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Untersuchung einer Stuhlprobe könnte Asthmarisiko bei Babys anzeigen

Dienstag, 23. Juli 2019

picture-alliance McPHOTO/M. Begsteiger

San Francisco – Ein bakterielles Lipid im Stuhl von Babys könnte auf eine Prädisposition für Allergien und Asthma hinweisen, wie US-Wissenschaftler in Nature Microbiology (2019; DOI 10.1038/s41564-019-0498-2) berichten. „Das von Darmbakterien des Neugeborenen gebildete Lipid fördert die Fehlfunktion des Immunsystem, die mit allergischem Asthma assoziiert ist, und könnte genutzt werden, um herauszufinden, welche Babys für eine Asthmaerkrankung in der Kindheit gefährdet sind“, so Senior­autorin Susan Lynch von der University of California in San Francisco in einer Pressemitteilung.

Die Arbeitsgruppe um Lynch hatte bereits zuvor gezeigt, dass einen Monat alte Säuglinge mit gestörter mikrobieller Darmflora ein erhöhtes Risiko für Asthma haben. Im Stuhl dieser Babys hatten sie auch besonders hohe Konzentrationen eines speziellen Lipids gefunden: 12,13-diHOME. Dieses Lipid reduziert sowohl die Zahl als auch die Aktivität regulatorischer T-Zellen, deren Aufgabe es ist, allergische Entzündungen zu unterdrücken.

In ihrer aktuellen Studie zeigen sie, dass es tatsächlich 12,13-diHOME ist, dass das Allergie- und Asthmarisiko von Neugeborenen nach oben treibt. Mäuse, denen das Lipid in den Darm injiziert wurde, wiesen anschließend in der Lunge eine verringerte Zahl regulatorischer T-Zellen auf. Die Experimente im Tiermodell ergaben außerdem, dass 12,13-diHOME die regulatorischen T-Zellen und auch andere Immunzellfunktionen auf molekularer Ebene verändert.

Um herauszufinden, woher dieses proinflammatorische Lipid stammt, untersuchten die Wissenschaftler die mikrobiellen Gene in Stuhlproben von 41 Detroiter Babys im Alter von einem Monat. Es zeigte sich, dass die Kopienzahl dreier bakterieller Gene für 12,13 DiHOME, aber auch die Konzentration des Lipids selbst in den Stuhlproben vorher­sagten, welche Säuglinge im Alter von zwei Jahren eine Allergie oder im Alter von vier Jahren eine Asthmaerkrankung entwickeln würden. Repliziert wurden diese Ergebnisse anhand der Stuhlproben von 50 gleichaltrigen Babys aus dem Raum San Francisco.

„Auch wenn diese Daten erst in einer noch größeren Studienkohorte repliziert werden müssen, zeigt die Tatsache, dass in zwei demografisch verschiedenen Populationen die gleichen Ergebnisse erzielt wurden, dass sich die Assoziation zwischen dem bakteriellen Lipid und dem kindlichen Allergie- und Asthmarisiko möglicherweise auf eine breitere Population verallgemeinern lässt“, sagt Erstautorin Sophia Levan, ebenfalls von der University of California in San Francisco.

Identifikation gefährdeter Säuglinge

Die Autoren um Lynch und Levan betonen allerdings, dass 12,13-diHOME wahrscheinlich nur eines von vielen mikrobiellen Produkten ist, die früh im Leben zu einer Fehlfunktion des Immunsystems und einer erhöhten Suszeptibilität für Allergien und Asthma beitragen.

Als nächstes will die Arbeitsgruppe Screeningprotokolle entwickeln, anhand derer Neugeborene mit einem hohen Risiko für Allergien und Asthma identifiziert werden können. Diese sollen auf dem Vorhandensein von 12,13-diHOME, aber auch anderer mikrobieller Moleküle im Stuhl basieren. Sie planen außerdem Interventionen zu finden, die das Risiko der Neugeborenen senken könnte, entweder durch Therapien, die die Konzentrationen dieser mikrobiellen Produkte reduzieren, oder durch die Unterstützung einer gesunden mikrobiellen Darmflora, um die Produktion dieser Substanzen zu verhindern. © nec/aerzteblatt.de

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