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Medizin

Mediterrane Kost vermeidet Gewichtszunahme und Diabetes in der Schwangerschaft

Donnerstag, 25. Juli 2019

/yuliiaholovchenko, stockadobecom

London – Eine mediterrane Diät hat in einer randomisierten Studie bei Schwangeren mit metabolischen Risikofaktoren die Gewichtszunahme begrenzt und die Häufigkeit eines Gestationsdiabetes gesenkt. Die tendenzielle Verminderung von mütterlichen und neonatalen Komplikationen verfehlte laut der Publikation in PLOS Medicine (2019; doi: 10.1371/journal.pmed.1002857) jedoch das Signifikanzniveau.

Eine von vier Frauen hat heute vor Beginn der Schwangerschaft metabolische Risiko­faktoren wie Adipositas, arterielle Hypertonie oder eine Hyperlipidämie, die sich wäh­rend der Schwangerschaft häufig verschärfen. Die Folge sind Gestationsdiabetes und Präeklampsie, die sich ungünstig auf die Startchancen des Kindes auswirken.

Die ESTEEM-Studie („Effect of Simple, Targeted Diet in Pregnant Women With Meta­bolic Risk Factors on Pregnancy Outcomes“) hat untersucht, ob eine Umstellung der Ernährung im Sinne einer mediterranen Kost diese Folgen vermindern kann.

Die Studie wurde an fünf Geburtskliniken im Innenstadtbereich von London und Bir­ming­­ham durchgeführt, wo die metabolischen Risikofaktoren vor allem bei Frauen asi­a­tischer oder afrikanischer Herkunft weit verbreitet sind. Frauen aus den beiden Ethni­en machten 60 Prozent der Studienteilnehmer aus. Zwei Drittel der Frauen waren adi­pös, etwa die Hälfte hatte erhöhte Triglyzeride und jede zwanzigste litt trotz ihres jun­gen Alters von im Mittel 31,4 Jahren an einer arteriellen Hypertonie.

Der Hälfte der 1.252 Teilnehmerinnen wurde im Rahmen der Schwangerschaftsvor­sorge dreimal (Schwangerschaftswochen 18, 20 und 28) eine individuelle Ernährungs­beratung angeboten. Dort wurden ihnen die Grundlagen der mediterranen Küche er­läutert und Rezeptempfehlungen gegeben, die den jeweilige kulturellen der Frauen berücksichtigten. Die Schwangeren wurden später noch zweimal telefonisch kontak­tiert, um sie zur Einhaltung der Diät zu ermuntern. Die andere Hälfte der Teilnehme­rinnen erhielt keine Ernährungstipps.

Kein rotes Fleisch

Die empfohlene Diät sah eine hohe Aufnahme von Nüssen, nativem Olivenöl, Obst, Gemüse, Vollkorngetreide und Hülsenfrüchten vor. Empfohlen wurde außerdem ein mäßiger bis hoher Fischkonsum bei einer Beschränkung von Geflügel und Milchpro­dukten.

Rotes Fleisch und Wurstwaren sollten nach Möglichkeit vermieden werden ebenso wie zuckerhaltige Getränke, Fast Food und fettreiche Lebensmittel. Um die Adhärenz zu verbessern, wurden den Schwangeren kostenlos Nüsse (30 Gramm/Tag Walnüsse, Haselnüsse oder Mandeln) sowie natives Olivenöl (0,5 Liter/Woche) kostenlos zur Verfügung gestellt.

Die Befragungen ergaben, dass viele Schwangere die Ernährungstipps angenommen hatten: 93 Prozent hatten das Olivenöl benutzt, 70 Prozent mehr als dreimal in der Wo­che Nüsse verzehrt und auch beim Fischkonsum und der Meidung von Fleisch, Butter und Sahne gab es signifikante Unterschiede zur Vergleichsgruppe.

Die mediterrane Diät hatte zur Folge, dass die Frauen in der weiteren Schwanger­schaft nur 6,8 kg zunahmen gegenüber einer Zunahme von 8,3 kg in der Kontroll­gruppe. Der Unterschied von 1,2 kg war nach dem Berechnungen des Teams um Shakila Thangaratinam von der Queen Mary University in London mit einem 95-Pro­zent-Konfidenzintervall von 0,2 bis 2,2 kg statistisch signifikant.

Die erhofften Auswirkungen auf die Gesundheit von Mutter und Kind in der Schwan­ger­­­­schaft blieben jedoch hinter den Erwartungen zurück. Die primären Endpunkte waren die Häufigkeit von Schwangerschaftskomplikationen bei den Müttern (Compo­site aus Präeklampsie oder Schwangerschaftsdiabetes) und die neonatalen Risiken (Composite aus Totgeburt, Mangelgeburt „small for gestational age“ oder eine Auf­nahme auf die Neugeborenen-Intensivstation).

Der mütterliche primäre Endpunkt trat in der Diätgruppe bei 22,8 Prozent der Frauen auf gegenüber 28,6 Prozent in der Vergleichsgruppe. Dies deutet auf einen Vorteil der Diät hin, doch die adjustierte Odds Ratio von 0,76 verfehlte mit einem 95-Prozent-Kon­fidenzintervall von 0,58 bis 1,08 das Signifikanzniveau, wie Thangaratinam mitteilt.

Bei einer der beiden Komponenten, dem Gestationsdiabetes, kam es jedoch zu einer signifikanten Verbesserung. „Nur“ 17,6 Prozent der Frauen statt 24,9 Prozent in der Kontrollgruppe entwickelten einen Gestationsdiabetes. Thangaratinam ermittelt eine adjustierte Odds Ratio von 0,65, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,47 bis 0,91 signifikant war. In der anderen Komponente kam es dagegen zu einer tenden­ziellen (nicht signifikanten) Verschlechterung: 6,2 Prozent der Schwangeren aus der Diätgruppe entwickelten eine Präeklampsie gegenüber 4,6 in der Vergleichsgruppe (adjustierte Odds Ratio 1,43; 0,84-2,43).

Auch im zweiten primären Endpunkt kam es nur zu tendenziellen Verbesserungen. Die Zahl der Mangelgeburten ging von 12,2 auf 9,8 Prozent zurück, die Zahl der Tot­geburten sank von 0,4 auf 0,2 Prozent, und es mussten mit 9,2 Prozent versus 11,3 Prozent weniger Kinder auf einer Intensivstation behandelt werden. Im Composite ergab dies neonatale Komplikationen bei 22,8 Prozent der Kinder gegenüber 28,6 Prozent in der Vergleichsgruppe. Die adjustierte Odds Ratio (0,79, 0,58 bis 1,08) verfehlte das Signifikanzniveau.

Die gemeinsame Auswertung mit einer weiteren Studie (St. Carlos-Studie, PLoS ONE 2017; 12: e0185873) auf der Basis von 2.012 Schwangeren bestätigte die präventive Wirkung auf den Schwangerschaftsdiabetes (Odds Ratio 0,67; 0,53 bis 0,84). Ein Vorteil bei den anderen Komponenten konnte jedoch auch in der Meta-Analyse nicht gezeigt werden.

© rme/aerzteblatt.de

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