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Politik

Nationalakademie empfiehlt Sofortmaßnahmen zum Klimaschutz

Dienstag, 23. Juli 2019

/Ingo Bartussek, stock.adobe.com

Berlin – Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina fordert in einer Ad-hoc-Stellungnahme, sofortige Maßnahmen zu einer nachhaltigen Reduktion der CO₂-Emissionen zu ergreifen. Entscheidend sei vor allem ein einheitlicher CO₂-Preis. Nur so könne das Ziel des Pariser Klimaabkommens von 2015, die globale Erwärmung der Erde auf weniger als 2°C zu beschränken, noch erreicht werden.

Der Klimawandel gilt als eine der zentralen Gesundheitsfragen des 21. Jahrhunderts. Bereits heute hat er ernsthafte Auswirkungen auf das menschliche Leben und die Ge­sundheit. Die meisten Klimaschutzmaßnahmen gehen deshalb auch mit erheblichen Vorteilen für die Gesundheit einher.

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Ein effektiver Klimaschutz gehöre zu den Aufgaben einer verantwortungsvollen Um­welt-, Verkehrs-, Energie- und Gesundheitspolitik, heißt es in der Stellungnahme „Kli­maziele 2030: Wege zu einer nachhaltigen Reduktion der CO₂-Emissionen“. Nicht zu­letzt vor dem Hintergrund der aktuellen Schülerstreiks habe das Präsidium der Natio­nalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina im Juni 2019 eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe beauftragt, Maßnahmen für die Einhaltung der Klimaziele 2030 in Deutschland zu erarbeiten.

Schnell wirksam, sozialverträglich, innovationsfördernd

Das Ergebnis seien Sofortmaßnahmen zum Schutz des Klimas, die „schnell sozialver­träglich und innovationsfördernd Wirkung entfalten können“: Entscheidend sei, so das Ergebnis der Arbeitsgruppe, einen einheitlichen und sektorenübergreifenden Preis für Treibhausgasemissionen einzuführen. Die Leopoldina stimmt damit einer Reihe wirt­schaftswissenschaftlicher Expertengutachten zur CO₂-Bepreisung zu, die der Politik in diesem Monat übergeben wurden.

Der anfängliche CO₂-Preis müsse erheblich höher liegen als der aktuelle Preis im eu­ropäischen Emissionshandel, der momentan bei 25 Euro pro Tonne CO₂ liegt. Zudem solle der Preis in den kommenden Jahren schrittweise steigen. Die gewählte CO₂-Be­preisung müsse von der Politik regelmäßig überprüft und bei Bedarf nachjustiert wer­den. Das Instrument der CO₂-Bepreisung müsse als unverrückbare klimapolitische Strategie erkennbar sein.

Ein CO₂-Preis alleine reiche jedoch nicht aus, um die Klimaziele 2030 zu erreichen, heißt es in der Stellungnahme weiter. Darüber hinaus müssten unter anderem die Ein­nahmen aus der CO₂-Bepreisung transparent reinvestiert werden – in eine kohlenstoff­arme Infrastruktur und Allgemeingüter, in die relative Absenkung des Strompreises und in den sozialen Ausgleich in Form einer „Klimadividende“. So ließen sich Anreize für klimaschützendes Wirtschaften und Verhalten setzen.

Die Autoren der Stellungnahme gehen außerdem davon aus, dass eine wirksame Bepreisung von CO₂ einen früheren Kohleausstieg wahrscheinlicher machen würde. Tech­­nisch sei dies in Deutschland möglich. Voraussetzungen seien Investitionen in erneuerbare Energien, in ein modernes Stromnetz und in Speichertechnologien wie Power-to-gas, Batterien und Power-to-liquid.

Für den Bereich Verkehr, der rund 20 Prozent der CO₂-Emissionen verursacht, wird in der Stellungnahme eine massive Elektrifizierung empfohlen. Der öffentliche Personen­nahverkehr (ÖPNV), der Schienenfernverkehr und der Gütertransport auf der Schiene müssten erheblich ausgebaut und qualitativ verbessert werden. Hinsichtlich privater Pkw sei die Umstellung auf stark hybridisierte und batterieelektrische Fahrzeuge ein wirkungsvoller, kurzfristiger Hebel. In den Städten solle dem ÖPNV, Fahrradverkehr sowie Fußgängern Priorität eingeräumt werden.

Die Autoren der Stellungnahme weisen zudem darauf hin, dass die aktuellen Trans­port­­kosten im Güterverkehr den Umweltverbrauch nicht hinreichend berücksichtigen. Sie empfehlen den internationalen Flug- und Schiffsverkehr über entsprechende Abkommen mit einem CO₂-Preis zu belegen.

Klimaschutz ist Gesundheitsschutz

„Alle Maßnahmen im Energiebereich, die dem Klimaschutz dienen, sind gleichzeitig Maßnahmen zur Förderung der Luftreinhaltung und damit zugleich der Gesundheit“, heißt es in der Stellungnahme der Leopoldina. Die Vermeidung des Ausstoßes von CO₂ und anderen Klimagasen führe in aller Regel auch zu einer Abnahme bei gesund­heitsschädlichen Stoffen, insbesondere dem Feinstaub.

Nach heutigem Stand werde Deutschland die Ziele für 2030 aber nicht erreichen. Die Autoren der Stellungnahme plädieren deshalb für eine „konsequentere, transparentere und zügigere Umsetzungsstrategie (…) in der nationalen Klimapolitik“. Mit dem derzei­tigen Rückenwind aus der Bevölkerung habe die Politik jetzt die einmalige Chance, die Herausforderung zu meistern. © nec/aerzteblatt.de

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