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Medizin

Studie: Bessere Vorbereitung auf medizinische Notfälle bei Kindern in Flugzeugen erforderlich

Montag, 29. Juli 2019

/Jasmin Merdan, stock.adobe.com

Durham – In fast 16 Prozent der medizinischen Notfälle in Flugzeugen sind Kinder be­troffen. Doch an der Versorgung pädiatrischer Patienten hapert es mitunter, wie eine Stu­die aus den USA zeigt. So seien zum Beispiel die Erste-Hilfe-Sets an Bord nicht immer auf die Behandlung von Kindern ausgelegt, berichten Alexandre Rotta von der Division of Pe­diatric Critical Care Medicine des Duke University Medical Center in Durham und seine Kollegen in den Annals of Emergency Medicine (DOI: 10.1016/j.annemergmed.­2019.06.­004).

„Unsere beste Schätzung ist, dass medizinische Ereignisse während des Fluges bei unge­fähr einem von 300 Flügen stattfinden und solche, an denen Kinder beteiligt sind, bei un­gefähr 1 von 2.000 Flügen“, sagte Rotta in einer Pressemitteilung. Anders ausgedrückt gibt es ungefähr 23 pädiatrische medizinische Vorfälle während des Fluges für jede Million beförderte Kinderpassagiere.

Medikamente in den Erste-Hilfe-Boxen nicht immer für Kinder geeignet

In den meisten Fällen musste der Studie zufolge das Kabinenpersonal einschreiten, wenn die Eltern die Medikamente ihres Kindes nicht selbst dabeihatten. Aber die Medikamente in den Erste-Hilfe-Boxen der Fluggesellschaften seien nicht immer für Kinder geeignet. So könne ein Kleinkind die Tablette, die für einen Erwachsenen gedacht ist, oftmals nicht schlucken, geschweige denn die Dosierung vertragen, so die Forscher.

„Sowohl Fluggesellschaften als auch Eltern sollten sich der häufigsten Krankheiten be­wusst sein und darauf vorbereitet zu sein, mit ihnen umzugehen“, forderte Rotta. An Bord sollte es zudem Informationsmaterial geben, das die benötigte Medikamentenmenge für das jeweilige Gewicht der Kinder angibt, ergänzt er.

In der Luft haben Kinder den Autoren der Studie nach mit den gleichen gesundheitlichen Problemen zu kämpfen wie auch am Boden. Am häufigsten seien Übelkeit oder Erbrechen (33,9 Prozent), Fieber oder Schüttelfrost (22,2 Prozent), akute allergische Reaktionen (5,5 Prozent), Bauchschmerzen (4,7 Prozent) und Magen-Darm-Verstimmungen (4,5 Prozent).

Das bestätigt auch Michael Sroka, Leiter der Notfallambulanz am Flughafen Frankfurt. „Typisch sind Atemwegsinfekte, Übelkeit, Erbrechen und allgemeine Reisekrankheit“, sagte der Mediziner. Hinzu kämen Unfälle des täglichen Lebens, zum Beispiel beim Spie­len und Tollen. Nach Einschätzungen des Arztes gebe es aber keine größeren Probleme: „Unserer Wahrnehmung nach sind die meisten Eltern bei Reisen mit Kindern entspre­chend gut vorbereitet.“

Die Wissenschaftler um Rotta haben 75.587 Vorfälle aus dem Zeitraum von Januar 2015 bis Oktober 2016 ausgewertet, die in dem weltweit am stärksten frequentierten medizi­ni­­schen Support-Center in den USA eingegangen sind. Das Zentrum hat in dem Zeitraum Notrufe von 77 Fluggesellschaften aus sechs Kontinenten angenommen. Diese machten rund 35 Prozent des kommerziellen Personenluftverkehrs weltweit aus. In rund 11.200 der Fälle waren Kinder unter 19 Jahren betroffen.

Kabinenpersonal auf Langstreckenflügen am häufigsten gefordert

Die meisten medizinischen Notfälle ereigneten sich auf Langstreckenflügen (76,1 %) – und an 14 % waren Kleinkinder beteiligt, die auf dem Schoss der Eltern reisten. In den meisten Fällen (88,6 Prozent) erfolgte die medizinische Versorgung durch das Kabinen­personal, in weiteren 8,7 % bzw. 2,1 % durch mitreisende Ärzte oder Krankenschwestern, die sich freiwillig meldeten.

Rund 83 Prozent, und damit die meisten medizinischen Notfälle konnten den Studienau­to­ren zufolge während des Flugs gelöst werden. Bei 16,5 Prozent war eine Behandlung nach der Landung erforderlich und in 0,5 Prozent der Fälle führte der Notfall zu einer Umleitung der Flugzeuge. © nec/dpa/aerzteblatt.de

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