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Medizin

Immunsystem reguliert Fettaufnahme durch Mikrobiom bei Mäusen

Dienstag, 30. Juli 2019

Darmzotten mit verschiedenen Mikroben. /Alex, stock.adobe.com
Die individuelle Zusammensetzung des Mikrobioms könnte unter anderem zu Typ-2 Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Übergewicht. /Alex, stock.adobe.com

Stadt – Das Immunsystem beeinflusst möglicherweise Mikroben im Darm, die vor Übergewicht schützen, indem sie die Aufnahme von Fetten regulieren. Das berichten US-amerikanische Forscher um Charisse Petersen in einer Studie mit Mäusen, die in Science erschienen ist (2019; doi: 10.1126/science.aat9351).

Untersucht wurden junge Mäuse, deren T-Zellen aufgrund eines Defekts im Myd88-Signalweg nicht korrekt arbeiten (T-Myd88-/-). Als diese Knockout-Mäuse alterten, entwickelten sie eine Fettleibigkeit und Insulinresistenz, obwohl sie wie auch die Kontrollmäuse normal ernährt wurden.

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In ihren Tierexperimenten zeigte sich, dass insbesondere der Verlust von Clostridien und die Zunahme von Desulfovibrio-Bakterien dazu führt, dass die Tiere Gewicht zulegten. „Diese Bakterien scheinen die Aufnahme von Nahrungsfetten über das Darmepithel zu regulieren“, erklärt André Gessner, Leiter des Instituts für Mikrobiologie und Hygiene an der Universität Regensburg.

Der Ablauf könnte direkt durch das Immunsystem gesteuert werden, vermuten die Forscher. Es sorgt dafür, dass IgA in den Darm entlassen werden und dort schädliche Bakterien erkennen und eindämmen. Dadurch können sich die nützlichen Bakterien, wie zum Beispiel Vertreter aus der Familie der Clostridien, vermehren. Einige Clostridien sorgen dafür, dass die Darmzellen nicht übermäßig viele Fette aufnehmen und kontrollieren damit den gesunden Stoffwechsel des Menschen.

Wie Darmbakterien Fettleibigkeit beeinflussen ist bisher nur lückenhaft erforscht. Bekannt war bereits, dass ein Mangel an bestimmten Bakterien – Clostridien – und ein Überschuss an Desulfovibrio zu Übergewicht führen können, erklärt Vanessa Stadlbauer-Köllner, Fachärztin für Innere Medizin an der Medizinischen Universität Graz. „Neu ist, dass ein Defekt im Immunsystem, der zu einer Verminderung an Immunglobulin A im Darm führt, die Mikrobiomveränderungen auslöst, die dann zu Fettleibigkeit führen, indem der Fettstoffwechsel in den Darmzellen gestört wird.“

Konsequenzen für den Menschen noch ungewiss

Bisher bleibt unklar, ob sich die Erkenntnisse auf den Menschen anwenden lassen. Bei Personen mit einem geschwächten Immunsystem, die weniger Antikörper in den Darm ausschütten können, vermehren sich die schädlichen Bakterien unter Umständen stärker. Zudem könnten Clostridien mit positiver Wirkung verdrängt und die Fettaufnahme in den Körper verstärkt werden. Das könnte Menschen betreffen, die aufgrund einer Erbkrankheit ein defektes Immunsystem haben oder jene, deren Immunsystem aufgrund bereits bestehenden Übergewichts geschwächt ist.

In einem parallel veröffentlichten Ausblick diskutieren 2 Wissenschaftler aus Texas mögliche therapeutische Ansätze, die sich aus den Ergebnissen für die klinische Anwendung ergeben. Um die erhöhte Fettaufnahme übergewichtiger Patienten zu senken, schlagen sie eine Fäkaltransplantation mit dem Stuhl gesunder Patienten oder die gezielte Gabe von vorteilhaften Clostridien vor.

Stadlbauer-Köllner bezweifelt den Nutzen der Stuhltransplantation: „Erstens haben die bisherigen Studien zu Stuhltransplantation bei Stoffwechselerkrankungen sehr gemischte Ergebnisse gezeigt und wenn ein positiver Effekt auf den Stoffwechsel erzielt werden konnte, dann war dieser moderat und nur von kurzer Dauer.“ © gie/aerzteblatt.de

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