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Medizin

Kein Hinweis auf erhöhte MS-Erkrankungsrate nach Impfungen

Freitag, 2. August 2019

/dpa

München – Neue Daten sprechen gegen die Hypothese, dass Impfungen die Gefahr erhöhen, an einer Multiplen Sklerose (MS) zu erkranken. Eine entsprechende Studie der Technischen Universität München (TUM) und der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Bayerns mit über 200.000 Personen, darunter mehr als 12.000 MS-Erkrankte, ist jetzt im Fachjournal Neurology erschienen (DOI 10.1212/WNL.0000000000008012). 

Es zeigte sich, dass Personen fünf Jahre vor einer MS-Diagnose weniger Impfungen erhalten hatten als Vergleichsgruppen, die keine MS entwickelten. Dies galt für die untersuchten Impfungen gegen Pneumokokken, Meningokokken, Mumps, Masern, Röteln und Windpocken, das Humane Papilloma Virus (HPV), Hepatitis A und B, FSME und Grippe.

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„Die Ursachen kennen wir noch nicht. Vielleicht nehmen Menschen lange vor ihrer Diagnose die Krankheit wahr und verzichten deshalb auf zusätzliche Belastungen für das Immun­system. Solche Effekte zeigen sich auch in unseren Daten. Oder die Impfung hat einen protektiven Effekt und hält das Immunsystem von Attacken gegen das Nervensystem ab. Letztlich können wir aufgrund der großen Datenmenge klar sagen, dass es keinen Hinweis darauf gibt, dass sich die Wahrscheinlichkeit für eine MS-Erkrankung oder das Auftreten eines ersten MS-Schubs durch Impfungen unmittelbar erhöht“, erklärte Alexander Hapfelmeier, Erstautor der Studie.

Die Wissenschaftler um Bernhard Hemmer, Direktor der Neurologischen Klinik und Poliklinik am TUM-Universitätsklinikum rechts der Isar, untersuchten auch, ob die niedrigeren Impfraten ein grundsätzlicher Effekt von chronischen Krankheiten sein könnten. Sie werteten deshalb in dem bevölkerungsrepräsentativen Datensatz der KV zusätzlich die Daten von zwei weiteren Patientengruppen aus, nämlich von Menschen mit der entzünd­​lichen Darm­er­krank­ung Morbus Crohn und mit der chronischen Hautkrankheit Schuppenflechte. Auch bei ihnen waren die Impfungen fünf Jahre vor ihrer Diagnose erfasst worden.

Diese Patienten ließen sich aber ähnlich oft impfen wie die gesunde Kontrollgruppe. „Die Ergebnisse sind nicht allein auf eine chronische Krankheit zurückzuführen, sondern ein MS-spezifisches Verhalten“, folgert Hemmer. Der MS-Experte betont, dass MS-Erkrankte lange vor der Diagnose in ihrem Verhalten und ihrer Krankengeschichte auffällig seien. Sie litten zum Beispiel häufiger an psychischen Erkrankungen und bekämen seltener Kinder. „All das macht deutlich, dass die MS lange vor den neurologischen Symptomen da ist. Wir müssen geeignete Marker finden, um sie früher zu diagnostizieren. Das sehen wir als eine unserer wichtigsten Aufgaben“, so Hemmer.  © hil/aerzteblatt.de

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