NewsVermischtesAnspruch auf Dronabinol im Eilverfahren wegen massiven Untergewichts zuerkannt
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Anspruch auf Dronabinol im Eilverfahren wegen massiven Untergewichts zuerkannt

Dienstag, 30. Juli 2019

/samjonah, stock.adobe.com

Darmstadt – Massives Untergewicht kann ein Grund sein, warum die gesetzliche Kran­ken­versicherung (GKV) die Versorgung mit Dronabinol (Tetrahydro­cannabinol (THC)) zu­nächst über­nehmen muss, obwohl die gesetzlichen Voraussetzungen nicht nachgewiesen sind. Dies entschied der 1. Senat des Hessischen Landes­sozialgerichts (LSG) in einem heute veröffentlichten Beschluss (Az.: L 1 KR 256/19 B ER).

In einem gerichtlichen Eilverfahren seie die Folgenabwägung über die körperliche Unver­sehrtheit von besonderer Bedeutung, urteilte der 1. Senat. Die Darmstädter Richter ver­pflichteten mit dieser Begründung die Krankenkasse zur vorläufigen Versorgung des Ver­sicherten mit Dronabinol für einen Zeitraum von einem Jahr.

Anzeige

Es sei zwar vorliegend nicht geklärt, ob eine allgemein anerkannte, dem medizinischen Standard entsprechende Leistung nicht zur Verfügung stehe beziehungsweise eine solche nicht zur Anwendung kommen könne, schreibt das LSG. Ebenso sei die Aussicht auf eine spürbare positive Einwir­kung auf den Krankheitsverlauf unsicher. Beides müsse das ge­richt­liche Hauptsache­verfahren klären.

Bei der im gerichtlichen Eilverfahren erforderlichen Folgenabwägung überwiege vorlie­gend jedoch das grundrechtlich besonders geschützte Rechtsgut auf körperliche Unver­sehrtheit des lebensbedrohlich untergewichtigen Versicherten gegenüber dem Interesse der Krankenkasse auf eine wirtschaftliche Krankenbehandlung, begründete das LSG.

Der behandelnde Arzt habe zudem ausgeführt, dass die bereits während einiger Monate mittels Privatrezept durchgeführte Dronabinolbehandlung eine Reduktion der Schmerzen sowie insbesondere eine Gewichtzunahme bei dem Versicherten bewirkt habe. Es solle daher ein Behandlungsversuch über einen längeren Zeitraum erfolgen, damit die Wirkung der Dronabinoltherapie auf den Krankheitsverlauf beziehungsweise die schwerwiegenden Symptome beurteilt werden könne.

Im vorliegenden Fall hatte ein massiv unterernährter Versicherter die Versorgung mit Dronabinol bei seiner Krankenkasse beantragt. Der 19-Jährige leidet seit seiner frühen Kindheit an einer seltenen Darm­er­krank­ung, die massive Bauchkrämpfe verursacht. Aufgrund der schweren Schmerzen wurde er unter anderem mit Opioiden behandelt.

Im Jahr 2017 lag sein BMI bei 16. Im September 2018 wurde ihm eine Therapie mit Dro­nabinol zur Besserung der Schmerzen, des Appetits und des Schlafs empfohlen. Die Kran­kenkasse lehnte die Versorgung wegen der Gefahr einer Abhängigkeit von Cannabis bei bereits vorliegender Suchterkrankung des Versicherten ab.

Der Mann wiegt dem LSG zufolge mittlerweile bei einer Körpergröße von 1,80 Metern nur noch 44 Kilogramm (BMI 13,6). Er bezieht Hartz IV und kann die Dronabinoltherapie nicht aus eigenen Mitteln finanzieren. Er beantragte eine einstweilige gerichtliche Anordnung. © may/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

15. August 2019
Montréal – Der weltweit größte Cannabishersteller, Canopy Growth aus Kanada, hat seine Produktion und den Umsatz im Quartal von April bis Juni im Vorjahresvergleich vervierfacht – macht aber weiter
Cannabishersteller vervierfacht Produktion
8. August 2019
Neumünster – Deutschlands erste legale Cannabis-Produktionsanlage in Neumünster nimmt Formen an. „Hier wird Ende 2020 - wahrscheinlich zum ersten Mal in Deutschland – medizinisches Cannabis
Erste Cannabis-Ernte Ende 2020 in Neumünster geplant
26. Juli 2019
Berlin – Cannabis, Pflegeversicherung, Organspende und Reproduktionsmedizin: Diese vier Themen aus der Gesundheitspolitik hat der FPD-Parteichef Christian Lindner mit dem CDU-Ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens
Spahn und Lindner: Pflege-Bahr führt ein Schattendasein
26. Juli 2019
Berlin – Der rot-rot-grüne Berliner Senat will erreichen, dass Cannabis in der Stadt kontrolliert an eine begrenzte Zahl von Erwachsenen abgegeben werden darf. Ein Antrag für ein wissenschaftlich
Berlin stellt Antrag für kontrollierte Cannabisabgabe an Erwachsene
25. Juli 2019
Berlin – Jugendliche in Berlin greifen früh zum ersten Joint. Beim ersten Konsum der illegalen Droge sind sie im Schnitt 14,6 Jahre alt, wie aus einer heute vorgestellten Untersuchung der Berliner
Berliner Jugendliche konsumieren früher Cannabis als der bundesweite Durchschnitt
17. Juli 2019
Sydney – Eine Substitution mit Nabiximols, einer Mischung aus Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD), hat in einer randomisierten Placebo-kontrollierten Studie in JAMA Internal Medicine die
Nabiximols kann Cannabiskonsum vermindern
25. Juni 2019
Berlin – Kinder- und Jugendärzte haben zum Weltdrogentag die Bemühungen zur Legalisierung von Cannabis kritisiert. Alle Initiativen, die den legalen Konsum für Erwachsene erreichen wollen, hätten
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER