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Chefarzt muss nach Streit um Fixierungen in Psychiatrie gehen

Donnerstag, 1. August 2019

Landshut – Nach einem Zerwürfnis über therapeutische Maßnahmen hat sich das Bezirkskrankenhaus Landshut von dem dortigen Chefarzt der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie getrennt. Der Chefposten wird nach Angaben des Bezirks Niederbayern neu ausgeschrieben.

Der bisherige Chefarzt Dietmar Eglinsky hatte schwere Vorwürfe gegen das Krankenhaus erhoben, unter anderem sollen Patienten häufiger als notwendig an Betten fixiert worden sein. Der Bezirksausschuss beschloss, den Vertrag mit dem Chefarzt nicht über die Probezeit hinaus zu verlängern. Der Vertrag lief gestern aus.

Die kommissarische Leitung werde der bisherige Stellvertreter, Norbert Dibbern, übernehmen, sagte eine Sprecherin. Eglinsky seinerseits trat schon heute eine neue Stelle in führender Position an. In welcher Klinik, wollte er zunächst nicht sagen.  Als externen Berater zog der Bezirk Romuald Brunner hinzu. Er ist Inhaber des Lehrstuhls für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Regensburg. Er soll die Vorwürfe prüfen und für umfassende Aufklärung sorgen.

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Eglinsky beklagte vor allem die Zahl der Fixierungen und das junge Alter der fixierten Kinder. Er kritisierte ebenso, wie häufig Kinder und Jugendliche gegen deren Willen untergebracht werden. Die Zahl sei im Vergleich zu anderen Kliniken „sehr hoch“. Dies geschehe, obwohl es fachliche Möglichkeiten gäbe, Notfallpatienten zu einer freiwilligen Kooperation zu bewegen, sagte Eglinksy. Seine Kritik sei dem Bezirk seit März bekannt gewesen. Es sei bedauerlich, dass diese kein Gehör gefunden habe und erst jetzt ein externer Berater hinzugezogen worden sei.

Der ärztliche Direktor des Krankenhauses, Hermann Spießl, hatte darauf verwiesen, dass in der Kinder- und Jugendpsychiatrie keine Fixierung ohne richterliche Genehmigung erfolge und Patienten erst nach Ausschöpfen sämtlicher anderer Maßnahmen fixiert würden. Dies sei vor allem bei Suizidgefahr oder bei Aggressionen der Patienten anderen gegenüber notwendig. „Eine Fixierung darf immer nur das letzte Mittel der Wahl sein und ist nur in seltensten Ausnahmefällen erforderlich“, sagte Spießl. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #112539
heueka47
am Mittwoch, 14. August 2019, 11:45

Die Krankheit der Gesellschaft

72 Lebensjahre, schwere psychische / suizidale Krise, grundlegende natürliche Heilung und 20 Jahre aktive Mitwirkung in einer Interessenvertretung "psychisch kranker" Menschen haben mich erkennen lassen, daß die allermeisten Angehörigen der helfenden Berufe durch ihre (Normal-)Neurose (Eysenck) schwer menschlich beeinträchtigt sind und ihren Patienten / Klienten nicht gerecht werden können.
2005 wurde meine umfassende Kritik am psychiatrischen Versorgungssystem unter dem Titel "Lieben Sie Ihre Patienten" in den Sozialpsychiatrischen Informationen veröffentlicht.
Die Unwissenheit / Unweisheit / Verblendung der großen Mehrheit kann geheilt werden - aber dazu bräuchte es ein besseres Verstehen der wahren Ursachen und Auswirkungen und dann intensive wahrheitsgemäße Aufklärung - um letztlich auch den Untergang unserer "Hochkultur" (O. Spengler) zu verhindern.
Avatar #661708
Haiko
am Samstag, 3. August 2019, 08:48

Warum mehr Fixierungen?

Weil die Menschen heute als Kinder der 60er Generation immer mehr ausrasten, sich nicht an Regeln halten....
Avatar #661708
Haiko
am Samstag, 3. August 2019, 08:39

Wer haftet für Schäden bei Unterlassung Fixierung?

Der Jurist? Nein! Der Arzt! Wir befinden uns immer mehr in einem Unrechtsstaat. Und Kinder haben doch weniger Persönlichkeitsrechte und Selbstbestimmungsrechte.
Avatar #109
Claas Hüttenrauch
am Samstag, 3. August 2019, 07:33

Fixierende Massnahmen - aus Schweizer Sicht...

Abgesehen von der Diskussion über die therapeutische Kompetenz der Beteiligten - es ist mE unklar, wer die Anweisungen regelmässig bzw im Einzelfall gegeben hat, administrativ veranlasst/ organisatorisch verantwortet.
Das lässt sich aus dem DÄ-Bericht nicht ohne weiteres entnehmen:

„...Der bisherige Chefarzt Dietmar Eglinsky hatte schwere Vorwürfe gegen das Krankenhaus erhoben, unter anderem sollen Patienten häufiger als notwendig an Betten fixiert worden sein.
Eglinsky beklagte vor allem die Zahl der Fixierungen und das junge Alter der fixierten Kinder.
Er kritisierte ebenso, wie häufig Kinder und Jugendliche gegen deren Willen untergebracht werden.
.
Der ärztliche Direktor des Krankenhauses, Hermann Spießl, hatte darauf verwiesen, dass in der Kinder- und Jugendpsychiatrie keine Fixierung ohne richterliche Genehmigung erfolge und Patienten erst nach Ausschöpfen sämtlicher anderer Maßnahmen fixiert würden. ..“

Urteilsunfähige Patienten sowie Kinder können ihre Angelegenheit nicht selbst wahrnehmen, sie sind auf Handlungen Dritter angewiesen:
„...Die somit fehlende Handlungsfähigkeit ist durch die Mitwirkung des gesetzlichen oder gewillkürten Vertreters zu ersetzen oder zu ergänzen.
Hierbei werden im Falle des unmündigen bzw. entmündigten, nicht unter Vormundschaft gestellten Kindes bzw. Erwachsenen (bzw. beim habituell urteilsunfähigen Patienten) die Inhaber der elterlichen Gewalt des Patienten kraft Gesetzes als gesetzliche Vertreter bestellt.
Gibt es keine Eltern mehr, wird kraft behördlicher Verfügung ein Vormund bestellt...“ - Roggo, S.23.
❗️
ad fixierende Massnahmen:

Für betroffene Person und das langfristige Krankheitsmanagement und somit auch für die Arbeit des Case Management stellt eine stattgefundene Zwangsmassnahme eine ernstzunehmende Komplikation im Behandlungsverlauf dar:
„...Das Erlebnis von Zwang und der einhergehenden Hilflosigkeit kann zu einer dauerhaften Ablehnung des professionellen Hilfesystems und seinen Therapiemassnahmen führen.
Um dem entgegenzuwirken, sind Massnahmen auf den Ebenen der primären, sekundären und Prävention nötig.
.
Eine Massnahme, die auf allen Präventionsstufen wirksam sein kann, ist die Vorausverfügung.
Über die Vorausverfügung kann eine betroffene Person akute Krankheitsphasen, in denen sie sich nicht entsprechend äussern kann, gemäss ihren Wünschen und Bedürfnissen mitgestalten.
.
Die Vorausverfügung wird in der Schweiz über das Erwachsenenschutzrecht festgelegt und als psychiatrische Patientenverfügung bezeichnet (Artikel 370 ff. ZGB).
Sie zielt darauf ab das Selbstbestimmungsrecht der betroffenen Personen zu fördern.
Mittels der Patientenverfügung können urteilsfähige Personen verbindlich festlegen, welche medizinischen Massnahmen sie im Falle einer Urteilsunfähigkeit zustimmen oder ablehnen.
Falls ein Arzt die Anordnungen einer Patientenverfügung nicht befolgt, muss er dies begründen.
.
Mit „Behandlungsvereinbarung“ werden die gemeinsam von Fachpersonen und Patientin/Patient ausgehandelten Behandlungszielsetzungen und -massnahmen bezeichnet. Diese werden in der Regel zu Beginn einer therapeutischen Arbeitsbeziehung, wie beispielsweise einem stationären Aufenthalt, festgelegt und im Verlauf evaluiert und angepasst...“ Zuaboni, Nienaber, Schulz, S.11
https://www.researchgate.net/profile/Andre_Nienaber/publication/315046415_Zwangsmassnahmen_in_der_Psychiatrie_Sicherheit_und_Pravention_durch_Beziehung_und_professionelle_Begleitung/links/5b1398ae4585150a0a643273/Zwangsmassnahmen-in-der-Psychiatrie-Sicherheit-und-Praevention-durch-Beziehung-und-professionelle-Begleitung.pdf?origin=publication_detail

_______
www.promentesana.ch/de/angebote/ patientenverfuegung-ppv.html

Roggo, https://www.irm.unibe.ch/unibe/portal/fak_medizin/ber_dlb/inst_remed/content/e40010/e219183/section219184/files363393/SkriptumMedizinrecht_ger.pdf
Avatar #109
Claas Hüttenrauch
am Samstag, 3. August 2019, 07:33

Fixierende Massnahmen - aus Schweizer Sicht...

Abgesehen von der Diskussion über die therapeutische Kompetenz der Beteiligten - es ist mE unklar, wer die Anweisungen regelmässig bzw im Einzelfall gegeben hat, administrativ veranlasst/ organisatorisch verantwortet.
Das lässt sich aus dem DÄ-Bericht nicht ohne weiteres entnehmen:

„...Der bisherige Chefarzt Dietmar Eglinsky hatte schwere Vorwürfe gegen das Krankenhaus erhoben, unter anderem sollen Patienten häufiger als notwendig an Betten fixiert worden sein.
Eglinsky beklagte vor allem die Zahl der Fixierungen und das junge Alter der fixierten Kinder.
Er kritisierte ebenso, wie häufig Kinder und Jugendliche gegen deren Willen untergebracht werden.
.
Der ärztliche Direktor des Krankenhauses, Hermann Spießl, hatte darauf verwiesen, dass in der Kinder- und Jugendpsychiatrie keine Fixierung ohne richterliche Genehmigung erfolge und Patienten erst nach Ausschöpfen sämtlicher anderer Maßnahmen fixiert würden. ..“

Urteilsunfähige Patienten sowie Kinder können ihre Angelegenheit nicht selbst wahrnehmen, sie sind auf Handlungen Dritter angewiesen:
„...Die somit fehlende Handlungsfähigkeit ist durch die Mitwirkung des gesetzlichen oder gewillkürten Vertreters zu ersetzen oder zu ergänzen.
Hierbei werden im Falle des unmündigen bzw. entmündigten, nicht unter Vormundschaft gestellten Kindes bzw. Erwachsenen (bzw. beim habituell urteilsunfähigen Patienten) die Inhaber der elterlichen Gewalt des Patienten kraft Gesetzes als gesetzliche Vertreter bestellt.
Gibt es keine Eltern mehr, wird kraft behördlicher Verfügung ein Vormund bestellt...“ - Roggo, S.23.
❗️
ad fixierende Massnahmen:

Für betroffene Person und das langfristige Krankheitsmanagement und somit auch für die Arbeit des Case Management stellt eine stattgefundene Zwangsmassnahme eine ernstzunehmende Komplikation im Behandlungsverlauf dar:
„...Das Erlebnis von Zwang und der einhergehenden Hilflosigkeit kann zu einer dauerhaften Ablehnung des professionellen Hilfesystems und seinen Therapiemassnahmen führen.
Um dem entgegenzuwirken, sind Massnahmen auf den Ebenen der primären, sekundären und Prävention nötig.
.
Eine Massnahme, die auf allen Präventionsstufen wirksam sein kann, ist die Vorausverfügung.
Über die Vorausverfügung kann eine betroffene Person akute Krankheitsphasen, in denen sie sich nicht entsprechend äussern kann, gemäss ihren Wünschen und Bedürfnissen mitgestalten.
.
Die Vorausverfügung wird in der Schweiz über das Erwachsenenschutzrecht festgelegt und als psychiatrische Patientenverfügung bezeichnet (Artikel 370 ff. ZGB).
Sie zielt darauf ab das Selbstbestimmungsrecht der betroffenen Personen zu fördern.
Mittels der Patientenverfügung können urteilsfähige Personen verbindlich festlegen, welche medizinischen Massnahmen sie im Falle einer Urteilsunfähigkeit zustimmen oder ablehnen.
Falls ein Arzt die Anordnungen einer Patientenverfügung nicht befolgt, muss er dies begründen.
.
Mit „Behandlungsvereinbarung“ werden die gemeinsam von Fachpersonen und Patientin/Patient ausgehandelten Behandlungszielsetzungen und -massnahmen bezeichnet. Diese werden in der Regel zu Beginn einer therapeutischen Arbeitsbeziehung, wie beispielsweise einem stationären Aufenthalt, festgelegt und im Verlauf evaluiert und angepasst...“ Zuaboni, Nienaber, Schulz, S.11
https://www.researchgate.net/profile/Andre_Nienaber/publication/315046415_Zwangsmassnahmen_in_der_Psychiatrie_Sicherheit_und_Pravention_durch_Beziehung_und_professionelle_Begleitung/links/5b1398ae4585150a0a643273/Zwangsmassnahmen-in-der-Psychiatrie-Sicherheit-und-Praevention-durch-Beziehung-und-professionelle-Begleitung.pdf?origin=publication_detail

_______
www.promentesana.ch/de/angebote/ patientenverfuegung-ppv.html

Roggo, https://www.irm.unibe.ch/unibe/portal/fak_medizin/ber_dlb/inst_remed/content/e40010/e219183/section219184/files363393/SkriptumMedizinrecht_ger.pdf
Avatar #720508
e.ne
am Samstag, 3. August 2019, 06:27

Die Berufung auf "Richter" u. "Ausschöpfen anderer Möglichkeiten" = Formal

Diese Automatismen in den Formulierungen findet man in diesem Bereich
ständig. Genau wie "seelisch krank" soll sein alles - jede Wut über ungerechte Behandlung - oder einfach spontaner Kräfteverlust nach Schock (inkl. Hunger/Durst) über plötzlich in das Leben über die Person einbrechende Amt/Behörden. - Derartige "seel. Krankheiten" können sich
mit einigermaßen vernünftigen Mitmenschen in aller Regel sehr schnell
wieder geben. - Das geschriebene Wort/die Formulierung bleibt erhalten.
Das ist wie die berühmte Fliege, der man die Beine ausreisst und sie
unter dem Mikroskop beobachtet, was sie nun macht. - Daraus folgen
sehr schnell Begriffe Seitenlang, Meterhoch.
Die meisten Menschen, die plötzlich "eingesperrt" sind fangen an zu schreien - sie sind schockiert, sie haben Angst. Und dann werden sie
auch noch vergiftet, gespritzt und fixiert ... das ist wie Krieg.
LNS

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