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Vorstand des Universitäts­klinikums Heidelberg tritt nach Bluttest-Affäre zurück

Dienstag, 30. Juli 2019

/angellodeco, stockadobecom

Heidelberg – Nachdem der Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg vor fünf Tagen zurückgetreten ist, hat nun auch der Vorstand des Universitätsklinikums Heidelberg Konsequenzen gezogen. Die Vorstandsvorsitzende Annette Grüters-Kieslich und die Kaufmännische Direktorin Irmtraut Gürkan haben ihren vorzeitigen Rückzug an­gekündigt, wie der Aufsichtsrat des Universitätsklinikums heute mitteilte.

Grüters-Kieslich wird das Amt zum 31. Oktober 2019 abgeben. „Aufgrund der Gescheh­nisse der letzten Monate bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es richtig ist, mein Amt vorzeitig zur Verfügung zu stellen“, sagte Grüters-Kieslich. Gürkan tritt zum 31. Juli 2019 zurück. Sie betonte, die Entwicklung der vergangenen Monate habe deutlich gemacht, dass die Strukturen und Prozesse des Uniklinikums Heidelberg, vor allem in Hinblick auf seine Töchter und Ausgründungen, deutlicher definiert werden müssten.

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Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer begrüßte den Rücktritt. Mit diesem Schritt werde ein aus ihrer Sicht notwendiger Neuanfang im Klinikum ermöglicht, sagte sie. Bauer betonte, der Aufsichtsrat habe die richtigen Schritte eingeleitet, um die Vorgänge rund um den Bluttest Heiscreen aufzuarbeiten.

„Nun geht es darum, das Klinikum unter einer neuen Leitung gut für die Zukunft aufzu­stellen. Was die Hauptverantwortung für den angekündigten Brustkrebs-Bluttest von Hei­screen und damit den Leitungs- und Budgetverantwortlichen für das entsprechende For­schungsprojekt angeht, ist es an der Universitätsleitung und am Vorstand des Universi­tätsklinikums, die notwendigen Konsequenzen zu ziehen“, so Bauer.

Der Aufsichtsrat erklärte heute, die Schritte machten den Weg frei für einen Generations­wechsel an der Spitze des Uni­versitätsklinikums, den man heute mit seinen Beschlüssen eingeleitet habe. Man stehe vor „großen Herausforderungen“. Nach Vorlage der Berichte der exter­nen unabhängigen Kommission wie auch der universitären Kom­mission für gute wissen­schaftliche Praxis müssten entsprechende Folgerungen gezogen und notwendige Ände­run­gen umgesetzt werden.

Hartmut Masanek, Geschäftsbereichsleiter Finanzen am Universitätsklinikum Heidelberg, wurde vom Aufsichtsrat zum neuen Stellvertretenden Kaufmänni­schen Direktor ernannt. Er soll die Aufgaben des Kaufmännischen Direktors ab sofort kommissarisch übernehmen. Darüber hinaus hat der Aufsichtsrat heute beschlossen, eine Personalberatung zu beauf­tragen, den Aufsichtsrat bei der Neubesetzung der Vorstands­ämter zu unterstützen.

Der Aufsichtsrat unterstrich heute nochmals seine Auffassung, dass die Hauptverant­wor­tung für die „Causa Bluttest Heiscreen" bei „demjenigen Wissenschaftler liegt, der ohne entsprechende Grundlage durch eine Medienkampagne haltlose Versprechungen verbrei­tet hat“.

Das Unternehmen Heiscreen, eine Ausgründung des Universitätsklinikums Heidelberg, und die Uniklinik selbst hatten am 21. Februar einen neuen Brustkrebs-Test vorgestellt. In einer Presse­mitteilung war von „einem Meilenstein in der Brustkrebsdiagnostik“ die Rede, eine Markteinführung sei „noch in diesem Jahr geplant“. Hautpverantwortlich war der Chef der Frauenklinik, Christof Sohn.

Experten hatten daraufhin kritisiert, dass viel zu früh und entgegen wissenschaftlichen Gepflogenheiten an die Öffentlichkeit gegangen worden war. Bei Frauen könnten wo­mög­lich falsche Hoffnungen geweckt worden sein. Auch wurden wichtige Kennwerte des Tests zunächst nicht genannt. © may/aerzteblatt.de

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