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Medizin

Absetzen von Statinen könnte Herz-Kreis­lauf-Risiko von über 75-Jährigen erhöhen

Mittwoch, 31. Juli 2019

Maren Winter info@ maren-winter.de

Paris – Lohnt es sich für einen über 75-jährigen Patienten noch, den Cholesterinwert mit Statinen zu senken, um sich vor dem Fortschreiten der Atherosklerose zu schützen, deren Folgen er ohnehin nicht mehr erleben wird? Eine bevölkerungsbasierte Analyse von Verordnungsdaten aus Frankreich bejaht die Frage. Laut der Publikation im European Heart Journal (2019; doi: 10.1093/eurheartj/ehz458) senkt die Behandlung auch kurzfristig das Herz-Kreislauf-Risiko.

Die Frage nach dem Nutzen und den Risiken einer Statinanwendung im hohen Alter ist derzeit nicht geklärt. Die Leitlinien vermeiden eine Empfehlung mangels evidenzbasierter Studien. Erste Ergebnisse aus zwei randomisierten Studien werden erst in einigen Jahren vorliegen. In dieser Situation können bevölkerungsbasierte Kohortenstudien eine erste Antwort geben.

Ein Team um Joël Coste vom Hôpital Cochin in Paris hat jetzt die Daten von allen 120.173 französischen Kassenpatienten ausgewertet, denen 2012/14 im Alter von 75 Jahren seit mindestens zwei Jahren ein Statin verordnet worden war. Interessanterweise entscheiden sich in Frankreich Arzt und Patient in den meisten Fällen dafür, die Behandlung trotz des hohen Alters fortzusetzen. Nur 17.204 Personen (14,3 Prozent) setzten die Mittel in der Folge für mindestens drei aufeinanderfolgende Monate ab. Von den Senioren wurden in den folgenden 2,4 Jahren 5.396 Personen (4,5 Prozent) wegen eines Herz-Kreislauf-Problems im Krankenhaus behandelt.

Laut Costa kam es bei den Patienten, die ihre Statine absetzten, zu 33 Prozent häufiger zu einem kardiovaskulären Ereignis. Die adjustierte Hazard Ratio von 1,33 war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,18 bis 1,50 signifikant. Ein erhöhtes Risiko war sowohl für koronare Ereignisse (adjustierte Hazard Ratio 1,46; 1,21 bis 1,75) als auch für zerebro­vaskuläre Ereignisse (adjustierte Hazard Ratio 1,26; 1,05 bis 1,51) nachweisbar. Andere vaskuläre Ereignisse (also etwa eine periphere Verschlusskrankheit) traten nicht häufiger auf (adjustiert Hazard Ratio 1,02; 0,74 bis 1,40).

Nach weiteren Berechnungen von Costa könnten bei 100 Patienten, die die Statine im Alter von 75 Jahren absetzen, in den folgenden vier Jahren 2,5 zusätzliche kardiovaskuläre Ereignisse auftreten.

Costa rät aufgrund der Ergebnisse allen Patienten, die Statine auch über das 75. Lebensjahr hinaus einzunehmen. Die Aussagekraft der Studie ist allerdings begrenzt. So haben die Forscher keine Informationen über die Gründe für das Absetzen der Medikamente. Es ist durchaus möglich, dass eine zunehmende kardiovaskuläre Morbidität dafür verantwortlich war. Andererseits ist es möglich, dass Patienten, die sich für die Fortsetzung der Therapie entschieden, körperlich gesünder waren und deshalb ein geringeres Risiko auf ein Herz-Kreislauf-Ereignis hatten. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #644376
Radiologe5678
am Samstag, 3. August 2019, 15:56

Statine

Die 33 % 75-jährige die kardiovaskuläre Probleme bekommen entsprechen absolut 3 % der Gesamtpopulation. 90 % bekommen keine Probleme auch ohne Statine. Daher ist es sinnlos mit 75 Jahren noch Statine zu nehmen. Wer Statine nimmt handelt sich unter Umständen ein Diabetes mellitus ein, Muskelschwäche, und Gedächtnisstörungen. Genau dann sollten sie lieber einen Dauerauftrag machen und das Geld der Pharmaindustrie dir direkt überweisen.
Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Samstag, 3. August 2019, 10:59

Der Grund,

warum Studien über Cholesterinsenker ergeben, dass ihr Einsatz sinnvoll ist, liegt daran, weil sie bei diesen Studien nicht gegen das Vitamin C antreten müssen: http://members.chello.at/meinewebseite/Emai.htm
LNS

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