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Medizin

Sterberisiko in der perioperativen Phase am höchsten

Montag, 29. Juli 2019

/dpa

Hamilton/Ontario – Der sicherste Ort für einen chirurgischen Patienten ist der OP-Tisch. Die meisten Todesfälle treten laut einer internationalen Studie im Canadian Medical Association Journal (CMAJ 2019; 191: E830-7) nicht im OP-Saal auf, sondern in der peri­operativen Erholungsphase. Dabei sind drei Komplikationen für fast die Hälfte aller Todesfälle verantwortlich.

Die VISION-Studie („Vascular Events in Non-cardiac Surgery Patients Cohort Evaluation“) hat an 28 Zentren in 14 Ländern auf allen fünf Kontinenten (ohne deutsche Beteiligung) den Ausgang von 40.004 nicht-herzchirurgischen Operationen ermittelt. Die Teilnahme war auf Patienten im Alter von über 45 Jahren beschränkt, die nach der Operation we­nigs­tens eine Nacht in der Klinik blieben.

Erfasst wurde nicht nur der Ausgang der Operation und die Akutkomplikationen in der Klinik. Alle Patienten (oder ihre Angehörigen) wurden 30 Tage nach der Operation telefo­nisch kontaktiert.

Todesfälle waren (außer in Afrika) relativ selten. Nach Angaben von Philip Devereaux von der McMaster Universität in Hamilton/Ontario und Mitarbeitern sind nur 715 Patienten gestorben, was eine Sterblichkeit von 1,8 Prozent ergibt. Sie war in Afrika mit 6,4 Prozent deutlich höher als in den hochentwickelten Ländern Nordamerikas, Europas und Austra­liens, wo die 30-Tage-Sterblichkeit 1,1 Prozent betrug.

Von den 715 Patienten sind nur fünf (0,7 Prozent) noch im OP-Saal verstorben. Mit 500 Todesfällen (69,9 Prozent) war das Sterberisiko in der perioperativen Phase des Klinikauf­enthalts am höchsten. Insgesamt 210 Patienten (29,4 Prozent) starben nach der Entlass­ung aus der Klinik.

Die häufigste Todesursache mit einem Anteil von 17,0 Prozent waren akute Blutungen, die meist noch am Tag der Operation auftraten. Es folgten mit einem Anteil von 15,9 Pro­zent perioperative Myokardschädigungen, die als MINS („myocardial injury after noncar­diac surgery“) bezeichnet werden.

Der hohe Anteil könnte daraus resultieren, dass bei allen Patienten sechs und zwölf Stun­den nach der Operation, sowie einmal in den drei ersten postoperativen Tagen der kardi­ale Marker Troponin T bestimmt wurde. Der Hersteller des Tests gehörte zu den Sponso­ren der VISION-Studie. MINS wurde meistens am ersten postoperativen Tag diagnos­tiziert.

Die dritthäufigste Todesursache war mit einem Anteil von 12,0 Prozent eine Sepsis. Sie dürfte in der Regel Folge einer während der Operation erworbenen Infektion gewesen sein. Bis sich daraus eine Sepsis entwickelte, vergingen im Mittel sechs Tage.

Eine schwere Blutung erhöhte laut Devereaux das Sterberisiko um den Faktor 2,6 (361 Todesfälle). Für MINS ermittelte das Team eine Hazard Ratio von 2,2 (314 Todesfälle), für die Sepsis betrug sie 5,6 (215 Todesfälle), für Infektionen ohne Sepsis 2,3 (55 Todesfälle), für ein akutes Nierenversagen mit Notwendigkeit einer Dialyse 4,2 (49 Todesfälle), für einen Schlaganfall 3,7 (27 Todesfälle), für eine venöse Thromboembolie 2,2 (15 Todes­fälle) und für eine Herzinsuffizienz 2,4 (54 Todesfälle).

Hochgerechnet auf die geschätzt 100 Millionen Erwachsene ab 45 Jahren, die sich jedes Jahr weltweit einer nicht-herzchirurgischen Operation unterziehen, bedeutet dies, dass jährlich 1,8 Millionen Erwachsene innerhalb von 30 Tagen nach der Operation sterben. Die perioperative Mortalität ist nach Einschätzung von Devereaux deshalb ein globales Gesundheitsproblem. © rme/aerzteblatt.de

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