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Medizin

Projektionsneurone besonders anfällig für Schäden im Gehirn von Patienten mit Multipler Sklerose

Donnerstag, 25. Juli 2019

/ralwel, stock.adobe.com

Mannheim – Bestimmte Zellen im Gehirn – die „Projektionsneurone“ – spielen eine zentrale Rolle bei den Gehirnveränderungen, die mit der Multiplen Sklerose (MS) ein­hergehen. Das berichten Forscher der Medizinische Fakultät Mannheim der Universi­tät Heidelberg, der University of Cambridge und der University of California in San Francisco in der Zeitschrift Nature (doi 10.1038/s41586-019-1404-z).

Die möglichen Symptome einer MS sind breit gefächert. Dazu gehören Störungen des Sehvermögens, der Bewegung und der kognitiven Fähigkeiten. Frühere Forschungen haben gezeigt, dass der Cortex bei MS-Patienten mit der Zeit schrumpft, ein Prozess, der als kortikale Atrophie bezeichnet wird. Bislang war den Wissenschaftlern zufolge jedoch unklar, welche Mechanismen diese kortikale Schrumpfung auslösen.

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„Wir wollten verstehen, warum einige Zellen anfälliger für Schäden bei der MS sind als andere und setzten dafür eine neue Methode ein, das Single-Nuclei RNA-Sequencing. Wir können damit die genetische Ausstattung einzelner Gehirnzellen untersuchen“, er­läutert der Erstautor Lucas Schirmer, Oberarzt an der Neurologischen Klinik der Uni­versitätsmedizin Mannheim (UMM).

Dmitry Velmeshev und Arnold Kriegstein von der University of California in San Fran­cisco haben gemeinsam die Techniken entwickelt, mit denen der genetische Code in den einzelnen Gehirnzellen analysiert werden kann. Die Forscher nutzten für ihre Ar­beit Gehirnproben von verstorbenen MS-Patienten, um eine Vielzahl von verschiede­nen Zelltypen zu studieren, von denen vermutet wird, dass sie eine Rolle bei der MS spielen. Ihre an diesen Gehirnproben gewonnenen Ergebnisse verglichen sie mit de­nen von Menschen ohne MS.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die als Projektionsneuronen bezeichneten Nerven­zellen besonders anfällig für Schäden im Gehirn von MS-Patienten sind“, berichtet Schirmer. Projektionsneurone sind bei gesunden Menschen an der Informationsver­mittlung zwischen verschiedenen Bereichen des Gehirns beteiligt. Der Verlust dieser bestimmten Zelltypen erklärt laut den Forschern, warum das Gehirn von MS-Patienten mit der Zeit schrumpft.

Die Forscher konnten außerdem zeigen, dass Immunzellen im Gehirn von MS-Patien­ten auf Projektionsneuronen abzielten und die Zellen dabei stressten und schädigten. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass Therapien, die auf die Immunzellen abzielen, Projektionsneurone schützen und damit eine neuartige Behandlung für die progressive MS darstellen könnten“, erläuterte David Rowitch von der University of Cambridge. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #760811
krueppel66
am Samstag, 3. August 2019, 11:28

da GEHT NOCH MEHR::::::::::::::::::::::

Weiter so, die Zeit drängt um mit den heutigen Möglichkeiten ein Heilbar zu erarbeiten
LNS

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