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Medizin

Traumatologie: Kann ein Vena-Cava-Filter Lungenembolien verhindern?

Dienstag, 30. Juli 2019

/Kateryna_Kon, stock.adobe.com

Perth – Die routinemäßige Implantation eines Vena-Cava-Filters bei schwerstverletzten Erwachsenen, bei denen zunächst keine medikamentöse Thromboseprophylaxe möglich war, hat in einer randomisierten klinischen Studie im New England Journal of Medicine (2019; 381: 328-337) die Häufigkeit von schweren Lungenembolien nicht gesenkt. Bei Patienten, die absehbar auch nach sieben Tagen keine Antikoagulanzien erhalten konnten, wurden jedoch mehrere Emboli abgefangen.

Patienten, die nach einem Polytrauma über längere Zeit immobilisiert sind, erhalten in der Regel eine medikamentöse Thromboseprophylaxe, weil das Risiko, dass sich in den Bein- und Beckenvenen Gerinnsel bilden, hoch ist. Vor allem nach Kopfverletzungen bestehen jedoch Kontraindikationen zum Einsatz von Antikoagulanzien, da sie eine tödliche Hirnblutung auslösen können.

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Dies hat dazu geführt, dass an vielen Zentren prophylaktisch Vena-Cava-Filter implantiert werden, was über einen Zugang an der Leiste möglich ist. Die Implantation ist jedoch nicht ohne Risiken, und der Nutzen nicht sicher belegt. Kwok Ho vom Royal Perth Hospital und Mitarbeiter in zwei weiteren Zentren in Australien haben deshalb in einer klinischen Studie 240 Polytraumatisierte auf die Implantation eines Vena-Cava-Filters und eine Kontroll­gruppe randomisiert. Es handelte sich um Erwachsene im Alter von median 39 Jahren mit einem Injury Severity Score (ISS) von median 27. Der ISS bewertet den Schweregrad auf einer Skala von 0 bis 75 Punkten, wobei höhere Werte auf eine schwerere Verletzung hinweisen.

Der primäre Endpunkt war zusammengesetzt aus einer symptomatischen Lungenembolie oder dem Tod innerhalb von 90 Tagen. Er trat, wie Ho berichtet, in beiden Gruppen gleich häufig auf (jeweils 17 Patienten). In der Gesamtgruppe der Patienten hat der Filter demnach keinen Vorteil erzielt und die Bewertung durch Ho fällt insgesamt negativ aus.

Anders war die Situation bei Patienten, die bis zum siebten Tag überlebten und auch danach keine Antikoagulanzien erhalten durften. Hier kam es später (bis zum 90. Tag) bei keinem der 46 Patienten (0 Prozent) mit Vena-cava-Filter zu einer symptomatischen Lungenembolie gegenüber fünf von 34 Patienten (14,7 Prozent) in der Kontrollgruppe. Diese Untergruppe von Patienten könnte deshalb von der Implantation eines Vena-Cava-Filters profitieren. Es ist allerdings häufig nicht vorhersehbar, welche Patienten in diese Gruppe fallen.

Gegen die unkritische Implantation von Vena-cava-Filtern sprechen (neben Kostenfragen) auch die möglichen Komplikationen, zu denen es bei der Entfernung des Vena-Cava-Filters kommen kann. In der Studie gelang dies bei sieben Patienten nicht im ersten Versuch. Bei drei Patienten kam es zum Abknicken des Filters, der die Bergung komplizierte, die aber schließlich doch gelang. Ein Filter musste durch eine Operation entfernt werden. © rme/aerzteblatt.de

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