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Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen nehmen zu

Donnerstag, 25. Juli 2019

/Africa Studio, stockadobecom

Berlin – Die Zahl der Krankheitstage aufgrund psychischer Probleme hat nach Ein­schätzung der DAK-Gesundheit stark zugenommen. In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Zahl der Fehltage von Arbeitnehmer aus diesem Grund mehr als verdrei­facht, wie aus dem heute veröffentlichten DAK-Psychoreport 2019 hervorgeht. Allein im vergangenen Jahr waren davon 2,2 Millionen Menschen betroffen.

Der DAK-Psychoreport ist nach eigenen Angaben eine Langzeitanalyse, für die das IGES Institut die anonymisierten Daten von rund 2,5 Millionen erwerbstätigen Versi­cherten ausgewertet hat. Demnach erreichten die Krankschreibungen von Arbeitneh­mern aufgrund von psychischen Leiden im Jahr 2017 mit 250 Fehltagen pro 100 Ver­sicherte einen Höchststand. 2018 gingen sie erstmals leicht um 5,6 Prozent auf 236 Fehltage pro 100 Versicherte zurück. Psychische Störungen lagen damit im vergange­nen Jahr bundesweit auf dem dritten Platz der Krankheitsarten.

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Am häufigsten fehlen Arbeitnehmer mit der Diagnose Depression. 2018 gingen dem­nach 93 Fehltage je 100 Versicherte auf das Konto von Depressionen, bei den An­passungs­störungen waren es 51. Auf Platz drei rangierten neurotische Störungen mit 23 Fehltagen je 100 Versicherte. Angststörungen kommen auf 16 Fehltage.

Dagegen verlor laut der Studie die Zusatzdiagnose Burnout im Krankheitsgeschehen seit 2012 deutlich an Bedeutung. So halbierte sich die Anzahl der Fehltage in den ver­gangenen sechs Jahren nahezu. Frauen waren 2018 knapp doppelt so oft wegen psy­c­hischer Probleme krankgeschrieben wie ihre männlichen Kollegen (298 Fehltage je 100 Versicherte gegenüber 183 Fehltagen bei Männern).

Unterschiede nach Regionen

Bei den Fehltagen durch psychische Erkrankungen gibt es laut der Studie deutliche regionale Unterschiede: Während im Saarland im vergangenen Jahr 312 Fehltage je 100 Versicherte mit den entsprechenden Diagnosen begründet wurden, waren es in Bayern lediglich 193. Auch die Baden-Württemberger blieben mit 214 Fehltagen je 100 Versicherte vergleichsweise selten wegen psychischer Probleme der Arbeit fern.

Bremen und Berlin belegen mit 218 und 279 Fehltagen je 100 Versicherte die Plätze zwei und drei der Statistik. Die ostdeutschen Bundesländer bewegen sich bei den Ausfalltagen aufgrund von psychischen Erkrankungen im Mittelfeld.

Zur Aussagekraft der Daten gibt es verschiedene Bewertungen. „Vor allem beim Arzt-Patienten-Gespräch sind psychische Probleme heutzutage kein Tabu mehr“, sagte der DAK-Vorstandschef Andreas Storm. Deshalb werde auch bei Krankschreibungen offener damit umgegangen.

Diese Einschätzung wird von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psycho­therapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) geteilt. Unumstritten sei, dass die Enttabuisierung psychischer Erkrankungen einen wesentlichen Anteil am Anstieg der Krankmeldungen habe, sagte eine DGPPN-Sprecherin. „Dass heutzutage offen über psychische Erkrankungen gesprochen werden kann, ist aus Sicht der DGPPN sehr zu begrüßen.“ Der Verband fordert allerdings mehr Früherkennung und Prävention, denn die meisten psychischen Erkrankungen manifestierten sich bereits in den ersten Lebensjahrzehnten.

Dass es nur daran liegt, dass die Leute heute psychische Probleme eher zugeben, glaubt Jutta Krellmann, die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linksfraktion, nicht. Ihrer Ansicht nach ist das Berufsleben stressiger geworden. „Viele Beschäftigte können ein trauriges Lied davon singen. Das darf nicht heruntergespielt werden“, sagte sie. Krellmann forderte eine Anti-Stress-Verordnung und entsprechende Arbeitsschutzkontrollen in den Unternehmen.

So eine Verordnung fordert auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB). Vorstands­mitglied Annelie Buntenbach sagte: „Der Gesetzgeber muss endlich handeln und darf nicht weiter tatenlos zuzusehen, wie Millionen Beschäftigte durch schlechte Arbeitsbe­din­gungen einem Gesundheitsrisiko ausgesetzt sind.“

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Bundestag, Maria Klein-Schmeink, betonte, es müssten Rahmenbedingungen geschaffen werden, die eine gesunde Lebensweise und Zeiten des Miteinanders ermöglichten und Arbeitsprozesse entschleunigten. Hier seien besonders die Arbeitgeber gefragt. Nicht hinnehmbar sei­en außerdem Wartezeiten von mehr als drei Monaten für ein Erstgespräch beim Psy­chotherapeuten und fehlende Anlaufstellen bei akuten Krisen. © dpa/kna/may/aerzteblatt.de

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