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Medizin

Krankenhäuser spielen Schlüsselrolle in Ausbreitung resistenter Pathogene in Europa

Dienstag, 30. Juli 2019

stock.adobe.com Thanakrit Sathavornmanee

Freiburg – Antibiotikaresistente Stämme des fakultativen Humanpathogens Klebsiella pneumoniae – Auslöser unter anderem von Pneumonien und Sepsis - breiten sich einer Studie Freiburger Forscher zufolge zunehmend in europäischen Krankenhäusern aus. In Nature Microbiology berichten sie, dass einige Stämme selbst gegen Reserveantibiotika aus der Gruppe der Carbapeneme resistent seien (DOI: 10.1038/s41564-019-0492-8).

Schätzungen zufolge verursachten Carbapenem-resistente K. pneumoniae 2007 in Europa 341 Todesfälle. 2015 lag diese Zahl bereits bei 2094, also mehr als dem Sechsfachen. Wirken Carbapeneme nicht mehr, bleiben kaum noch Behandlungsoptionen übrig. Speziell für Kleinkinder, immungeschwächte und ältere Patienten kann dies lebensbedrohlich sein.

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Die Ergebnisse der aktuellen Studie stammen aus einer europaweiten Erhebung zu Carbapenem-resistenten Enterobacteriaceae (European Survey of Carbapenemase-Producing Enterobacteriaceae, EuSCAPE). Sophia David vom Centre for Genomic Pathogen Surveillance der Universität Freiburg und ihre Kollegen führten an mehr als 1.700 K. pneumoniae-Proben von Patienten aus 244 Krankenhäusern in 32 Ländern Genomanalysen durch.

Auf diesem Weg identifizierten sie eine kleine Zahl von Genen, deren Expression Resistenz gegenüber Carbapenem-Antibiotika vermittelt. Es zeigte sich, dass der Erwerb von Carba­penemasen die Hauptursache von Resistenzen gegenüber Antibiotika aus der Gruppe der Carbapeneme ist.

Der phylogenetische Hintergrund war vielfältig, aber knapp 70 Prozent (477 von 682) der Carbapenemase-positiven Isolate von K. pneumoniae konzentrierten sich in vier klonalen Linien - die Sequenztypen 11, 15, 101, 258/512 und ihre jeweiligen Derivate.

„Die Analyse der genetischen und geografischen Entfernungen zwischen Isolaten mit verschiedenen Beta-Laktam-Resistenzdeterminanten deutete darauf hin, dass die Tendenz von K. pneumoniae, sich in Krankenhäusern auszubreiten, mit dem Grad der Resistenz korreliert“, berichten David und ihre Koautoren. „Carbapenemase-positive K. pneumoniae sind demzufolge am leichtesten übertragbar.“

In mehr als der Hälfte der Krankenhäuser, die Carbapenemase-positive Isolate zu der Erhebung beisteuerten, sei es wahrscheinlich zu Übertragungen von Patient zu Patient innerhalb des Hauses gekommen, ergänzen die Forscher. Denn: Ein Großteil der K. pneumoniae-Proben mit Carbapenemase-Gen waren nah verwandt mit anderen Bakterien, die im gleichen Krankenhaus gesammelt wurden. Darüber hinaus zeigte sich, dass sich resistente K. pneumoniae sehr viel häufiger zwischen verschiedenen Krankenhäusern eines Landes ausbreiten als über Ländergrenzen hinweg.

Dies deute darauf hin, dass nationale Gesundheitssysteme auch als Ganzes eine wichtige Rolle bei der Verbreitung dieser antibiotikaresistenten Erreger spielen, so die Forscher.

In einer Pressemitteilung erklärt David: „Der im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen zentrale One-Health-Ansatz legt den Fokus auf die Verbreitung von Pathogenen durch Menschen, Tiere und die Umwelt, auch Krankenhäuser. Doch im Fall der Carbapenem-resistenten K. pneumoniae deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass Krankenhäusern eine Schlüsselrolle bei der Verbreitung zukommt.“

Gute Krankenhaushygiene und genomische Überwachung entscheidend

Hajo Grundmann, Seniorautor und Leiter des Instituts für Infektionsprävention und Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Freiburg blickt dennoch optimistisch in die Zukunft: „Mit einer guten Krankenhaushygiene, und dazu gehört auch die frühzeitige Identifikation und Isolation der betroffenen Patienten, wird sich die Ausbreitung dieser Pathogene nicht nur verlangsamen, sondern auch erfolgreich unter Kontrolle bringen lassen.“

Derzeit planen die Forscher bereits eine zweite Erhebung zu antibiotikaresistenten Enterobacteriaceae in europäischen Krankenhäusern. „Die genomische Überwachung wird der Schlüssel sein, um die neuen antibiotikaresistenten Bakterienstämmen, die diese Studie identifiziert hat, zu bekämpfen“, resümiert David Aanensen, ebenfalls Seniorautor der Studie und Direktor des Centre for Genomic Pathogen Surveillance in Freiburg. „Im Moment entwickeln sich neue Stämme fast so schnell wie wir sie sequenzieren können. Unser Ziel ist, ein robustes Netzwerk von Genomsequenzierungszentren aufzubauen. Dies wird den Gesundheitssystemen eine viel schnellere Nachverfolgung der Verbreitung und Entwicklung dieser Bakterien ermöglichen.“ © nec/aerzteblatt.de

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