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Medizin

Typ-2-Diabetes: Vegetarier erkranken seltener

Mittwoch, 24. Juli 2019

/fotofreaks, stockadobecom

Boston/London – Menschen, die auf einen hohen Anteil von pflanzlicher Kost in ihrer Ernährung achten, erkranken seltener an einem Typ-2-Diabetes. Dies zeigen überein­stimmend neun prospektive Beobachtungsstudien, die eine Meta-Analyse in JAMA Internal Medicine (2019; doi: 10.1001/jamainternmed.2019.2195) zusammenfasst. Der wichtigste Einflussfaktor ist nach einer weiteren Analyse in Nutrition and Diabetes (2019; 9: 7) die mit dem Fleischverzicht verbundene Gewichtsabnahme.

Eine pflanzliche Ernährung erfreut sich in den verschiedenen Erscheinungsformen von der ovo-lacto-vegetarischen bis zur streng veganen Kost zunehmender Beliebtheit. Ein möglicher Vorteil für die Gesundheit könnte die Vermeidung eines Typ-2-Diabetes sein.

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Pflanzliche Kost verlangsamt aufgrund seines hohen Anteils an Ballaststoffen die Resorption von Glukose, was sich günstig auf die Insulinempfindlichkeit auswirken könnte. Pflanzliche Kost kann jedoch auch eine hohe glykämische Last haben (etwa durch Reis- oder Nudelgerichte), die eine hohe Insulinausschüttung erfordert. Es ist deshalb nicht gesagt, dass Vegetarier vor einem Typ-2-Diabetes geschützt sind.

Da es keine großen randomisierten klinischen Studien zu der Auswirkung der Ernäh­rung auf die Diabeteshäufigkeit gibt, muss sich die Evidenz auf prospektive Beobach­tungsstudien stützen. Dort wird zu Beginn eine möglichst große Zahl von gesunden Menschen nach ihren Ernährungsgewohnheiten befragt. Die Daten werden dann mit späteren Erkrankungen in Beziehung gesetzt.

Neun Studien analysiert

Frank Qian von der T.H. Chan School of Public Health in Boston und Mitarbeiter ha­ben jetzt neun prospektive Beobachtungsstudien ausgewertet. Darunter waren fünf US-Studien (Nurses Health Study I, II, Health Professional Follow Up und die beiden Adventist Health Studies), die Rotterdam-Studie aus den Niederlanden, die ATTICA-Studie aus Griechenland sowie jeweils eine Studie aus Taiwan und Singapur. An den Studien nahmen 307.099 Erwachsene teil, von denen 23.544 während einer Nachbe­obachtungszeit von 2 bis 28 Jahren an einem Typ-2-Diabetes erkrankten.

Alle neun Studien kamen zu dem Ergebnis, dass eine pflanzenbasierte Kost mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit auf einen Typ-2-Diabetes einhergeht. In sieben von neun Studien waren die inversen Assoziationen signifikant. Qian kommt insgesamt zu dem Ergebnis, dass Menschen, die sich an ein pflanzliches Ernährungsschema hal­ten, zu 23 Prozent seltener an einem Typ-2-Diabetes erkranken. Das relative Risiko von 0,77 war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,71 bis 0,84 hoch signi­fikant.

An der Tatsache, dass Vegetarier seltener am Typ-2-Diabetes erkranken, ist nach den Ergebnissen kaum zu zweifeln. Zumal Qian in fünf Studien klare Hinweise auf eine Dosis-Wirkungs-Beziehung fand: Die Teilnehmer erkrankten umso seltener, je höher der pflanzliche Anteil an ihrer Nahrung war.

Der größte Teil der Schutzwirkung war darauf zurückzuführen, dass Menschen mit pflanzlicher Ernährung häufiger einen niedrigeren Body-Mass-Index (BMI) haben. Qian hat die Unterschiede bei seinen Berechnungen bereits berücksichtigt. Ohne die Herausnahme des BMI erkrankten die Vegetarier sogar zu 47 Prozent seltener an einem Typ-2-Diabetes (relatives Risiko 0,53; 0,49 bis 0,58).

Zu einem interessanten Ergebnis kamen kürzlich Keren Papier von der Oxford Univer­sität und Mitarbeiter bei einer Analyse der britischen EPIC-Daten. Im Raum Oxford hatten 45.314 Personen an der europaweiten Studie teilgenommen, von denen 1.224 im Verlauf von 17,6 Jahren am Typ-2-Diabetes erkrankt sind.

Papier ermittelt eine Hazard Ratio von 0,63 (0,54 bis 0,74) für Vegetarier, also ein um 37 Prozent vermindertes Erkrankungsrisiko. Nach der Berücksichtigung des BMI be­trug die Hazard Ratio nur noch nicht signifikante 0,89 (0,76 bis 1,95). Menschen mit geringem Fleischkonsum (Hazard Ratio 0,78; 0,66 bis 0,92) und Fischliebhaber (Ha­zard Ratio 0,64; 0,51 bis 0,80) hatten dagegen weiterhin ein niedrigeres Diabetes­risiko.

Auch die Erfahrungen aus Indien sollten Vegetarier vorsichtig machen. In dem Land mit den weltweit meisten Vegetariern ist mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der letz­ten Jahre auch der Bauchumfang gewachsen. Der „rice belly“ wird dafür verantwortlich gemacht, dass die Prävalenz des Typ-2-Diabetes in Indien ebenso hoch ist wie in den westlichen Ländern. Indien hat heute die weltweit meisten Menschen mit Typ-2-Diabe­tes. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Mittwoch, 24. Juli 2019, 20:53

Eiweißstoffwechselstörung

Wenn man davon ausgeht, dass vegetarische Mahlzeiten weniger Eiweiß enthalten, könnte der Grund für Diabetes II in einer eiweißlastigen Ernährung zu vermuten sein. Denn alles Eiweiß, das nicht für biologische Aufgaben benötigt wird, gelangt in den Energiekanal. Während bei der Verwertung von Kohlehydraten als Stoffwechselrückstand das (als klimaschädlich verleumdete) CO2 übrig bleibt, welches der Organismus über die Lunge rückstandsfrei ausscheidet, fallen bei der energetischen Verwertung von Eiweiß 16,6 Prozent (wahrscheinlich Gewichtsprozente) Stickstoff an. Bei einer Überlastung dieses Entsorgungsweges wäre eine Verunreinigung des Körpers mit stickstoffhältigen Schlacken denkbar. Von medizinischer Seite heißt es zwar immer, dass ein Körper kein Hochofen sei, aber es würde ja nicht das erste Mal sein, dass die Medizin auf einem Irrtum sitzt. Sich eiweißlastig zu ernähren, mag etwa so sein, als ob man sein Auto mit Benzin betanken würde, das Schmieröl enthält. Ein solcher Motor würde irgendwann einmal infolge einer im Auspuffkrümmer durch Ölkohleablagerungen entstandenen Stenose nur mehr einen Bruchteil seiner ursprünglichen Leistung bringen, seine Kolbenringe würden wegen Blockierung mit Ölkohle nicht mehr ihre Aufgabe erfüllen usw.
LNS

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