierten die Autoren jeweils fünf Krank­hei­ten, auf die zusammen 47,1 Prozent aller schwerwiegenden Schäden durch Diag­no­­sefehler entfielen. In der Kategorie Gefäße waren dies nach der Reihenfolge der Häu­figkeit Schlaganfall, Herzinfarkt, venöse Thromboembolien, Aortenaneurysma/-dis­sek­tion und arterielle Thromboembolien.

Die fünf häufigsten Infektionen, bei denen schwere diagnostische Fehler auftraten, waren Sepsis, Meningitis/Enzephalitis, spinale Abszesse, Lungenentzündung und Endokarditis. Bei den Krebsarten kam es am häufigsten bei Lungenkrebs, Brustkrebs, Darmkrebs, Prostatakrebs und Melanomen zu schwerwiegenden Diagnosefehlern.

Die meisten Irrtümer darunter solche mit schweren Konsequenzen für den Patienten traten auf Notfallaufnahmen oder in ambulanten Abteilungen (71,2 Prozent) auf. Be­troffen waren zu mehr als der Hälfte der Fälle Internisten, Notfallmediziner, Hausärzte und Radiologen.

Zu 85,7 Prozent war eine fehlerhafte klinische Einschätzung des Arztes am schwer­wie­genden Diagnosefehler beteiligt. Kommunikationsfehler wurden bei 34,9 Prozent der Fälle gefunden. Fehler im „klinischen System“, etwa der Verlust von Testergeb­nis­sen, waren an 22,0 Prozent der schwerwiegenden Fehler beteiligt.

Es folgten Fehler in der Dokumentation (20,8 Prozent), „nicht versicherungsrelevante“ Aspekte (19,9 Prozent, nicht näher beschrieben), verhaltensbedingte Fehler (18,3 Pro­zent) und administrative Fehler (12,9 Prozent).

Das Durchschnittsalter der Patienten betrug übrigens nur 49 Jahre, was sicherlich nicht bedeutet, dass die meisten Diagnoseirrtümer in diesem Alter auftreten. Fehler bei Patienten dieses Alters führten nur am häufigsten zu Schadenersatzklagen, deren Fälle Grundlage für die Analyse waren. © rme/aerzteblatt.de

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