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Medizin

Kann Akupunktur eine chronische Angina pectoris beeinflussen?

Dienstag, 30. Juli 2019

stock.adobe.com Michael Heim

Chengdu/Sichuan – Eine Elektroakupunktur hat bei chinesischen Patienten mit stabiler Angina, aber ohne Herzinfarkt oder Herzrhythmusstörungen in der Vorgeschichte, die Zahl der Schmerzattacken signifikant gesenkt. Die Aussagekraft der im JAMA Internal Medicine (2019; doi: 10.1001/jamaneurol.2019.2167) publizierten Studie wird von einem westlichen Experten in Zweifel gezogen.

Bei einer stabilen Angina tritt der typische Ischämieschmerz nur bei körperlichen oder psychischen Belastungen auf. Die Indikation für eine Stent-Implantation besteht vorerst nicht, da im Gegensatz zur instabilen Angina keine unmittelbare Gefahr eines throm­botischen Verschlusses der Koronarie, sprich eines Herzinfarkts besteht. Die Behandlung ist in der Regel konservativ und besteht in der Verordnung von Medikamenten wie Beta­blockern, die eine zu starke Belastung des Herzens verhindern, und Nitro-Präparaten, die im Anfall die Durchblutung des Herzmuskels verbessern.

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Ein Team um Ling Zhao von der Universität für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) in Chengdu in der Provinz Sichuan hat 398 Patienten mit stabiler Angina zusätzlich zur medikamentösen Behandlung auf vier Gruppen randomisiert. In der ersten Gruppe erhielten die Patienten eine Elektroakupunktur nach den TCM-Regeln. Über vier Wochen wurden an drei Tagen in der Woche über 30 Minuten die Akupunkturpunkte PC6 und HT5 stimuliert.

In der zweiten Gruppe wurden während derselben Zeit die Akupunkturpunkte LU9 und LU6 stimuliert, die nach den TCM-Regeln bei einer Angina pectoris keine Wirkung erzielen. In einer dritten Gruppe wurden die Nadel gesetzt, ohne das für die Akupunktur typische „De Qi“-Gefühl auszulösen. Die vierte Gruppe bestand aus Patienten auf der Warteliste.

In den vier Wochen vor Beginn der Studie hatten die Patienten im Durchschnitt unter 13,3 Schmerzattacken gelitten. Während der 16-wöchigen Studie kam es in allen vier Gruppen (auch in der Wartegruppe) zu einem Rückgang der Schmerzattacken. Er fiel in der Gruppe mit der „echten“ Akupunktur am deutlichsten aus und vergrößerte sich nach dem Ende der vierwöchigen Behandlungsphase noch weiter.

Am Ende betrug der Abstand zur Akupunktur der „falschen“ Punkte 4,07 Attacken/4 Wochen (95-Prozent-Konfidenzintervall 2,43 bis 5,71), zur Scheinakupunktur-Gruppe 5,18 Attacken/4 Wochen (3,54 bis 6,81) und zur Wartelistengruppe 5,63 Attacken/4 Wochen (3,99-7,27). Abgesehen von einigen Missempfindungen und Blutergüssen an den Einstichstellen war die Akupunktur weitgehend nebenwirkungsfrei.

Auf dem Papier belegt die Studie die Wirkung der Elektroakupunktur als adjunktive Therapie der stabilen Angina pectoris. Edzard Ernst von der Universität von Exeter, überzeugen die Ergebnisse indes nicht. Warum wurde die Studie, die vor drei Jahren abgeschlossen wurde, erst jetzt veröffentlicht, fragt der emeritierte Professor für Komplementär-Medizin.

Ernst kritisiert, dass der primäre Endpunkt völlig subjektiv war. Die Patienten hatten die Schmerzattacken in einem Tagebuch notiert. Ernst vermutet eine Placebowirkung, weil die Verblindung der Patienten nicht überprüft wurde. Die Patienten wurden zwar im unklaren darüber gelassen, ob sie eine Akupunktur nach den Regeln der TCM erhielten. Die Therapeuten wussten aber, was sie taten, und sie hätten dies den Patienten mit ihrem chinesischen Lächeln mitteilen können. Ernst hält die Studie für einseitig, weil die Literaturliste keinen einzigen Hinweis auf eine kritische Analyse der Akupunktur enthalte. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Donnerstag, 1. August 2019, 22:54

Na dann, Wiebrecht...

Zeigen Sie mir bitte eine einzige (!) auf Behandlerseite korrekt verblindete, "positive" Akupunkturstudie! Gerade bei Verfahren, deren Effekte nicht bzw kaum von Placebo zu unterscheiden sind, spielt die Verblindung auf Behandlerseite eine große Rolle. Kommunikation nutzt viele, auch unbewusste Wege (in Beau Lotto's "Anders sehen" sind ein paar schöne Experimente dazu beschrieben), die das Ergebnis entscheidend beeinflussen können.
Für eine korrekte Verblindung müssten akupunkturnaive Behandler nach einer Anweisung die darin beschriebenen Punkte nadeln, ohne zu wissen, ob diese richtig sind. Auch die Auswerter dürfen dabei ncht wissen, welcher Patient wie genadelt wurde.
Die Stimulation von Druck-Dehnungsrezeptoren hat eine eine unspezifische, entzündungshemmende, relaxierende und schmezlindernde Wirkung, am ehesten durch einen erhöhte Expression von Proopiomelanocortin.
Ob diese Stimulation durch Druck, Nadelstich, Wärme, Kälte oder Strom erfolgt, ist nebensächlich.
Wenn Behandler wie Kranker daran glauben, hilft auch Gesundbeten, wie amerikanische Wunderprediger am laufenden Band in den USA vorführen!
Avatar #600500
Wiebrecht
am Donnerstag, 1. August 2019, 20:38

Der Herr Practicus

weiß Bescheid! Er hat alle Akupunkturstudien analysiert, allein in Pub Med über 5000 enthalten. Dann sind sicher auch alle Chirurgie-Studien, Psychotherapie-Studien und sonstige Studien zu nicht-medikamentösen Verfahren "Müll"? Solche platten Argumente, genauso wie das "chinesische Lächeln" von Herrn Edzard Ernst, sind ein Armutszeugnis für einen studierten Mediziner. Eine ersthafte Auseinandersetzung bitte! Eine Akupunkturdurchführung lässt sich für den Behandler nicht verblinden, genauso wenig wie viele andere Behandlungen. Dennoch würde ich mich mit einer perforierten Appendix operieren lassen.
Avatar #79783
Practicus
am Donnerstag, 1. August 2019, 01:11

Auch diese Studie

leidet - wie praktisch ALLE Akupunkturstudien - unter der fehlenden Verblindung auf der Behandlerseite und ist damit wissenschaftlicher Müll! Die Veröffentlichung von derlei Unsinn im Ärzteblatt fördert nur den Aberglauben, es gebe so etwas wie "Qi" in unterschiedlichen Qualitäten, dessen "Fluss" irgenwie beeinflusst werden könne, um bestimmte Ergenisse zu erzielen - die antike Säfte- und Temperamentelehre läßt grüßen
Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Dienstag, 30. Juli 2019, 19:27

Wiedereinschaltung

Es ist denkbar, dass es sich bei solchen Schmerzattacken um die Restimulation (Wiedereinschaltung) einer Schmerzempfindung handelt, die Bestandteil eines in der Vergangenheit liegenden Ereignisses (Herzinfarkt in einem früheren Leben) war.

Bei einer tatsächlich bestehenden körperlichen Ursache für solche Schmerzattacken (arteriosklerotische Koronararterien) hielte ich den ausschließlichen Einsatz der Akupunktur für einen Kunstfehler. http://members.chello.at/meinewebseite/GuteNachricht.JPG
LNS

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