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Unternehmensberatung sieht Vorteile bei Übernahme von Arztpraxen durch Investoren

Montag, 29. Juli 2019

/dpa

Frankfurt am Main – Investitionsgesellschaften haben es auf den deutschen Gesund­heits­­­markt abgesehen. Sie kaufen mittlerweile auch kleinere Arztpraxen auf. Für die Pa­tienten müsse das keine schlechte Nachricht sein, sagte der Experte für den Gesundheits­markt bei der Unternehmensberatung EY, Christian Egle. Die Ärzteschaft warnt vor der Entwicklung.

Laut einer Untersuchung des Instituts Arbeit und Technik gab es zwischen 2013 und 2018 im Gesundheitssektor rund 130 Übernahmen von Unternehmen – die Mehrheit allein in den vergangenen beiden Jahren. Die Käufer kamen häufig aus dem europäischen Ausland oder den USA.

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„Der Gesundheitsmarkt ist für private Investoren sehr attraktiv, weil er weitgehend kon­junkturunabhängig funktioniert“, sagte Egle, der seit mehr als 17 Jahren medizinische Ein­­richtungen, Krankenversicherer und auch Investoren berät. Im Fokus der privaten Investoren stehen Egle zufolge Einrichtungen wie vor allem Zahnarztpraxen, Radiologien und Augenheilkunde, aber auch Pflegeheime.

In diesen Bereichen gebe es viele kleinere Praxen und Unternehmen, die Investoren nach­­­­­­­­einander übernehmen und zu größeren Verbünden zusammenschließen. Dabei zie­len sie vor allem auf Einsparungen in der Verwaltung und beim Einkauf von Materia­lien ab. „Einsparungen von 15 Prozent durch Skaleneffekte und optimierte Abläufe sind durch­aus möglich – davon träumen andere Wirtschaftsbereiche“, sagt Egle. Deshalb würden die Übernahmen in den nächsten Jahren aller Voraussicht nach weiter zunehmen.

Gut sei, dass die neuen Eigentümer in den erworbenen Praxen einheitlich hohe Qualitäts­­maßstäbe setzten und viel in neue Gebäude und Digitalisierung investierten. „Das kommt den Patienten zugute“, so Egle. Etwa, wenn sie ihre Termine beispielsweise per App buch­ten und verwalten könnten oder die Abläufe in neuen Gebäuden besser funktionierten. Auch Ärzte fänden in größeren Einheiten bessere Ausbildungsmöglichkeiten.

„Auf der anderen Seite konnten wir in Einzelfällen beobachten, dass der Kostendruck zu­nimmt“, sagt Egle. Dadurch könne es zu personellen Unterbesetzungen kommen. An der medizinischen Qualität werde aber „in der Regel“ nicht gespart, denn gerade Radiologie, Zahn- und Augenheilkunde seien Felder für Spezialisten. Hinzu komme, dass die Inves­to­ren meist für die Besonderheiten des streng regulierten deutschen Gesundheitsmarkts sensibilisiert seien – zum Beispiel beim Thema Datenschutz.

Die aktuelle Politik von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) bremst die Invest­oren aus Sicht von Egle nicht aus. Neue Gesetze wie das beschlossene Pflegestärkungs­gesetz oder das geplante Digitale-Versorgungsgesetz brächten Bewegung in den Markt, sagte Egle. Das sei „für alle Beteiligten von Vorteil“.

Ärzteverbände haben in den vergangenen Monaten immer wieder auf das Problem von ökonomisch motivierten Übernahmen durch Kapitalinvestoren hingewiesen, insbeson­dere bei den Medizinischen Versorgungszentren. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hatte deswegen die Pläne der Politik begrüßt, im Rahmen des Terminservice- und Versor­gungsgesetzes (TSVG) die Möglichkeiten zur MVZ-Übernahme durch Investoren zu be­grenzen. © afp/may/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Dienstag, 30. Juli 2019, 15:30

Nicht bloß Systembruch

sondern rechtlich nicht möglich: Die einzigen Investoren, die außer Ärzten (und Zahnärzten) MVZ gründen dürfen, sind Träger von Krankenhäusern und Kommunen, die anders die Versorgung nicht aufrechterhalten können.
Ein Investor, der eine Praxis kauft, hat nichts davon: Der kann höchstens eine fertig eingerichtete Praxis an Ärzte vermieten - aber Sitz und damit Zulassung "gehört" dem Arzt.
Natürlich können Ärzte in MVZ investieren - Kapitalgesellschaften können das nicht.
Avatar #760232
penangexpag
am Dienstag, 30. Juli 2019, 09:18

Übernahme von Arztpraxen

Der Aufkauf von Arztpraxen durch Investoren ist schlicht ein Systenbruch :
Das deutsche Gesundheitssystem basiert grundsätzlich auf dem Konzept, kranke Menschen nicht zum Objekt einer Gewinnmaximierung zu machen.
Natürlich ergibt sich ein Problem, wenn Praxen z.B. aus Altersgründen aufgegeben werden müssen, aber keine Nachfolge gefunden werden kann.
Ich sehe eine sytemkonforme Lösung in der Bildung von ärztlichen Genossenschaften. Die Mitgliederbasis könnte sehr breit angelegt werden - ja die Patienten selbst könnten dazu gehören ebenso wie kleine Gemeinden und Kommunen. Eine zweckmäßige juristische Ausgestaltung dürfte kein Probleem sein .
LNS

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