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Medizin

PTBS: Studie findet Risikogene für Flashbacks

Mittwoch, 31. Juli 2019

Die Zahl der PTBS- Betroffenen unter Soldaten bleibt hoch /picture-alliance - Maurizio Gambarini

New Haven – Die Flashbacks, die Patienten mit posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) ihre früheren Ereignisse immer wieder vor Augen führen und erneut durchleiden lassen, werden durch bestimmte Genvarianten beeinflusst. Zu diesem Ergebnis kommt eine genom-weite Assoziationsstudie in Nature Neuroscience (2019; doi; 10.1038/s41593-019-0447-7), die auch Verbindungen des PTBS zu anderen Erkrankungen aufzeigt.

Die Symptome bei der PTBS lassen sich drei Gruppen (Hauptcluster) zuordnen. Die erste beschreibt das Wiedererleben der Ereignisse, was sich neben den Flashbacks auch in zwanghaften Gedanken oder Albträumen äußern kann. Dieses Symptom ist kennzeichnend für die PTBS. Die beiden anderen Hauptcluster, Vermeidungsreaktionen und eine Übererregbarkeit, finden sich auch bei Angststörungen im Allgemeinen.

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Eine weitere Besonderheit der Flashbacks ist eine genetische Prädisposition, die bereits in früheren genomweiten Assoziationsstudien (GWAS) untersucht wurde. Sie konnten jedoch aufgrund ihrer geringen Größe keine Genvarianten ermitteln, die mit einem erhöhten Risiko auf Flashbacks assoziiert waren. Bei dem von der US-Veteranenbehörde initiierten Million Veteran Program standen die Chancen aus zwei Gründen besser. Zum einen beteiligten sich an dem Programm, das das Erbgut an einer Vielzahl von Einzelstellen, sogenannten SNP (Einzelnukleotid-Polymorphismen), analysiert, mehr als 165.000 Veteranen. Zum anderen ist das PTBS bei den ehemaligen US-Soldaten häufig. Die Prävalenz wird auf 11 bis 15 Prozent geschätzt.

Tatsächlich konnten Joel Gelernter von der Yale University School of Medicine in New Haven/Connecticut und Mitarbeiter acht Regionen im Genom ermitteln, die bei Veteranen mit Flashbacks einer PTBS assoziiert waren. Der Zusammenhang wurde nur bei den Veteranen europäischer Herkunft nachgewiesen, vermutlich weil der Anteil der Afroamerikaner zu gering war.

Die Funktion der Gene, in denen (oder in deren Nähe) die SNP gefunden wurden, lassen Rückschlüsse auf die Pathogenese der Flashbacks zu. Einige Gene sind direkt an der Stressreaktion beteiligt, andere wurden mit anderen psychiatrischen Störungen in Verbindung gebracht. Eine Genvariante ist auch mit Schizophrenie assoziiert, eine andere mit bipolaren Störungen.

Die genetische Überschneidung mit der Schizophrenie bringt die Flashbacks mit den Halluzinationen in Verbindung, die ein zentrales Symptom der Psychose sind und durch Medikamente behandelt werden können. Gelernter könnte sich vorstellen, dass PTBS-Patienten mit einer bestimmten genetischen Signatur von der Behandlung mit Antipsychotika profitieren könnten. Ob dies der Fall ist, könnte jetzt in klinischen Studien untersucht werden.

Eine weitere Assoziation bringt die Flashbacks mit Störungen der Stressreaktion in Verbindung. Die betroffenen Veteranen wiesen häufiger eine Variante im CRHR1-Gen auf. Das Gen enthält die Information für einen Rezeptor des „Corticotropin Releasing Hormone“. Dieses Hormon steuert die Freisetzung von ACTH (Adrenokortikotropes Hormon), das die Kortikoidfreisetzung in den Nebennieren reguliert. Eine andere SNP befindet sich in einem Gen des Steroidstoffwechsels, das damit ebenfalls in die Stressreaktion eingreifen könnte. Auch aus dieser Entdeckung könnten sich Anregungen für therapeutische Behandlungen ergeben. Sie könnte beispielsweise erklären, warum Betablocker den Patient helfen, traumatische Erinnerungen besser zu verarbeiten. © rme/aerzteblatt.de

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