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Medizin

Einfache klinische Tests erkennen erhöhten intrakraniellen Druck oft nicht

Donnerstag, 1. August 2019

/Pavel Losevsky, stockadobecom

Ottawa – Einfache nichtinvasive klinische Tests sind nicht ausreichend empfindlich, um einen erhöhten intrakraniellen Druck (ICP) sicher zu erkennen. Darauf weisen Wissen­schaftler um Shannon Fernando von der Division of Critical Care der Universität von Ottawa im British Medical Journal hin (doi 10.1136/bmj.l4225).

Diese Tests beinhalten laut den Wissenschaftlern typischerweise die Prüfung auf erwei­terte Pupillen, abnormale Haltung und reduziertes Bewusstsein oder die Identifizierung von Anzeichen einer Hirnverletzung in einem CT-Scan.

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„Ärzte müssen sich oft auf diese Tests verlassen, aber ihre Genauigkeit ist unklar“, schrei­ben sie. Sie fordern, dass diese Tests nicht unabhängig verwendet werden sollten, um die Erkrankung auszuschließen und dass schwerkranke Patienten mit Verdacht auf ein er­höhtes ICP zur weiteren Überwachung an ein Expertenzentrum überwiesen werden soll­ten.

Die Kanadischen Wissenschaftler haben für ihre Untersuchung die Ergebnisse von 40 Stu­dien analysiert, die 5.123 schwerkranken Erwachsenen einschlossen. Das Vorhandensein von erweiterten Pupillen hatte danach eine Sensitivität von 28 % und eine Spezifität von 86 % für den Nachweis eines erhöhten ICP. Das bedeutet, dass 72 % der Patienten mit der Erkrankung nicht erkannt und 14 % der Patienten fälschlicherweise als an der Erkrankung leidend diagnostiziert wurden.

Eine abnormale Haltung hatte eine Sensitivität von 54 % und eine Spezifität von 64 % zum Nachweis eines erhöhten ICP, während ein reduziertes Bewusstsein eine Sensitivität von 76 % und eine Spezifität von 40 % aufwies.

CT-Bildgebungsmerkmale, die typischerweise mit einer Hirnverletzung verbunden sind, haben die Wissenschaftler ebenfalls untersucht. Danach hatte beispielsweise das Fehlen oder die Kompression von Basalzisternen eine Sensitivität von 86 % und eine Spezifität von 61 %, während jede Mittellinienverschiebung eine Sensitivität von 81 % und eine Spezifität von 42 % hatte.

Die Forscher weisen daraufhin, dass in der Realität die klinischen Zeichen natürlich nicht unabhängig voneinander bewertet würden, sondern in der Kombination. Die Ergebnisse der Metaanalyse zeigen ihrer Auffassung nach dennoch, dass individuelle körperliche Untersuchungen und CT-Befunde bei der Diagnose eines erhöhten ICP nicht ausreichend genau sind.

„Entscheidungen im Zusammenhang mit dem Einsatz von Monitoring sollten nicht ein­fach auf eine bestimmte körperliche Untersuchung oder ein bestimmtes CT-Kriterium beschränkt sein“, empfehlen sie. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 1. August 2019, 22:26

Die Kontaktglasdynamometrie (KGD)

Ist ganz offensichtlich nicht der Königsweg:
"Bei der Kontaktglasdynamometrie handelt es sich um ein Verfahren der Ophthalmologie (Augenheilkunde) zur Bestimmung des diastolischen und systolischen Blutdruckes im Auge. Des Weiteren besteht auch die Möglichkeit, innerhalb weniger Sekunden den Zentralvenendruck im Auge genau zu ermitteln. Mit Hilfe dieses Kontaktglasdynamometrie-Verfahrens lässt sich eine Einschätzung einer möglichen Hypertonie (Bluthochdruck) realisieren, sodass gegebenenfalls im Anschluss an die Untersuchung eine Behandlung zur Korrektur des Bluthochdruckes durchgeführt werden kann. Die Entwicklung des Verfahrens, welches eine konsequente Weiterentwicklung des Ophthalmodynamometers nach Bailliart darstellt, geht maßgeblich auf den Arzt Dr. Bernhard Löw zurück.
Indikationen (Anwendungsgebiete)
Arterie carotis interna Stenose (Einengung der hirnversorgenden Halsschlagader auf Grund von Verkalkungen, welche zu einem Schlaganfall führen kann)
Systemische Hypertonie (Bluthochdruck) mit möglicher Schädigung retinaler Gefäße
Zentralvenenverschlüsse
Glaukom (grüner Star – Erhöhung des Augeninnendruckes mit einhergehender Verschlechterung der Sehfähigkeit)
Endokrine Orbitopathie (EO; Exophthalmus – Hervortreten des Auges auf Grund raumfordernder Entzündungsprozesse hinter dem Augapfel des Patienten)
Verdacht auf mögliche Minderperfusion (verschlechterte Durchblutung) des Gehirns
Verdacht auf erhöhten Hirndruck mit Kopfschmerzsymptomatik und Leistungsminderung"
http://www.gesundheits-lexikon.com/Augen/Medizingeraetediagnostik/Kontaktglasdynamometrie.html

In der Publikation: "Diagnosis of elevated intracranial pressure in critically ill adults: systematic review and meta-analysis"
von S M Fernando et al.
BMJ 2019; 366 doi: https://doi.org/10.1136/bmj.l4225
ist diese Methodik nicht mal ansatzweise eine Erwähnung wert;
"Objectives - To summarise and compare the accuracy of physical examination, computed tomography (CT), sonography of the optic nerve sheath diameter (ONSD), and transcranial Doppler pulsatility index (TCD-PI) for the diagnosis of elevated intracranial pressure (ICP) in critically ill patients."

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #760435
eyedoc1
am Donnerstag, 1. August 2019, 19:43

Kontaktglasdynamometrie

Diese nichtinvasive Untersuchung, die einfach, rasch und preiswert in jeder Augenarztpraxis oder-Klinik durchgeführt werden kann, mißt den Abflußdruck der V. centralis retinae und erkennt einen ICP in aller Regel. Natürlich nur, wenn der Augenarzt die Untersuchung erlernt hat und über ein KD-Gerät verfügt.
LNS

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