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Ausland

Weltweit fehlt Hilfe bei der Tabakentwöhnung

Montag, 29. Juli 2019

/Nopphon, stockadobecom

Genf – Der Nichtraucherschutz wächst zwar weltweit und Rauchen wird in den meisten Ländern immer teurer und schwerer gemacht – aber bei Hilfen zur Entwöhnung hapert es noch. Zu diesem Schluss kommt die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) in ihrem neuen Welt-Tabak-Bericht. Sie stellte ihn kürzlich in Rio de Janeiro vor, weil Brasilien nach der Türkei erst das zweite Land der Welt ist, dass alle von der WHO empfohlenen Maßnahmen zum Eindämmen des Tabakkonsums voll umgesetzt hat.

Bei Deutschland bemängelt die WHO, dass es immer noch zu wenig strikte Vorgaben für rauchfreie öffentliche Räume gebe. Bei der Unterstützung von Rauchern, die die Nikotin­sucht loswerden wollen, sieht sie auch Nachholbedarf. Werbeverbote sollten verschärft und die Steuern erhöht werden.

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Zahl der Raucher wegen der Bevölkerungsentwicklung konstant  

„Mit dem Rauchen aufzuhören ist eines der besten Dinge, die man für seine eigene Ge­sundheit tun kann“, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Zwar sinkt der Anteil der Raucher an der Gesamtbevölkerung. Durch das Bevölkerungswachstum bleibt ihre Zahl aber bei rund 1,1 Milliarden konstant. 80 Prozent von ihnen leben in Ländern mit niedrigem bis mittleren Einkommen.

Jedes Jahr sterben nach Angaben der WHO acht Millionen Menschen durch Tabakkonsum. Der Wirtschaft gingen durch Gesundheitskosten und Arbeitsausfälle 1,4 Billionen Dollar (1,3 Billionen Euro) im Jahr verloren. Aus den Statistiken der Europaregion geht hervor, dass in Georgien fast 57 Prozent der Männer rauchen (2016), in Deutschland 29 Prozent (2013) und in Island 15,3 Prozent (2015). Die WHO warnt vor Zigarettenersatz wie E-Ziga­retten und Produkten, bei denen Tabak erhitzt statt verbrannt wird. Alle seien gesund­heitsschädlich.

Mehr als sechs von zehn Erdenbewohnern leben heute in Ländern, die wenigsten eine Maßnahme gegen den Tabakkonsum ergriffen haben, schreibt die WHO. Das sind viermal so viele wie 2007. Knapp die Hälfte der Menschen lebt in Ländern, die Ekelbilder etwa von Geschwüren, die durch Tabak verursacht wurden, auf Packungen haben.

Nur 2,4 Milliarden Menschen leben aber in Ländern, die Menschen unterstützen, die mit dem Tabakkonsum aufhören wollen, wie die WHO schreibt. Die Organisation empfiehlt zum Beispiel Hotlines für telefonische Sofortberatung oder entsprechende Online- oder Handy-Dienste. Hausärzte sollen Raucher ansprechen und auf Hilfen beim Aufhören hinweisen. Nikotinersatztherapien sollen finanziell gefördert werden.

In ihrem Bericht ruft die WHO auch zur einer Regulierung von E-Zigaretten auf. Elektro­ni­sche Nikotinabgabesysteme (ENDS) seien „unzweifelhaft schädlich und sollten daher Vorschriften unterliegen“, erklärte die Organisation.

WHO ruft zur Regulierung von E-Zigaretten auf

Der Rauch von E-Zigaretten enthält zwar in der Regel deutlich weniger Schadstoffe als der normaler Zigaretten. Die batteriebetriebenen Geräte, bei denen mit Nikotin versehene Flüssigkeiten verdampft werden, bergen laut WHO dennoch Gesundheitsrisiken für die Konsumenten. E-Zigaretten enthalten demnach neben Nikotin auch metallhaltige Schwe­be­stoffe. Diese seien „bekannt“ dafür, Herz und Lungen zu schädigen, sagte WHO-Tabak­experte Vinayak Prasad.

Wie Prasad sagte, werden derzeit die langfristigen Folgen von E-Zigaretten untersucht. So werde etwa geprüft, ob sie auch Krebs verursachten. „Aber das ist noch nicht sehr gut erforscht“, sagte der WHO-Experte.

Agressive Werbung für E-Zigaretten 

Die großen Tabakkonzerne haben E-Zigaretten in den vergangenen Jahren auf der Suche nach neuen Kunden aggressiv beworben. Demnach sind solche Produkte deutlich weni­ger gefährlich als traditionelle Zigaretten und können Rauchern dabei helfen, komplett auf „sicherere“ Alternativen umzusteigen.

Der WHO-Bericht vermerkt dazu jedoch, dass „die Mehrheit der Nutzer von E-Zigaretten gleichzeitig E-Zigaretten und Zigaretten benutzen“. Daraus ergebe sich „wenig bis gar keine Auswirkung auf Gesundheitsrisiken“.

Der Konsum von E-Zigaretten wird bereits immer mehr eingeschränkt. San Francisco hat Ende Juni die Herstellung und den Verkauf solcher Produkte verboten. China, wo fast ein Drittel aller Tabakraucher lebt, plant ebenfalls die Regulierung. Bundeslandwirt­schafts­ministerin Julia Klöckner (CDU) strebt ein Tabakwerbeverbot an, das auch E-Zigaretten miteinbezieht. © dpa/afp/aerzteblatt.de

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Avatar #782834
Sofia75
am Donnerstag, 1. August 2019, 16:50

Deutschland hinkt hinterher

Interessanter Artikel, danke dafür!
Ich denke, dass von einigen "Maßnahmen" mehr erwartet wird, als dass sie tatsächlichen Nutzen versprechen. Ein stetiger Anstieg der Kosten von Zigaretten, Alkohol und Co. macht es dem Süchtigen zwar schwerer, an seine geliebte Substanz zu kommen, ein wirkliches Hindernis stellt das aber nicht dar. Ist die Sucht stark genug (und das ist beim stark sucht erregenden Nikotin so gut wie immer der Fall), wird immer ein Weg gefunden, das Geld für das "Genussmittel" aufzutreiben.

Ich kann es einfach nicht verstehen, dass es in Deutschland keine vernünftige Unterstützung zur Raucherentwöhnung gibt. Klar: Sollten bestimmte Erkrankungen dank der Raucherei auftreten, wird einem mit Behandlungen und Medikamenten unter die Arme gegriffen und alles darangesetzt, das Leiden zu vermindern. Doch warum greift der Staat erst dann ein, wenn der Raucher schon erkrankt ist? Meiner Meinung nach sollten Gelder vielmehr in Aufklärung und Prävention gesteckt werden. Ich denke auch, dass Nikotinersatzprodukte wie Nikotinpflaster und -kaugummis finanziell gefördert werden sollen. Das würde nämlich viele aufhörwillige Raucher ungemein motivieren beziehungsweise einen Anreiz schaffen, es überhaupt zu versuchen. Es bringt vielmehr, den Rauchern auf diese Art und Weise entgegenzukommen, als mit Werbeverboten und Schockbildern.

Ich selbst habe mehr als 10 Jahre lang geraucht und verstehe nur zu gut die Problematik des Aufhörens. Erste ernsthafte Versuche, mit dem Rauchen aufzuhören, habe ich erst unternommen, als meine Gesundheit mich förmlich dazu gezwungen hatte. Erst dann war ich bereit, Geld in ein Online-Kurs zu investieren. Ehrlich gesagt, hat mir diese Investition sehr wehgetan, da es eine Investition ins Ungewisse war. Doch im Gegensatz zu den "Unterstützungsmaßnahmen" vom Staat hat mich das tatsächlich zu einem Nichtraucher gemacht.
Während der Raucherzeit habe ich auch E-Zigaretten versucht und des Öfteren halbherzig versucht, aufzuhören. Wie sie in Ihrem Artikel schon erwähnt haben: Sie sind zwar weniger schädlich, doch bergen sie dennoch eine große Gefahr. gut. Auf lange Sicht sind sie also nicht zu empfehlen, eher als Übergangshilfsmittel. Der Hype um die E-Zigarette ist meiner Ansicht nach eher gefährlich als nützlich. Es impliziert, dass das Rauchen mit E-Zigaretten schon okay ist und man sich keine Gedanken mehr machen muss, aufzuhören.

Ich hoffe, dass sich das Thema "Tabakentwöhnung" in eine bessere Richtung entwickeln wird, als dass es momentan der Fall ist und dass es künftig immer weniger Raucher gibt.
Avatar #79783
Practicus
am Dienstag, 30. Juli 2019, 15:42

Eigentlich

wäre neben dem Tabakwerbeverbot jetzt endlich mal eine einschränkung der Alkoholwerbung dran. Schließlich ist der gemeinsame Konsum von Alkohol UND Tabak der "Booster" für das Tumorrisiko, das bei der Kombination beider Risiken überproportional ansteigt. Für Alkohol wird beim Sport geworben, selbst bei Autorennen (!), nicht einmal Warnhinweise sind vorgesehen trotz 200 vorzeitigen Todesfällen PRO TAG! - man vergleiche den Aktionismus bei 40 toten Radfahrern PRO JAHR unter abbiegenden Lkw oder Todesfällen durch Luftverschmtzung!
Avatar #781928
maxbarrett
am Montag, 29. Juli 2019, 19:20

Erneute Irreführung, Vermengungen unterschiedlicher Entitäten und Propaganda

Klar, wenn der Absatz an nikotinhaltigen Kaugummis und Pflaster sinkt, muss mal wieder die ominöse und in der Begrifflichkeit uneindeutige "E-Zigarette" herhalten. Die Verstrickung einzelner Funktionäre mit der Pharmaindustrie ist zudem bekannt ("WHO Am Tropf der Geldgeber", lief auf ARTE, ist hier abrufbar: https://www.youtube.com/watch?v=4zDQqFci1bU&list=PLlIK21DjFWi1VbjX-ZqL4E_EdGGTnBZCk&index=8&t=1830s)

Bekannt ist ebenso, dass sehr viele US-Staaten am Konsum von Tabak interessiert sind
Dieser Satz ist interessant:
"Die großen Tabakkonzerne haben E-Zigaretten in den vergangenen Jahren auf der Suche nach neuen Kunden aggressiv beworben. Demnach sind solche Produkte deutlich weni­ger gefährlich als traditionelle Zigaretten und können Rauchern dabei helfen, komplett auf „sicherere“ Alternativen umzusteigen."

Damit sind JUUL (gehört Altria) und IQOS (Philip Morris International = Altria) gemeint. Geschlossene Pod-Systeme (JUUL) und Tabakerhitzer (IQOS) gemeint, die nichts mit dem klassischen Vapen von Eliquids gemein haben.
Fakt ist dennoch, dass Rauchern durch diese Produkte der Ausstieg ermöglicht wird.
Fakt ist ebenso, dass einige US-amerikanische Staaten - und es handelt sich dabei um die wirtschaftlich relevanten, u.a. Kalifornien - mit dem Master Settlement Agreement (MSA, 1998) kein Interesse am Niedergang des Tabakkonsums und der Zunahme des Nutzung von E-Zigaretten und Dampfgeräten haben, da ihnen dadurch eine relevante Einnahmequelle wegbricht. In 3 Minuten 50 hier zusammengefasst: https://www.youtube.com/watch?v=oxNM1pUoOn4

Das böse Nikotin und die ominösen Schwermetalle dürfen in der PM der WHO natürlich nicht fehlen. Die "Gateway-Theory", gemäß dieser Kinder durch die Nutzung von JUUL etc. zu Rauchern "erzogen" werden, fehlt jedoch interessanterweise. Es existiert hierfür auch keine Evidenz, die entsprechende US-Studie ist statistisch nicht reliabel. Dahingegen ist diese Studie von Prof Dr. Riccardo Polosa durchaus reliabel und valide: "Health impact of E-cigarettes: a prospective 3.5-year study of regular daily users who have never smoked" -> https://www.nature.com/articles/s41598-017-14043-2

Insofern Frau Klöckner ein Verbot von Tabakwerbung anstrebt, so hat sie damit völlig recht. Was sogenannten "E-Zigaretten" mit Tabak gemein haben entzieht sich hingegen meinem Verständnis.
VAPING IS NOT SMOKING.
LNS

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