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Klimaanlagen in Krankenzimmern „eher selten“

Freitag, 26. Juli 2019

/dpa

Düsseldorf – In Nordrhein-Westfalen (NRW) und Niedersachsen wurden gestern beson­ders hohe Temperaturen um die 40 Grad Celsius gemessen. Doch Klimaanlagen in Patien­tenzimmern der Krankenhäuser sind rar, wie die Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen (KGNW) mitteilte.

„Sicherlich wäre eine Klimatechnik in den Patientenzimmern wünschenswert, die die Wärme in den Räumen reduziert“, sagt ein KGNW-Sprecherin. Das würde die Patienten sicherlich entlasten. Doch Klimaanlagen seien in den Patientenzimmern „eher selten“, sagte sie. Klimatisiert würden meist nur Funktionsbereiche wie etwa der Operationssaal oder die Notaufnahme.

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Das liegt der Sprecherin zufolge auch am fehlenden Geld: Die NRW-Krankenhäuser bekla­gen seit Jahren einen erheblichen Investitionsstau, der sich auch an der Bausubstanz nie­derschlage. 630 Millionen Euro zahle das Land 2019 plus je 100 Millionen Euro von Land und Bund für weitere Maßnahmen, erklärt die Krankenhausgesellschaft. Der Bedarf der NRW-Häuser liege aber bei rund 1,5 Milliarden Euro jährlich. Der Investitionsstau werde von Jahr zu Jahr größer.

„Wenn der Geschäftsführer die Wahl hat zwischen einer dringend notwendigen Renovie­rung oder der Erneuerung der völlig veralteten Computer im Haus und einer Klimaanlage fällt die Kühlung hinten runter“, hatte kürzlich ein KGNW-Sprecher betont.

Herzinfarktrisiko für Diabetiker steigt

Hinzu kämen technische Anforderungen: Klimaanlagen dürften die Patienten nicht mit Zugluft oder lauten Geräuschen belästigen. Aus hygienischen Gründen gebe es sehr hohe Anforderungen etwa zur konsequenten Wartung. Sie seien deshalb mit den weit verbrei­te­­ten Anlagen in Büros oder Hotels nicht zu vergleichen – also wesentlich teurer.

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) wies darauf hin, dass die hohen Temperaturen dazu führen, dass durch den Flüssigkeitsverlust und die körperliche Belastung der Blut­druck steigt. Das wiederum erhöhe einer Studie der Fachzeitschrift PLoS Medicine zufol­ge das Herzinfarktrisiko insbesondere bei Menschen mit Diabetes.

Die Studie aus Hongkong zeige, dass insbesondere bei hohen Temperaturen das Herzin­farktrisiko bei Diabetespatienten größer sei als bei Menschen ohne Diabetes, sagte DDG-Sprecher Baptist Gallwitz. Akute Myokardinfarkte seien „die häufigste Todesursache bei Diabetespatienten. Daher ist diese Studie alarmierend und höchst relevant“.

Der DDG zufolge nehmen viele Patienten mit Diabetes Typ 2 aufgrund eines erhöhten Blutdrucks blutdrucksenkende Medikamente oder Entwässerungstabletten. „Hier sollte der behandelnde Arzt die Dosis unbedingt an den vorübergehend veränderten Bedarf an­passen“, sagte Thomas Haak, Chefarzt vom Diabetes Zentrum Mergentheim.

Er rät dazu, die jeweilige Dosierung zu verringern, da sonst der Blutdruck weiter gefähr­lich absinken und der Flüssigkeitsverlust dramatisch ansteigen kann. Beides erhöhe die Gefahr für einen Herzkreislauf-Notfall. Außerdem sei die Insulingabe genau zu überwa­chen.

Durch den geringeren Appetit bei Hitze reduziere sich in der Regel die Kohlenhydratauf­nahme und die Unterzuckerungsgefahr steige an. Menschen mit Typ-2-Diabetes sollten daher ihre Zuckerwerte regelmäßig überprüfen und die Tablettendosis gegebenenfalls reduzieren. „Es ist empfehlenswert in der heißen Zeit mindestens zweimal täglich den Blutdruck und mindestens dreimal täglich den Glukosewert zu überprüfen“, rät Haak.

© dpa/afp/may/aerzteblatt.de

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Avatar #774944
asdf
am Montag, 29. Juli 2019, 22:28

Sehe ich eher kritisch

Ist es nicht etwa so, dass Klimaanlagen auch Keime über die Luft verteilen können?

Wie will man das verhindern?
LNS

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