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Zweite Ebolawelle im Kongo

Freitag, 26. Juli 2019

/dpa

Goma/Genf – Eine zweite Welle des Ebolavirus breitet sich in der Region Beni im Kongo aus. Mehr als die Hälfte der neuen Fälle sei in den vergangenen drei Wochen in der Ge­sundheitszone Beni aufgetreten, berichtete die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) heute in Genf. Beni war nach Beginn des Ausbruchs vor rund einem Jahr bereits mehrere Wochen lang stark betroffen gewesen.

Seit fast einem Jahr wütet Ebola im Osten des Kongos: Am 1. August 2018 hatte das Ge­sund­heits­mi­nis­terium im Kongo den Ebolaausbruch der WHO gemeldet. Im Juli waren bereits einige Fälle eines mit Blutungen einhergehenden Fiebers aufgetreten, ohne dass Mediziner sofort Ebola diagnostiziert hatten.

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Nach Angaben des Ge­sund­heits­mi­nis­teriums waren bis 23. Juli im Kongo insgesamt gut 2.600 Ebola-Fälle registriert worden. Mindestens 1.756 Menschen starben. Die WHO geht davon aus, dass möglicherweise ein Viertel aller Fälle gar nicht entdeckt werden. Die Ge­fahr einer weiteren Ausbreitung in die Nachbarländer ist groß. In Uganda wurden bereits drei Fälle bekannt. Sollte Ebola in das Krisenland Südsudan kommen, wäre es womöglich verheerend.

Noch hat dieser Ausbruch zwar nicht das Ausmaß der Epidemie in Westafrika vor fünf Jahren erreicht, bei der mehr als 11.000 Menschen starben. Doch diese Epidemie ist womöglich gefährlicher als jede zuvor. „Es ist noch kein Ende in Sicht“, sagt Markus Diemon von der Welthungerhilfe in Goma.

Ebola hätte kaum eine komplexere Region treffen können. Im Ost-Kongo herrschen seit Jahrzehnten Konflikte. Etliche Milizen kämpfen um die Kontrolle der Boden­schät­ze und terrorisieren die Bewohner sowie die Ebolahelfer. Immer wieder müssen die Bürger vor der Gewalt fliehen.

198 Angriffe auf Ebolahelfer

Zudem gab es seit Januar der WHO zufolge mindestens 198 Angriffe auf Ebolahelfer, wodurch mindestens sieben ums Leben kamen. Und die Epidemie ist bei weitem nicht das einzige Problem. „Die Ebolakrise ist nur eine Krise unter mehreren“, erklärte Mar­cus Bachmann, der von April bis Juni den Einsatz von Ärzte ohne Grenzen vor Ort lei­tete. Die Menschen haben neben der Gewalt und Flucht auch mit einem Masern­aus­­bruch und Malaria zu kämpfen. „Ebola ist die eine Krise zu viel, die das Ganze zum Kippen bringen könnte.“

Eigentlich herrschte zunächst vorsichtiger Optimismus, dass die Epidemie in den Griff zu bekommen ist. Der Kongo hat zuvor bereits neun Ebolaausbrüche bewältigt. Im Vergleich zu der Westafrikaepidemie gibt es inzwischen auch Medikamente, mit denen nach WHO-Angaben etwa 70 Prozent der Infizierten geheilt werden können. Ohne Medikamente sterben rund 70 Prozent der Kranken.

Noch bahnbrechender ist die Entwicklung eines experimentellen Impfstoffs. Das Mittel von der Firma Merck & Co hat nach einer Studie der WHO und des Nationalen For­schungs­instituts des Kongo (INRB) eine Wirksamkeit von mehr als 97 Prozent. Ent­scheidend ist, dass die Kranken und Angehörige möglichst früh gefunden und behan­delt werden. Genau das ist aber die große Herausforderung. „Wir glauben, dass wir wahrscheinlich gut 75 Prozent der Fälle entdecken“, sagte WHO-Nothilfekoordinator Michael Ryan. „Uns gehen aber vielleicht bis zu einem Viertel der Fälle durch die Lappen.“

Das liegt zu einem Teil an Unwissenheit. In einer Region, in der Malaria und Durchfall­erkrankungen weit verbreitet sind, sterben einige Menschen zuhause oder in normalen Kliniken, ohne dass ihre Familien sich bewusst sind, dass sie mit Ebola infiziert waren. So gebe es „ein sehr hohes Ansteckungsrisiko“, sagte Bachmann.

Es liegt aber auch an der Angst und dem Misstrauen der Menschen. Nach Jahren der Gewalt und Instabilität hat die Bevölkerung wenig Vertrauen in die Behörden und aus­ländische Helfer. Die Wege zur nächsten Ebolaklinik sind oft weit und die Bedrohung durch Milizen groß. Hinzu kommt, dass Gerüchte über Ebola die Runden machen, manche von ihnen absichtlich geschürt. Das Vertrauen der Bevölkerung ist aber extrem wichtig. „Damit steht und fällt der Erfolg, eine Ebolaepidemie unter Kontrolle zu bringen“, so Bachmann.

Um die Epidemie einzudämmen, muss mehr getan werden: Nach der ersten Fest­stell­ung eines Ebolafalls in der Millionenstadt Goma rief die WHO Mitte Juli eine „gesund­heitliche Notlage von internationaler Tragweite“ aus. Dies ist die höchst mögliche Alarmstufe bei einer ansteckenden Krankheit. Sie hat zwar keine klar definierten Kon­sequenzen, weil jede Notlage eigene Herausforderungen mit sich bringt, doch die WHO sieht darin einen Weckruf, damit die Weltgemeinschaft mehr tut, mit Spezialis­ten und mit Geld.

Viele Helfer fordern nun ein Umdenken. Es sei unterschätzt worden, wie wichtig die aktive Beteiligung der Bevölkerung ist, sagte Bachmann. Er spricht sich etwa für mehr kleinere Transitzentren aus, damit es für Menschen leichter ist, sich auf Ebola testen zu lassen. Die Welthungerhilfe fordert mehr Aufklärungsarbeit. Die Menschen müssten wissen, dass die Krankheit existiere und sie töten könne. © dpa/aerzteblatt.de

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